St. Marien Poseritz

Mit Efeu gegen Grünalgen

Die „KiBa-Kirche des Monats September“ muss vor Feuchtigkeit geschützt werden

Hedera Helix heißt die Zauberformel. Anwendung findet sie zwar nicht im Zuge der neuesten Abenteuer eines modernen Zauberlehrlings, aber doch im Kampf gegen einen ausgemachten Schädling: die Grünalge. Zunehmend befällt diese Alge die Wände mittelalterlicher Kirchen und schädigt die betroffenen Oberflächen substanziell. Die Kirche St. Marien im pommerschen Poseritz ist davon besonders betroffen. Weil sie aufgrund ihrer Lage im südlichen Rügen Wind und Wetter in besonderer Weise ausgesetzt ist, wurde St. Marien zum Modellfall: Im Rahmen eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Stiftung KiBa unterstützten Pilotprojekts wurden die klimatische Belastung und die Reaktionen des Mauerwerkes der Kirche beobachtet. Ergebnis: Gegen den Algenbefall hilft – unter anderem - Hedera Helix, zu Deutsch: Efeu.

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„Ursache für die Ausbreitung der Grünalge ist die Durchfeuchtung der Mauern“, sagt Tilman Reinecke, Pfarrer der Gemeinde Poseritz. „Efeu hält den Niederschlag weitgehend vom Mauerwerk fern. Ist die Pflanze ausreichend an der Fassade emporgeklettert, kann sie den Schlagregen, der uns an der Südwand der Kirche zu schaffen macht, abhalten.“

Mehr als drei Jahre, von Juni 2007 bis Ende 2010, dauerte das Klimamonitoring-Projekt an der „KiBa Kirche des Monats September“. Experten verglichen den Zustand der Mauersteine innen und außen, ebenso das Außen- und das Innenklima der Kirche und suchten einen sinnvollen Schutz der Fassade vor Witterungseinflüssen. Die Ergebnisse zeigten, dass schnelles Handeln gefragt war: Als Erste Hilfe ließ die Gemeinde zunächst eine Zwangsbelüftung in die Kirche einbauen. Nun sollen Stück für Stück weitere Maßnahmen folgen. Voraussetzung für den Bewuchs mit Efeu ist zunächst die sorgfältige Sanierung der Mauern, die im Zuge eines ersten Bauabschnittes in Kürze beginnen soll. Ebenfalls in diesem Bauschritt, den die Stiftung KiBa in diesem Jahr mit 10.000 Euro unterstützt, ist die Montage einer Dachentwässerung vorgesehen. Etwa 70.000 Euro werden diese Arbeiten kosten. „Die Gesamtmaßnahme wird allerdings noch mehrere Jahre dauern“, sagt der Gemeindepfarrer. „Die Kirche muss auch in ihrem Inneren wiederhergestellt werden“. Doch das sei zumindest im Blick auf die gottesdienstliche Nutzung des Gebäudes kein Problem: „Anders als Ende der 80-er Jahre, als die Kirche aufgrund statischer Probleme geschlossen werden musste, können wir weiterhin Gottesdienst feiern.“

Fast 700 Jahre ist das Hauptschiff von St. Marien alt. Der Turm kam erst um 1450 hinzu, der Chor und das Gewölbe des Hauptschiffes wurden ebenfalls in dieser Epoche hinzugebaut. Geschaffen wurden damit auch die Wurzeln des Problems, das die Gemeinde noch lange beschäftigen sollte: Weil bestimmte statische Bedingungen und ihre Folgen nicht angemessen berücksichtigt worden waren, bestand die Gefahr des Auseinanderbrechens der Kirche. Auch der Turmbau erwies sich bald als Sorgenkind: Als sich der Baugrund unter der Last des Turmes verdichtete, entstand ein großer Riss.

Die großen baulichen Probleme der Kirche von Poseritz blieben über Jahrzehnte hinweg ungelöst. Nachdem St. Marien 1987 schließlich sogar gesperrt wurde, stellte man der Gemeinde im Herbst 1988 Mittel für die notwendigen großen Reparaturen zur Verfügung. Vor der Wende gelang es auf diese Weise noch, den Chordachstuhl zu erneuern. Drei Jahre später wurde der Dachstuhl über dem Hauptschiff erneuert, 1992 folgte die Sanierung der Außenmauern. Mit der Einweihung einer neuen Glocke im September 1993 konnte die Kirche wieder für Gottesdienste geöffnet werden.

„Die Kirche ist das Wahrzeichen des Dorfes“, betont Gemeindepfarrer Reinecke. „Sie hat in unserer entkirchlichten Region nicht nur eine historische Bedeutung sondern auch eine missionarische Funktion“.