St. Petri Benz

Ein neuer Helm für den Turm von St. Petri

„KiBa-Kirche des Monats Januar“ ist Kern im Herzen der „Usedomer Schweiz“

Lyonel Feininger hat sie ganz genau betrachtet: Die St. Petri-Kirche in Benz gehörte zu den beliebten Motiven, die der berühmte Maler und Bauhaus-Meister auf der Insel Usedom mit dem Pinsel oder dem Zeichenstift bannte. Zwischen 1908 und 1918 residierte Feininger mehrfach auf dem zu Vorpommern gehörenden Eiland, zeitweise wohnte er in Benz. Dass er die Kirche als Motiv schätzte, verwundert nicht: Stolz ragt der feldsteinsichtige Bau, dessen Ursprünge in das 15. Jahrhundert zurückreichen, mit seinem massiven Turm im Herzen der "Usedomer Schweiz" in den Himmel.

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St. Petri Benz 

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Schon immer bildete die "Kirche des Monats Januar 2014" an diesem Ort das Zentrum des Geschehens; große Teile des heutigen Gebäudes gehen auf eine um 1300 erbaute Vorgängerkirche zurück, die erste urkundliche Erwähnung einer Pfarrstelle in Benz ist für das Jahr 1229 verbürgt. Im Kern frühgotisch gestaltet, ist das Gebäude im Laufe der Jahrhunderte vielfach umgebaut worden. Gegen Ende des Mittelalters erhielt St. Petri Zuwachs in Form eines Chorraums; im Dreißigjährigen Krieg teilte es das Schicksal zahlreicher Artgenossen und wurde als Pferdestall benutzt. 1663 ließ ein schwedischer Amtshauptmann die Kirche umfassend renovieren und neu ausstatten. Im Zuge erneuter Renovierungen wurde 1836 die Balkendecke durch ein hölzernes Tonnengewölbe ersetzt, auf das zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine als Sternenhimmel gestaltete Kassettendecke gemalt wurde. Dieser aufwändig gestaltete Sternenhimmel prägt den ansonsten bewusst schlicht gehaltenen Kirchenraum maßgeblich.

Auch heute bildet St. Petri den Mittelpunkt des örtlichen Lebens: Benz ist das Zentrum der aus insgesamt neun Dörfern bestehenden Gemeinde, die benachbarte Grundschule ist ebenso wie der nahe Kindergarten kirchlich getragen. Kinder prägen das Leben in der Kirche - ebenso wie die Kultur: Seit 45 Jahren gibt es im Juli und August den "Kirchensommer", in dessen Rahmen wöchentlich zwei Konzerte oder Lesungen stattfinden; St. Petri ist ganzjährig für Besucher geöffnet und Gastgeberin für das Usedomer Musikfestival sowie die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Die Bindung der Gemeinde an ihre Kirche ist hoch. Zu DDR-Zeiten wurden viele Reparaturarbeiten von den Gemeindegliedern übernommen, und auch als vor fünf Jahren eine neue Glocke angeschafft werden musste, waren Spendengelder dafür schnell beisammen.

So lebendig es in und um die St-Petri-Kirche zugeht - ein Sorgenkind gibt es doch, und das ist der Turm. Seit dem 17. Jahrhundert gehört er zur Kirche, etwa 25 Meter hoch ist er der Witterung in besonderem Maße ausgesetzt, sodass sich Mängel in der Dacheindeckung schneller als anderswo bemerkbar machen: Neben Schäden durch Insekten haben Gutachter auch schwere Fäulnisschäden in der tragenden Holzkonstruktion des Turmhelms festgestellt. Diese sind so weit fortgeschritten, dass die Standsicherheit des Helms nicht mehr gewährleistet war; "angesichts der bevorstehenden Stürme in Herbst und Winter musste im Sommer eine Notsicherung gemacht werden", berichtet Annegret Möller-Titel, die Pastorin der Gemeinde. Nur so habe man die Sperrung von Turm und Kirche verhindern können.

Die Planungen sind weitestgehend abgeschlossen und sobald das Wetter im Frühjahr es zulässt, soll ein großer Kran den maroden Turmhelm abnehmen; ein Notdach wird installiert. In einem zweiten Schritt wird die Sanierung des Turmdachtragwerks unternommen, dann soll der Helm wieder aufgesetzt und neu eingedeckt werden. Die Stiftung KiBa unterstützt die insgesamt rund 380.000 Euro teuren Maßnahmen in diesem Jahr mit 10.000 Euro. Ihren finanziellen Eigenanteil hat die Gemeinde relativ mühelos bewerkstelligen können: Die Einnahmen aus dem letztjährigen "Kirchensommer" konnten dem Sanierungszweck zugeschrieben werden. "Ein gutes Konzert", sagt die Pastorin, "bringt schon mal 1000 Euro an Spenden".

Die Bereitschaft, sich auch finanziell für die Kirche zu engagieren, ist in der Gemeinde ebenso wie bei regelmäßigen Urlaubsgästen sehr hoch, betont Möller-Titel. Auch für den Sternenhimmel, dessen Sanierung mittelfristig ebenfalls ansteht, werden schon jetzt Patenschaften verkauft. 550 Euro kostet die Patenschaft für einen mit Ähren umkränzten Stern - obwohl dieser Betrag alles andere als gering ist, gibt es viele Interessenten. Gerade zur Weihnachtszeit, sagt Annegret Möller-Titel, war die Nachfrage spürbar. Sie erklärt sich das so: "Viele Menschen haben einfach schon alles, was sie zum Leben brauchen. Aber: Wer kann schon einen Stern verschenken?"