St. Simon und Juda Hedersleben
St. Simon und Juda Hedersleben

„Die Menschen hängen an ihrer Kirche“

„Kirche des Monats Oktober 2018“ in Hedersleben

Sie heißen Dominica, Otto und Sophia, und sie läuten regelmäßig für die Dorfkirche in Hedersleben, einem Ortsteil von Eisleben in Sachsen-Anhalt. Unterstützung erhalten die drei tönenden Schwergewichte von zwei weiteren Artgenossen, der Kaiser-Wilhelm-Glocke und der Ewigkeitsglocke. Fünf Glocken für eine Dorfkirche? St. Simon und Judas hat noch mehr zu bieten, vier Türme nämlich. Und im Übrigen eine lange und bewegte Geschichte.

Schon im 10. Jahrhundert begannen Mönche aus dem Helderslebener Kloster mit dem Bau der Kirche, die heute „St. Simon und Judas“ heißt. Von diesen Ursprüngen zeugt der romanische „alte Turm“ an der Südseite des Kirchenschiffs, das im Kern spätgotisch ist und aus Sandstein gefertigt. Ein Stückchen neben dem „alten Turm“ ragt der Südturm aus dem 19. Jahrhundert, der auch als „Kantorenstiege“ bezeichnet wird, weil seine Wendeltreppe direkt auf die Orgelempore führt. Der mächtige neugotische Westturm aus demselben Jahrhundert lädt mit großem Portal zum Betreten der Kirche ein. Er beheimatet die fünf Glocken und die Turmuhr, auf seiner Spitze thront der 1,50 Meter große Wetterhahn. Scheinbar an seinen großen Bruder gelehnt steht der Nordturm, der ebenfalls Ende des 19. Jahrhunderts in Ziegelsteinrundform gebaut wurde.

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Rund 280 Personen finden einen Platz in der „Kirche des Monats Oktober 2018“, die auch in ihrem Inneren einige Besonderheiten zu bieten hat. Zum Beispiel den 1877 von einer Gutsfrau mit Namen Albertine Forlstedt gestiftete Taufstein, dessen aus Gussmetall bestehende Taufschale mit Motiven aus der Bibel verziert ist (und die ihrer Kostbarkeit wegen nur zu Taufgottesdiensten in der Kirche zu finden ist). Auch der barocke Hochaltar aus dem 17. Jahrhundert ist ein prächtig verzierter Blickfang. Eine evangelische Kirche ist St. Simon und Judas übrigens seit 1526; in diesem Jahr nämlich führte Martin Luther höchstpersönlich den Pfarrer Johann Mensarius in Heldersleben ein.

Natürlich sind ihre vielen Lebensjahre nicht spurlos an der Dorfkirche vorbei gegangen, und die Gemeinde muss einiges für den Erhalt ihres geschichtsträchtigen Gotteshauses tun. Die gesamte Traufe muss vom Schwamm befreit werden, das Dach benötigt eine neue Eindeckung. Rund 270.000 Euro werden dafür insgesamt anfallen; die Stiftung KiBa hat die Maßnahmen bereits im Jahr 2013 gefördert und stellt abschließend noch einmal 15.000 Euro bereit.  

Dankbar ist man in Hedersleben für diese Unterstützung, aber die Menschen vor Ort wissen auch, dass es vor allem auf sie selbst ankommt: Ein Förderverein hat sich gegründet, der im Internet für Spenden wirbt, regelmäßige Konzerte organisiert und einen „Glühweinmarkt“ im Advent. „Immer wieder gibt es auch besondere Gottesdienste mit Brunch oder einer Suppe am Ende, es gibt das Erntedankfest und den Martinstag - lauter Gelegenheiten, an denen das Bewusstsein für den Wert unserer schönen Kirchen erneuert wird. Und bei denen natürlich auch die Spendendose für die Sanierung nicht fehlt“, berichtet Eva Kania. Die Pfarrerin, die seit drei Jahren in St. Simon und Judas predigt, spürt ein „sehr starkes Interesse“ im Ort. „Die Menschen kommen gern und hängen an ihrer Kirche.“ Sichtbar wird dies auch bei vielen ehrenamtlichen Arbeitseinsätzen, zum Beispiel für die gründliche Reinigung der Kirche. Wichtig ist der Erhalt der Dorfkirche somit nicht nur aus historischer Perspektive. „In Hedersleben gibt es wirklich reges kirchliches Leben“, sagt Eva Kania. Wer sich für den Erhalt von St. Simon und Judas einsetzt, „tut auch etwas für die Gemeinschaft“.