Dorfkirche Monschau

Schwan statt Hahn

Die „KiBa-Kirche des Monats August“ in Monschau glänzt nicht nur mit einem besonderen Wettervogel

Ein Schwan thront auf dem Turm der evangelischen Stadtkirche in Monschau. Der goldfarbene Schwimmvogel ist das Markenzeichen der Stadt im Landkreis Aachen, ein seltenes, dafür aber besonders bekanntes Exemplar der ansonsten von Hähnen dominierten Gruppe der Kirchturmspitzentiere. Wetterschwäne kennzeichnen ihre Kirche als lutherisch: Der Legende nach soll der Vorreformator Jan Hus – („Hus“ bedeutet im Tschechischen „Gans“) bei seiner Hinrichtung gesagt haben: „Heute bratet ihr eine Gans, aber aus der Asche wird ein Schwan auferstehen.“ Dieser Ausspruch wurde später auf Martin Luther gedeutet.

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Die „KiBa-Kirche des Monats August“ in Monschau ist also ausweislich eine lutherische. Schwan, Kirchenschiff und Turm stehen unter Denkmalschutz. Wäre sie ein menschliches Wesen, würde man sie wohl als stattliche, ergraute Dame beschreiben, die mit großer Selbstverständlichkeit ihren Platz im Zentrum der Stadt einnimmt, gleich neben der Ruhr. Ansehnlich herausgeputzt ist das 1789 in rohen Bruchsteinen errichtete, klassizistische Gebäude; erst vor wenigen Wochen sind die äußeren Restaurierungsarbeiten zu Ende gegangen.

So weit, so gut - trotzdem bleibt die seit 2010 gesperrte Kirche weiterhin geschlossen: Ein zweiter Bauabschnitt soll folgen. „Nachdem das Gebäude von außen und insbesondere das Dach grundlegend saniert ist, muss nun das Innere wieder so hergerichtet werden, dass wir gefahrlos Gottesdienste abhalten können“, sagt Wolfgang Köhne, einer der drei in der evangelischen Kirchengemeinde Monschauer Land tätigen Pfarrer. Dieses Kircheninnere bezaubert in Farbgebung, Ausstattung und Stuckatur durch seinen Louis-seize-Stil – wenn da nicht die Risse in der Stuckdecke wären. „Diese Risse hatten uns vor zwei Jahren darauf aufmerksam gemacht, dass es Bewegung im Dach gab“, erzählt Köhne. Jetzt soll auch ihnen zu Leibe gerückt werden, damit der Stuck sich nicht ablöst. „Wenn ein Quadratmeter Stuck aus 20 Metern Höhe herabfällt, kann das richtig gefährlich sein.“ Die Stiftung KiBa unterstützt die Gemeinde bei der Schadensbekämpfung mit 20.000 Euro.

Die Geschichte der Monschauer Kirche ist eng mit dem Namen der Theologen- und Tuchmacherfamilie Scheibler verknüpft. Die Ära der Tuchfabrikanten begründete maßgeblich Johann Heinrich Scheibler (1705–1765). Er hatte schon im Jahr 1751 den Grundstock zu einem Fonds für den Bau einer Kirche in Monschau gelegt. Die Bauerlaubnis ließ indes auf sich warten. Erst 1787 traf die entsprechende Urkunde ein, zwei Jahre später wurde die Kirche von Pfarrer Maximilian Friedrich Scheibler (1759–1840) eröffnet, einem Vetter des inzwischen verstorbenen Tuchmachers.

Zu ihrem Schwan kam die Kirche auf eher unkonventionellem Weg: Der hölzerne Turmhelm samt seiner Spitze gehörte ursprünglich zu einer Kirche aus Mühlheim am Rhein. Diese war durch ein Hochwasser zerstört worden, allein der Turm hatte das Unglück überstanden. Einige Wochen nach der Einweihung der Monschauer Kirche wurde er aufgesetzt. Turm und Schwan sind somit rund 100 Jahre älter als das sie tragende Mauerwerk.

Dass ihre geschichtsträchtige Stadtkirche gründlich renoviert wird, ist für die Monschauer Ehrensache, und dass sie dafür lange Zeit auf ihr Gotteshaus verzichten müssen, nehmen sie gelassen. Für normale Gottesdienste können sie – den guten ökumenischen Beziehungen sei Dank - auf die fünf Gehminuten entfernte katholische Kirche ausweichen, Konfirmationen und andere größere Feiern werden in der zweiten zur Gemeinde gehörenden Kirche in Roetgen abgehalten. Die relativ bequemen Ersatzlösungen tun dem Engagement für die Stadtkirche indes keinen Abbruch. Rund ein Fünftel der benötigten Finanzmittel von insgesamt einer Million Euro, berichtet Pfarrer Köhne stolz, wurde bisher durch Spenden aus der Mitte der Gemeinde zusammengebracht. Zum Beispiel mit der „Kirchendächermarmelade“, die von Ehrenamtlichen eingekocht und für zwei Euro pro Glas verkauft wird. Allein diese süße Frühstücksidee hat den Monschauern bislang mehr als 6.000 Euro eingebracht; weitere Aktionen sollen folgen. Große Hoffnungen setzt Köhne auch auf eine Zusage des Landes. „Diese versprochenen Sondermittel wären ein kleines Wunder für uns“, meint der Pfarrer. „Aber darüber freuen wir uns erst, wenn das Geld auf dem Konto ist“.