Kloster Altfriedland (Brandenburg)
Kloster Altfriedland (Brandenburg)

„Schutz und Segen für weitere Jahrhunderte“

„Kirche des Monats Februar 2022“ in Altfriedland

Drei goldene Kelche waren es einst, fein gearbeitet und verziert. Dann kam ein großer Brand, und danach war in der Asche nur noch einer der Kelche zu finden. Aber es war der, der die Reliquie enthielt...

Nein, dies ist nicht der Stoff eines (weniger originellen) Fantasyfilms, sondern viel besser: tatsächlich geschehen! Besagter Abendmahlskelch, noch heute in der ehemaligen Klosterkirche im brandenburgischen Altfriedland zu sehen, ist tatsächlich der einzige von ehemals dreien, die sogar Theodor Fontane bei seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ 1863 ins Auge fielen. Heute ist der Kelch nicht seines Inhalts wegen bedeutsam („ein Knochensplitter oder der Zahn eines Heiligen“, mutmaßte Fontane), sondern weil er eines der wenigen Zeugnisse vom Reichtum des ehemaligen Klosters im märkischen Oderland ist. Zehn Dörfer, 20 Einzelgüter und acht Seen zählten zur Blütezeit zum Besitz der Abtei. Die direkt am Ufer des Klostersees gelegene Kirche gilt gemeinsam mit den Gebäuderesten zu den architekturhistorisch bedeutsamsten mittelalterlichen Klosterbauten der Region und zieht jährlich viele Besucherinnen und Besucher an.

Die langjährige und bewegte Geschichte der frühgotischen Feldsteinkirche, die Teil des damaligen klösterlichen Ensembles war, ist perfekt zusammengefasst öffentlich zu lesen. Sie steht über dem Mittelfenster des Ostgiebels: „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort“, heißt es dort einleitend, und dann: „Um das Jahr 1230 wurde das Gotteshaus als Kirche der Zisterzienserinnen zu Friedland erbaut und der Jungfrau Maria geweiht. Nach Einführung der Reformation wurde das Nonnenkloster um 1540 aufgehoben und die Kirche geriet in Verfall. Fast zweihundert Jahre später wurde sie wiederhergestellt und am Neujahrstage 1734 fand hier der erste evangelische Gottesdienst statt. Von 1936 bis 1938 wurde sie außen und innen erneuert. Jahrhunderte hindurch ward Gottes Wort verkündigt in diesen Mauern. Der Herr schenke für weitere Jahrhunderte diesem Hause Schutz und Segen.“ 
 

Klosterkirche Altfriedland

Klosterkirche Altfriedland 

Klosterkirche Altfriedland

Klosterkirche Altfriedland 

Klosterkirche Altfriedland

Klosterkirche Altfriedland 

Klosterkirche Altfriedland

Klosterkirche Altfriedland 

Klosterkirche Altfriedland

Klosterkirche Altfriedland 

Klosterkirche Altfriedland

Klosterkirche Altfriedland 

Klosterkirche Altfriedland

Klosterkirche Altfriedland 

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Noch nicht erwähnen konnte die im Jahr 1937 gefertigte Inschrift am Giebel den Brand, der die ehemalige Klosterkirche im Zuge von Plünderungen nach dem Zweiten Weltkrieg heimsuchte, und nach welchem viele der einstigen Kirchenschätze verschwunden waren. Aber die gemeißelten Sätze über dem Fenster benennen das, was wichtiger ist als Gold und Reichtum, nämlich: „Schutz und Segen“ für „weitere Jahrhunderte“.

Schutz und Segen für weitere Jahrhunderte - ein verständlicher, aber voraussetzungsvoller Wunsch. Der zum Beispiel auch bedeutet, dass das denkmalgeschützte Gebäude saniert werden muss: 2018 haben die umfassenden Arbeiten dafür begonnen. Nachdem im vergangenen Jahr die Nordfassade und der Ostgiebel restauriert wurden, sind nun im letzten Bauabschnitt die südliche Fassade und die Westgiebelseite inklusive Fenster an der Reihe. Etwa 180.000 Euro sind dafür veranschlagt, die Stiftung KiBa fördert die Maßnahmen mit 10.000 Euro. Insgesamt wird die Sanierung mehr als eine Million Euro kosten.

Die Unterstützung für das Vorhaben ist groß in Altfriedland. „Die Klosterkirche erhalten, dass wollen alle“, sagt Pfarrer Arno Leye. Allen voran engagieren sich die Mitglieder des örtlichen Fördervereins. Zwischen Ostern und Erntedank halten sie das Gotteshaus geöffnet und bieten Führungen an – mit großem Erfolg: „Die Menschen können gut erklären, warum die Kirche zu erhalten wichtig ist. Manchmal kommen dadurch Spenden in Höhe von 500 Euro an einem Wochenende zusammen!“ Organisiert werden auch Lesungen und viele Konzerte. „Es hat sich herumgesprochen, dass Altfriedland ein guter Ort ist für corona-konforme Veranstaltungen. Etwa 100 Leute haben dort Platz. Daher werden wir inzwischen von Künstlerinnen und Künstlern sogar angefragt und können Hochkarätiges anbieten. Teilweise kommen ganze Busse von Besuchern.“

Um Ostern herum werden die Arbeiten an der Fassade der Klosterkirche beginnen, meint der Pfarrer, im Herbst soll das Gebäude rundum saniert sein. Ein Happy End? Noch nicht ganz: Zusammen mit dem Förderverein wird schon ein Konzept für die Restaurierung des Innenraums entwickelt. Schutz und Segen für weitere Jahrhunderte sind eben eine Langzeitaufgabe.