St. Peter und Paul Rosenthal zu Görsdorf (Brandenburg)
St. Peter und Paul Rosenthal zu Görsdorf (Brandenburg)

Engagement für Geschichte und Glockenturm

„KiBa-Kirche des Monats April 2021“ in Görsdorf

„Im Dorf gibt es eine große Sehnsucht nach dem Kirchturm.“ Seit gut zehn Jahren ist Britta Rostalsky Pfarrerin der brandenburgischen Gemeinde St. Peter und Paul Rosenthal, zu der auch die kleine Feldsteinkirche in Görsdorf gehört. Sie erinnert sich noch gut daran, wie bald nach ihrer Ankunft in der Gemeinde Postkarten gezeigt wurden, auf denen das aus dem 15. Jahrhundert stammende Kirchlein noch mit dazugehörigem Westturm zu sehen ist. In den 1970er Jahren wurde der wegen Baufälligkeit abgetragen – und fehlt seitdem. Woher kommt diese Sehnsucht nach dem verlorenen Turm? „Da sind zum einen die beiden prachtvollen Glocken“, sagt Britta Rostalsky. Sie stammen aus dem 13. und 14. Jahrhundert und hängen nun, damit sie läuten können, an einem Eisengestell neben der Kirche – kein guter Aufbewahrungsort für mittelalterliche Schätze. Zweitens befindet sich das Gotteshaus ohne Anger direkt an der Dorfstraße, „wie so viele Kirchen hier gehört es in die Kategorie: toll, alt, klein“. Wenn aber wieder ein Turm in die Höhe ragte, „dann würde man schon von weitem sehen: Hier ist die Kirche!“.

Gründe genug, aktiv zu werden, befand man in Görsdorf. Das aber bedeutet: klotzen, nicht kleckern. Denn der Wiederaufbau des Glockenturms ist nur zu bewerkstelligen, wenn gleichzeitig das poröse Dach des Kirchenschiffs instandgesetzt wird. Solches wiederum käme auch der kostbaren historischen Ausstattung im Inneren des Gebäudes zugute: dem vom Bildhauer Georg Schröter geschaffenen Sandsteinaltar aus dem Jahr 1581, der hölzernen, mit geschnitztem Rankwerk verzierten Kanzel, dem Beichtstuhl aus dem frühen 18. Jahrhundert und den prächtigen Leuchtern aus dem 17. Jahrhundert. „All diese Kunstwerke verdienen einen intakten und repräsentativen Rahmen“, sagt die Pfarrerin. So „recht“ die Sanierung des Gotteshauses in Görsdorf also ist - „billig“ ist sie nur im veralteten Wortsinn: Mehr als eine halbe Million Euro wird das Projekt kosten. Die Stiftung KiBa fördert die Anfänge mit 15.000 Euro. 

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St. Peter und Paul Rosenthal Görsdorf 

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St. Peter und Paul Rosenthal Görsdorf 

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Als „Ort der Geschichte“ soll die Kirche präsentiert werden, nicht nur ihres wertvollen Innenlebens wegen. „Es gibt einfach keinen anderen passenden Erinnerungsort“, erklärt Britta Rostalsky. Zwar habe es in Görsdorf einmal ein großes Rittergut gegeben, „aber davon ist nur noch eine Ruine übrig, das kann nichts mehr erzählen“. Dabei hätte es reichlich Stoff gegeben. Zum Beispiel über Gustav Roesicke, der das Görsdorfer Gut 1889 erworben und zu einem modernen Betrieb mit Saatzuchtwirtschaft, Molkerei, Brennerei und einer Dampf- und Wassermühle ausgebaut hatte. Bis zu seinem Tod 1924 war er auch politisch tätig: Ab 1893 als Vorsitzender des Bundes der Landwirte, später als Präsident des Reichslandbundes. Im Kaiserreich gehörte Roesicke der Deutschkonservativen Partei an, 1918 beteiligte er sich an der Gründung der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP).

Einblicke in das Leben dieses einflussreichen Görsdorfers, sowie Texte, Bilder und Videos über die Geschichte der Dörfer im Dahmetal soll es in digitaler Form auch im Eingangsbereich der Kirche geben, wenn sie saniert ist. „Das ist auch für Touristen interessant“, sagt die Pfarrerin. Beginnen werden die Arbeiten im Sommer, hofft Britta Rostalsky; die Gemeinde aber sei schon jetzt „richtig in Schwung“: Alle wollen helfen. „Im letzten Oktober haben wir noch eine Lesung hinbekommen, und wir wünschen uns, dass das in diesem Herbst wieder gelingt“. Ähnlich verhält es sich mit einem Benefizkonzert im Mai. „Da tragen wir zur Not die Bänke und Tische raus.“ Zwei Veranstaltungen pro Jahr, bei denen Spenden gesammelt werden, sind ein gutes Maß, findet die Pfarrerin, „man sollte die Gemeinde auch nicht überlasten“.

Britta Rostalsky hat Erfahrung mit Sanierungsprojekten. Mit einer Vollzeit-Stelle ist sie für 18 Kirchengebäude im Landkreis Teltow-Fläming zuständig.  Sie hat gelernt, dass es wichtig ist, Alleinstellungsmerkmale für die jeweiligen Gebäude zu finden. „Mein erstes Bauprojekt war die Hörspielkirche in Prensdorf, Kemlitz ist die Ausstellungskirche und Görsdorf jetzt die mit der Geschichte“. Und hoffentlich ist sie auch bald die Kirche mit dem neuen Turm.