Dorfkirche Hödingen

Ein Ort für Geselligkeit und Einkehr

In Hödingen wird die „Kirche des Monats Dezember“ instandgesetzt

Fast ein wenig versteckt wirkt die Dorfkirche inmitten des kleinen Ortes Hödingen. Doch es sind allein geografische Gegebenheiten, die diesen Eindruck entstehen lassen – weder die tatsächliche Größe des ehrwürdigen Gebäudes noch seine Bedeutung sind dazu angetan, die Kirche unscheinbar zu nennen. Im Gegenteil: Sowohl im Blick auf ihre Geschichte, ihre Ausstattung und die Rolle, die sie in Hödingen spielt, kann sich die Dorfkirche sehen lassen; nicht zu vergessen die Zukunftspläne, die die Gemeinde mit ihrem Kleinod verbindet.

Aber der Reihe nach: Hödingen, in Sachsen-Anhalt nahe dem ehemaligen Grenzort Helmstedt gelegen, ist Heimat für rund 260 Menschen. Die Kirche gehört seit dem 12. Jahrhundert zum Dorf: Davon zeugen die Mauern des rechteckigen, aus Feldsteinen erbauten Westturms. Das romanische Kirchenschiff wurde zunächst im Westen des Chorturms angebaut, 1707 jedoch wieder abgebrochen. Mit den Steinen errichtete man später einen einschiffigen Bau Richtung Osten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Das Innere der Kirche überrascht mit einer durch und durch barocken Ausstattung – eine Seltenheit in protestantischen Gefilden. Hinzu kommt, dass der Raum in den vergangenen Jahrhunderten kaum verändert wurde und viele Besucher sich daher besonders atmosphärisch angesprochen fühlen. Aus der Erbauungszeit stammen die hölzerne, bemalte Gewölbedecke, das Kirchengestühl und die hufeisenförmige Empore. Der kelchförmige Taufstein geht auf das Jahr 1893 zurück, er wird ergänzt von einem ebenfalls barock gestalteten Taufengel.

Klein ist die Gemeinde in Hödingen zweifellos, aber auch hier trifft das Adjektiv „unscheinbar“ nicht zu. Seit 130 Jahren gibt es einen Männerchor, regelmäßig treffen sich Frauen- und Kindergruppen, die wichtigen Feste im Jahreslauf werden von allen gemeinsam gefeiert – und die Kirche gehört immer dazu. Mit großer Selbstverständlichkeit pflegen Mitglieder des Chores den weitläufigen Garten um das Kirchengebäude. Und auch bei der Sanierung des Bauwerks packten viele Hödinger mit an. So wurde zum Beispiel die Winterkirche vollständig in Eigenleistung renoviert.

Eine Sanierung der gesamten Dorfkirche war unausweichlich geworden: Jahrzehntelang war das Gebäude falsch oder gar nicht unterhalten worden. Nachdem in zwei vorausgegangenen Bauabschnitten Kirchturmfassade und –dach, sowie das Dach des Kirchenschiffs und dessen Fassade instandgesetzt wurden, sollen in diesem Jahr die durch Feuchtigkeit und Schimmel auftretenden Probleme im Inneren behoben werden. Putz- und Maurerarbeiten an den Wänden innen wie außen werden durchgeführt, ebenso Maßnahmen zur Bekämpfung des Schwamms in bestimmten Bereichen des Bodens. Wichtig ist auch die Sanierung der barocken Gewölbedecke, der der Schimmel besonders zugesetzt hat. Die Stiftung KiBa, die das historische Bauwerk als ihre „Kirche des Monats Dezember“ würdigt, stellt, nicht zuletzt dank einer großzügigen Projektspende, 25.000 Euro für den aktuellen Bauabschnitt zur Verfügung. Insgesamt rechnet man in der Gemeinde mit Kosten in Höhe von knapp 350.000 Euro für diesen Schritt.

Am Ende wird die Wiederherstellung der historischen Kirche fast eine Million Euro gekostet haben – entsprechend groß sind die Pläne, die man in Hödingen mit dem dann rundum erneuerten Gebäude verbindet. Natürlich soll die Kirche in erster Linie als bewährte Mitte des Gemeindelebens erhalten bleiben. Aber auch eine touristische Aufwertung der Region haben die Verantwortlichen im Sinn. Naheliegend ist es, die Dorfkirche als Ort der Einkehr für Besucher der viel frequentierten touristischen Routen der Umgebung – das „Blaue Band“, die „Straße der Romantik“ und der „Aller-Radwanderweg“ – einzurichten. Nicht vergessen werden soll aber auch die Tatsache, dass die Kirche einst im Grenzgebiet der ehemaligen DDR lag. Langfristig wollen Kirche und Kommune daher einen „Kirchen-Grenz-Wanderweg“ etablieren, der insbesondere Kinder und Jugendliche ansprechen und sowohl die jüngere politische Geschichte als auch den Sinn des Pilgerns vermitteln soll. Die Stiftung KiBa wünscht der Gemeinde weiterhin viel Erfolg auf diesem Weg.