St. Peter und Paul Tunzenhausen (Thüringen)
St. Peter und Paul Tunzenhausen (Thüringen)

„Die Kirche ist wieder im Gespräch!“

KiBa-Kirche des Monats Juni 2019 in Tunzenhausen

Jeden Tag steigt Alfred Schmidt auf den Turm der Kirche St. Peter und Paul in Tunzenhausen. Seit mehr als 30 Jahren tut er dies. „Die Turmuhr muss aufgezogen werden“, sagt er und klingt zufrieden. Dabei hätte er eigentlich Anlass, besorgt zu sein: Der Turm fängt an, sich zu neigen, das Dach ist einsturzgefährdet. „Höchste Alarmstufe“, meint Schmidt, „eigentlich darf der Turm nicht betreten werden“.

Seit 1979 ist Alfred Schmidt Kirchenältester in der evangelischen Gemeinde des kleinen thüringischen Ortes im Landkreis Sömmerda. Vor knapp einem Jahr ist der Ingenieur in den Ruhestand gegangen, alle Hände voll zu tun hat er trotzdem: Er pflegt den Kirchhof samt Grünanlagen, schmückt die Kirche und zusammen mit dem im vergangenen Jahr gegründeten Freundeskreis treibt er die dringend notwendige Sanierung des Kirchturms voran. Dazu gehören handfeste Reinigungsaktionen („eine zehn Zentimeter hohe Schicht Taubendreck haben wir aus dem Turm entfernt!“), ein guter Kontakt zur örtlichen Presse und – keinesfalls zuletzt natürlich - das Sammeln von Spenden. „Die Tunzenhäuser sind sehr engagiert dabei, auch ehemalige unterstützen uns“, lobt Schmidt. Große Resonanz gab es auch beim „Tag des Offenen Denkmals“ im September. Rund hundert Interessierte („sogar aus Leipzig“) kamen, um sich durch die Kirche führen zu lassen und einen Vortrag zur Geschichte von St. Peter und Paul zu hören.

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Die älteste urkundliche Erwähnung der Kirche stammt aus dem Jahr 1328. Bei einem großen Feuer im Dorf brannte 1725 auch das Gotteshaus nieder, zwei Jahre später wurde St. Peter und Paul neu errichtet. Teile des Vorgängerbaus sind noch heute zu erkennen. Das aus Natursteinen gefertigte Bauwerk befindet sich direkt an der Hauptstraße in der Mitte des Dorfes. Es besteht aus dem westlichen Turm und dem sich östlich anschließenden Langhaus mit polygonalem Ostabschluss im Chor. „Wenn man in den Ort hineinfährt, ist die Kirche das erste, was man sieht“, sagt Schmidt.

Fäulnis, Schwammbefall und Schädlinge haben die Holzkonstruktion des Turmdachs der denkmalgeschützten „Kirche des Monats Juni 2019“ schwer geschädigt; das Dach ist undicht und lässt weiterhin Feuchtigkeit eindringen. Grundlegende Maßnahmen sind eine umfangreiche Schwammsanierung und die Instandsetzung der Dachkonstruktion. Danach soll das Dach des Turms neu mit Naturschiefer eingedeckt werden.

Etwa 175.000 Euro werden die Sanierungsarbeiten kosten. Die Stiftung KiBa gibt 10.000 Euro dazu. An Spenden sind bislang gut 7.000 Euro zusammengekommen, berichtet Alfred Schmidt, „und da kommt noch mehr. Wir arbeiten daran!“ Das Interesse in Tunzenhausen ist groß: „Wenn die Leute mich draußen vor der Kirche arbeiten sehen, kommen sie zu mir und fragen, wie es mit dem Turm weiter geht“. Geplant sind weitere Veranstaltungen, zum Beispiel für Familien und kulturell Interessierte. Auch da geht es um Spenden, aber das ist nicht alles, sagt Alfred Schmidt: „Die Kirche ist wieder im Gespräch und wir wollen sie noch mehr in den Mittelpunkt rücken. Dafür ist es wichtig, dass die Menschen wieder einen Fuß in die Kirche setzen!“