Dorfkirche Neußen

Engagement mit Herz und Tradition

In Neußen fördert die KiBa die Sanierung des Dorfkirchendachs

An vielen Orten beeindrucken Kirchen aufgrund ihrer besonderen Geschichte, ihrer architektonischen Brillanz oder der Kunstschätze in ihrem Inneren. Oft sind es auch namhafte Prediger oder berühmte Gemeindeglieder, die einer Kirche Bedeutung zuwachsen lassen. Tief anrühren aber können auch die Kirchengebäude, die Heimat bedeuten, die durch persönliche Bindungen zu ganz besonderen, nahen Orten werden. Dies ist im nordsächsischen Neußen der Fall. „Unsere Kirche hat nicht den Prunk und Pomp anderer Kirchen. Dafür sind wir hier sehr viel mit dem Herzen dabei“, sagt Pfarrer Maik Hildebrandt.

Auf einem kleinen Hügel, inmitten des Friedhofs gelegen, nimmt die Neußener Kirche eine herausgehobene Stellung im Dorf ein. „Sie trägt erheblich zur Identifizierung der Dorfbewohner mit ihrem Ort bei“, so der Pfarrer, „Sie ist einfach ein sehr schönes, kleines, liebenswertes Kirchlein.“ Das verputzte Bruchsteinbauwerk mit zwei Anbauten – einer kleinen Sakristei und einem die Patronatsloge beherbergenden Anbau – bietet im Inneren einigen Anlass zur Verwendung verniedlichender Attribute: Eine kleine Orgel und eine schmale Empore, gemütliche beidseitige Holzlogen und eine aus dem 17. Jahrhundert stammende Kanzel tragen zu einem geborgenen Gefühl im Kirchenraum bei. Eine Besonderheit stellt der aus dem Mittelalter stammende Schnitzaltar dar.

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Kirche Neußen 

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Für Maik Hildebrandt ist die Neußener Kirche eine von sechs weiteren, für die er als Pfarrer im Kirchspiel Belgern zuständig ist. Während er „überall mit einem Stückchen Herz dabei“ ist, hängen die 119 Gemeindeglieder in Neußen mit naturgemäß größerer Entschiedenheit an der einen, nämlich ihrer Kirche. Dass der  Gottesdienst regelmäßig vor der Haustür stattfindet, ist dabei ebenso wichtig wie die Tatsache, dass es im Dorf einen Ort für besondere kirchliche Feste wie Taufen und Hochzeiten gibt. Damit das auch so bleibt, setzen sie sich für den Erhalt ihrer sanierungsbedürftigen Dorfkirche ein.

Solches Engagement hat Tradition: Die Geschichte des im 13. Jahrhundert errichteten Gotteshauses ist gekennzeichnet durch Aufbau, Zerstörung und Wiederaufbau – und immer, wenn es galt, eine erneute Errichtung des Bauwerks zu vollbringen, waren die Gemeindeglieder zur Stelle. Im 30-jährigen Krieg wurde die Dorfkirche zum ersten Mal komplett zerstört; die engagierte Kirchengemeinde legte beim Wiederaufbau eifrig Hand an. Im Jahr 1772 brannte der gesamte Ort nieder; wiederum bauten die Gemeindeglieder Dorf und Kirche neu auf. Dieses Zusammenstehen prägt bis heute, meint Maik Hildebrandt. „Die Bewohner Neußens sind immer noch miteinander für den Ort verbunden, und sie packen bei anfallenden Reparaturarbeiten so weit wie möglich selbst mit an.“

Bei der insgesamt 165.800 Euro teuren, dringend erforderlichen Dachsanierung des Kirchenbaus müssen allerdings Profis ans Werk. Doch auch hier leisten die Gemeindeglieder ihren finanziellen Beitrag. Angesichts der geringen Größe der Gemeinde ist man in Neußen aber auf externe Unterstützung angewiesen. Die Stiftung KiBa stellt 10.000 Euro für ihre „Kirche des Monats Oktober“ zur Verfügung. Die Sanierung umfasst eine Neueindeckung des Daches des Kirchenschiffs sowie der Anbauten. Dabei wird neben der Reparatur des Dachstuhls und einer Erneuerung des Dachentwässerungssystems auch Schwamm bekämpft. Nach Fertigstellung aller Baumaßnahmen wird das Dorfkirchlein zwar immer noch nicht mit „Prunk und Pomp“, dafür mit Sicherheit aber durch ein noch schmuckeres Äußeres Aufmerksamkeit auf sich ziehen.