Nathanaelkirche in Leipzig-Lindenau

Weltberühmte Knabenstimmen für die Nathanaelkirche

Für den Erhalt der „KiBa-Kirche des Monats April“ in Leipzig-Lindenau engagieren sich sogar die Thomaner

Die Nathanaelkirche im Leipziger Stadtteil Lindenau hat düstere Zeiten hinter sich. Der aus dem Jahr 1884 stammende neogotische Bau ist eines der prominenteren bauwerklichen Opfer der konsequent atheistischen Religionspolitik in der DDR. Genau hundert Jahre nach ihrer Einweihung wurde die Kirche offiziell als Gottesdienstort aufgegeben. Es folgten zehn Jahre des Verfalls; das Gebäude wurde als Lagerhalle verwendet, sollte abgerissen werden, es regnete durch das Dach.

Das ist lange her. Wer das auffällig große Bauwerk mit dem 74 Meter hohen Turm in Lindenau heute besucht, wird kaum noch glauben, dass das Schicksal der Kirche einst auf Messers Schneide stand. Zwar sind die Schadensspuren der vergangenen Jahrzehnte außen wie innen noch deutlich erkennbar, ebenso deutlich ist aber auch: Hier gibt es viele Menschen, die die Kirche in ihrem Stadtteil brauchen, aufsuchen und schätzen – und die nicht mit den Achseln zucken, sondern die Ärmel hochkrempeln, wenn es um die Erhaltung dieser Kirche geht.

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Mit dem Leipziger Thomanerchor fing alles an. Im Mai 1994 waren die Sängerknaben aus der benachbarten Thomaskirche nach Lindenau gekommen; ihr Benefizkonzert bildete den Auftakt für die Wiederbelebung von Kirche und Gemeinde. Seither werden Spenden für Sanierungsvorhaben gesammelt, und seither finden in Nathanael auch wieder regelmäßig Gottesdienste statt; zumindest im Sommer. Im Winter ist es in der noch unbeheizbaren Kirche zu kalt. Ein Dauerzustand soll das nicht sein: Die Gemeinde in Lindenau wächst, und damit nicht nur der Bedarf, sondern auch die Bereitschaft, sich für die Kirche zu engagieren.

„Stück für Stück“, sagt Martin Weicker, gehen wir die Sanierung an“. Weicker, hauptberuflich Fotograf am Institut für Kunstgeschichte der Universität Leipzig, ist Vorsitzender des Förderkreises der Evangelisch-Lutherischen Nathanaelgemeinde in Lindenau. Seit 2005 erhält der Kreis stetigen Zulauf, einiges haben Weicker und seine inzwischen 115 Mitstreiter seitdem erreicht: Die Sakristeidächer sind neu eingedeckt, die 20 kleinen Bleiglasfenster des Kirchenschiffs denkmalgerecht saniert. Der stete Tropfen erwies sich als Erfolgsgarant: Im vergangenen Jahr endlich hob das Landeskirchenamt den Beschluss zur Aufgabe der Kirche endlich auch förmlich auf.

„Als nächstes ist die Sanierung der Außenhaut der Kirche an der Reihe“, kündigt Weicker an. Auch dank der Förderung durch die Stiftung KiBa, betont der Förderkreisvorsitzende, können die Gerüste, die in Kürze auf der Südseite der Kirche aufgebaut werden, kostensparend weil doppelt genutzt werden: Neben der Sanierung des Kirchendachs sollen auch die ersten der insgesamt acht großen, jeweils dreiteiligen farbigen Bleiglasfenster des Kirchenschiffs restauriert werden. 17.000 Euro stellt die KiBa, auch dank einer Projektspende des örtlichen Förderkreises, ihrer „Kirche des Monats April“ zur Verfügung.

Die historisch wertvollen Bleiglasfenster wurden kurz nach der Einweihung der Kirche, im Jahr 1887, gefertigt. „Sie tragen mit ihrer Farbigkeit maßgeblich zu der besonderen Wirkung bei, die sich beim Betreten des Kirchenraums einstellt“, sagt Weicker. Doch auch anderes macht Eindruck: Die Nathanaelkirche, kurz vor der Eingemeindung von Lindenau nach Leipzig errichtet, war von Anfang an als große Kirche geplant. Das Kirchengestühl ist für 1100 Personen konzipiert. Auch Altartisch, Kanzel, Taufstein und Orgel stammen noch aus der Erbauungszeit, das kreuzrippengewölbte Innere [hier m.E. ok, in der PM eher nicht. M.A,] ziert eine reiche Ausmalung, die wenig später entstand.

Mehr als eine Million Euro sind für die vollständige Instandsetzung der des Kirchengebäudes veranschlagt. Eine enorme Summe, die in Lindenau aber niemanden mehr erschreckt. „Die ersten Schritte sind getan, und es geht weiter“, so Martin Weicker. 87.000 Euro an Spendengeldern hat der Förderkreis bislang zusammenbekommen, und damit ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen. Die Lindenauer sind unvermindert tatendurstig: Im Herbst werden sie Turmbesteigungen anbieten - „im Sommer geht es noch nicht, weil da die Turmfalken brüten“ –, zum Tag des offenen Denkmals Anfang September ist eine Ausstellung zur Geschichte der Nathanaelkirche geplant. Fest stehen auch die Termine der vielen Benefizkonzerte, die im zeitlichen Abstand von wenigen Wochen das ganze Jahr über stattfinden. „Von A-capella Gesang über Klezmer und Pop, bis hin zu Bach und Jazz – wir setzen bewusst unterschiedliche musikalische Akzente“, erklärt Weicker. Mit dem Höhepunkt der Reihe wird in diesem Jahr in besonderer Weise der Vergangenheit gedacht: Genau 20 Jahre nach ihrem ersten Auftritt in Nathanael werden im Mai auch die Sängerknaben des Thomanerchors noch einmal ihre Stimmen für die Kirche erklingen lassen.