Dorfkirche Stolzenhain

„Immer am Ball bleiben“

Die Sanierung der Kirche in Stolzenhain erfordert viel Zeit und Engagement

„Zusage durch Stiftung KiBa zur Förderung als eine von 90 geförderten Kirchen“ - dieser Eintrag steht neben dem Datum „23.Dezember 2013“ im „Aktivitätenkalender“ des Fördervereins Kirche Stolzenhain e.V. geschrieben. Es ist zu ahnen, was zwischen den Zeilen steht: Die Annahme des Fördergesuchs durch die KiBa hat in dem 85 Bewohner zählenden Dorf im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt besonders große Freude ausgelöst. Die 10.900 Euro, die die Stiftung für ihre „Kirche des Monats Juni" zur Verfügung stellt, kommen gerade recht. Wer einen Blick in das Innere des Gebäudes wirft, weiß warum: „Wirklich schlimm“ sieht es in der kleinen Kirche zurzeit aus, meint Susanne Graul, die Vorsitzende des Fördervereins: Der helle Putz ist bis auf Schulterhöhe von den Wänden geklopft, der Boden rund 50 Zentimetertief ausgebaggert. Die vom Hausschwamm befallenen Kirchenbänke mussten verbrannt werden, auch alles übrige Inventar ist entfernt. Fast leer ist der Raum - dass es sich um eine Kirche handelt, demonstriert fast trotzig der Altar im vorderen Bereich.

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Doch der steht nicht auf verlorenem Posten. So heillos der äußere Anschein auch sein mag – tatsächlich ist die Verwandlung der Kirche in eine Baustelle ein ermutigendes Zeichen von Engagement. In zahllosen Arbeitsstunden haben Susanne Graul und ihre 15 Mitstreiter vom Förderverein das Kircheninnere gemeinsam bearbeitet, Putz abgehakt, Fugen ausgekratzt, Boden ausgehoben. Die dazu benötigten Maschinen wurden vom benachbarten Landwirtschaftsbetrieb zur Verfügung gestellt, der örtliche Elektriker steuerte einen Minibagger bei und stellte die Stromversorgung wieder her. Inzwischen ist der Hausschwamm ausgemerzt, nun steht die Gemeinde vor der Frage, ob die Sanierung wie geplant im Inneren weiter gehen, oder ob doch das Dach des Kirchturms den Vorzug erhalten soll. „Das ist uns dazwischen gekommen“, sagt die Vereinsvorsitzende. „Es hieß, das Dach sei dicht, ist es aber nicht.“ Die ursprünglich für die Sanierung veranschlagten 68.000 Euro, fürchtet sie, werden daher nicht reichen.

1731 wurde die kleine, denkmalgeschützte Saalkirche errichtet, die zum Ortsbild gehört wie der Friedhof, der sie umgibt. „In den achtziger Jahren“, erinnert sich Graul, „stand das Gebäude schon mal kurz vor dem Verfall. Da haben die Leute im Dorf tief in ihre Taschen gegriffen und auf eigene Kosten saniert. Das hat unsere Kirche lange Zeit funktionsfähig gehalten. Aber vor vier Jahren war Schluss“. Heute fehlt die finanzielle Kraft der Stolzenhainer, nicht aber ihr Wille zum Wiederaufbau. „Wenn andere ihre Kirchen so schön sanieren, muss das bei uns doch auch gehen“, sagt die Fördervereinsvorsitzende, deren Familie väterlicherseits seit vielen hundert Jahren in Stolzenhain lebt.

Regelmäßige Gottesdienste in den „eigenen vier Kirchenwänden“ wünschen sich die Stolzenhainer, feiern wollen sie dort auch wieder Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Beerdigungen. Auch das Etikett als Radfahrerkirche auf dem Radweg zwischen Saale und Elster hätte man gern. Bis dahin wird es noch lange dauern, weiß Susanne Graul. Aber sie kennt auch das Rezept, das nicht nur im Sport fast immer zum Ziel führt: „immer am Ball bleiben“.