Dorfkirche Roxförde

Kontinuierliches Engagement gegen den Verfall

In der „Kirche des Monats Februar“ in Roxförde wird die innere Dachkonstruktion gesichert

Ein Sturm hätte der Dorfkirche in Roxförde beinahe ein endgültiges Ende bereitet. 1972 kam dieser Sturm, und wer nach dem Unwetter in der kleinen Dorfkirche stand und nach oben blickte, „konnte den Himmel sehen“, erinnert sich Gerd Hinke, der Pfarrer der Gemeinde in der Altmark an die Erzählungen seiner Gemeindeglieder. Als es dann aber hieß, der aus dem 19. Jahrhundert stammende Backsteinbau solle künftig als Traktorschuppen verwendet werden, regte sich Widerstand. „Das war wie ein Weckruf“, meint Hinke. In unzähligen Stunden mühsamer Arbeit nach Feierabend richteten die die Gemeindeglieder Dach, Mauerwerk und Turm in Eigenregie wieder her. Auch Pragmatismus war damals gefragt: In Ermangelung originaler roter Tonziegel wurden Steine aus Beton gegossen und rot angemalt. „Das ist das Besondere an dieser Gemeinde“, sagt der Pfarrer, „dieses unaufgeregte, aber kontinuierliche und verlässliche Engagement der Mitglieder für die Kirche und ein gemeinsames gutes Leben“.

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Dorfkirche Roxförde 

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Am 1. Juli 1990 war der große Moment gekommen: Die Anfang des 16. Jahrhunderts geschaffene Kirchenglocke - die vermutlich älteste der Region -  lud wieder zum Gottesdienst ein; das Dorf hatte seine Kirche zurückgewonnen, dem Zahn der Zeit entrissen.

Natürlich hatten nicht alle Instandsetzungsarbeiten in den achtziger Jahren sachgerecht und nachhaltig wirksam ausgeführt werden können, daher wurde dies zu Beginn des neuen Jahrtausends nachgeholt. „Die roten Betonsteine haben wir als Zeitdokumente an ihrem Platz gelassen“, berichtet Hinke, alles andere wurde liebevoll und fachkundig restauriert. Im alten Stil und so, dass Gottesdienste auf Jahrzehnte hinaus ungestört stattfinden konnten.

Das dachte man jedenfalls. Bis ein Architekt genauer hinsah und feststellte, dass der Schein trog: Die Dachkonstruktion – die aufgrund des Fehlens einer Decke im Inneren der Kirche von unten zu sehen ist - wies gefährliche Mängel auf. Die Balkenauflagen waren teilweise fehlerhaft, auch im Holz zeigten sich an vielen Stellen Schäden. „Es war nicht auszuschließen, dass das Kirchenschiff nach innen zusammenfallen könnte“. Daher wird die Roxförder Kirche, die die Stiftung KiBa als „Kirche des Monats Februar“ würdigt, in diesem Jahr noch einmal saniert. 276.000 Euro wird die Wiederherstellung des Innenraums kosten; die Stiftung KiBa stellt 10.000 Euro zur Verfügung.

Obwohl das Innere der Kirche in Kürze mit Gerüsten verbaut sein wird, müssen die Gemeindeglieder auf den wöchentlichen Gottesdienst nicht verzichten: „Die Winterkirche erweist sich hier als großer Segen“, sagt der Pfarrer. „Dort können wir Gottesdienst feiern und haben gleichzeitig Einblick in die Fortschritte der Bauarbeiten“. Letzteres sei besonders wichtig, um die Gemeinde weiter „mitzunehmen“, meint Hinke, „weil ja eigentlich auch vorher alles gut ausgesehen hat“.

Zu sehen bekommen die Gottesdienstbesucher im Laufe des Jahres wohl so Einiges: Nach der Wiederherstellung der Dachkonstruktion soll unter anderem der Holzdecke zu Leibe gerückt werden. Noch besteht sie aus Spanplatten, die zu DDR-Zeiten aus Russland kamen – „das hat nichts mit der ursprünglichen Holzdecke zu tun, die von einem Bruder des berühmten Architekten Friedrich August Stüler gefertigt worden sein soll“. Wenn das Innenleben der Backsteinkirche wieder hübsch geordnet ist, werden auch die darin befindlichen Sehenswürdigkeiten neu zur Geltung kommen. Pfarrer Hinke freut sich besonders auf den Klang der historischen, 1853 von Adolf Christian Reubke geschaffenen Orgel, die ihre Vortrefflichkeit schon als Interimsinstrument im Magdeburger Dom unter Beweis gestellt hat. Sie erklingt in den Gottesdiensten und regelmäßig beim „Letzlinger-Roxförder Musiksommer“ – diese Orgelkonzerte werden in der frisch sanierten Kirche voraussichtlich mit besonderem Genuss zu rezipieren sein.