St. Pankratius in Tragnitz

Engel aus allen Zeiten

St. Pankratius ist Heimat vieler Menschen und Flügelwesen

„Man kommt in unsere kleine Kirche hinein und denkt: ‚Oh, ist das schön!‘“. Katja Schulze, Pfarrerin an der St. Pankratius-Kirche im sächsischen Tragnitz, gerät ins Schwärmen, wenn es um „ihre“ Kirche geht: „Sie ist ein Schatzkästlein, das viele Überraschungen birgt“. Und tatsächlich: Wunderbar große bunte Jugendstil-Glasfenster, ein barocker Altar und eine mit kräftigen Ranken bemalte Felderdecke aus dem 17. Jahrhundert, ein aus Porphyr gehauenes Sakramentshäuschen mit schmiedeeisener Gittertür sowie eine Madonnenfigur aus dem 15. Jahrhundert, spätgotisches Chorgestühl, sogar zwei evangelische Beichtstühle und mehr als 50 Engelfiguren aus unterschiedlichen Epochen – es sind einige der vielen Kostbarkeiten im Inneren, die das von der Stiftung KiBa zur „Kirche des Monats Juni“ ausgewählte kleine Kirchgebäude so einzigartig machen. „Alles fügt sich harmonisch zusammen, und man hat trotz der vielen kunsthistorischen Besonderheiten nicht das Gefühl, in einem Museum zu sein“, sagt Schulze.

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St. Pankratius Tragnitz 

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St. Pankratius Tragnitz 

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St. Pankratius Tragnitz 

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Das Bewusstsein der Tragnitzer für die Originalität ihrer Kirche ist ausgeprägt, und es trägt dazu bei, dass das Gemeindeleben allen am Herzen liegt. Auch die engagierte Tätigkeit von Schulzes Amtsvorgänger Johannes Magirius und dessen Frau Waltraud haben dies unterstützt, betont die Pfarrerin. „Wir sind mit 186 Mitgliedern eine ganz kleine Gemeinde, aber sehr aktiv mit eigenem mehrstimmigen Chor und Gemeindekreisen, die selbständig Gottesdienste gestalten, so zum Beispiel Jahr für Jahr zum Michaelistag. Wir halten unsere Kirche lebendig, wann immer es geht.“ Jüngstes Beispiel dafür: „Eine Frau aus der Region töpfert zurzeit kleine Glocken aus Ton zum Verkauf. Das Geld soll für ein neues Kirchengeläut verwendet werden“. Im Augenblick nämlich ist nur eine von drei viel zu schweren Glocken am instabilen Turm von St. Pankratius in Gebrauch, aus Sicherheitsgründen. Aber Katja Schulze weiß: „Viele Leute sehnen sich nach dem schönen Geläut von früher“.

Allerdings sind neue Glocken nicht das vordringlichste Problem von St. Pankratius: Nachdem in den vergangenen Jahren Altarraum und Kirchenschiff sorgfältig saniert wurden, ist nun erst einmal der Turm an der Reihe. Die Stiftung KiBa beteiligt sich in diesem Jahr mit 10.000 Euro. Mauerwerk, Fassade, Dach und Glockenstuhl bedürfen einer Rundum-Erneuerung, erst dann können die Tragnitzer über neue Glocken befinden. Pfarrerin Schulze hofft, „dass wir in zwei Jahren das 800-jährige Bestehen in unserer sanierten Kirche feiern können“.

1214 wurde das malerisch an der Mulde liegende Kirchlein erstmals erwähnt, in einer Urkunde des Bischofs Bruno von Meißen. Im Dreißigjährigen Krieg diente es biwakierenden Truppen samt Pferden als Unterkunft, wurde vollkommen verwüstet und musste danach wieder hergerichtet werden. Altar und Kanzel gehen auf das Jahr 1659 zurück. Vor mehr als 100 Jahren, 1904, fand dann der zweite große Umbau statt: Während der Altarraum im Stil des 17. Jahrhunderts belassen wurde, entstand aus dem kleinen romantischen Kirchenschiff ein Neubau im Jugendstil. „Weil die Kirche schon damals als eine der schönsten im Land galt, wurden für diese Vergrößerung nur die besten Leute herangezogen“, weiß Katja Schulze. Zum Beispiel Fritz Drechsler, einen der Hauptvertreter der Jugendstil-Architektur in Leipzig. Mit Erfolg: Geschickt haben Drechsler und seine Bauherren das 17. und das 20. Jahrhundert miteinander verbunden.

„St. Pankratius hat eine wohltuende Atmosphäre und wird gern als Tauf- und Traukirche genutzt“, sagt die Pfarrerin. „Wir tun wirklich alles, um dieses wertvolle Gebäude mit Leben zu füllen und zu erhalten. Und wir sind sehr dankbar, dass uns neben der Stadt Leisnig und der Landeskirche auch die Stiftung KiBa sehr unterstützt.“