Dorfkirche Werschen

Ein neues Dach über dem Altar

In Werschen wird die Innenausstattung der Dorfkirche vor dem Regen geschützt

Gottesdienst unter freiem Himmel? Ja, das hat es auch schon gegeben in Werschen. Allerdings vor sehr langer Zeit, nämlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts: 1701 war die alte, baufällige Kirche im Landkreis Weißenfels abgetragen worden, und erst acht Jahre später konnte eine neue fertiggestellt werden. In der Zwischenzeit feierten die Werschener ihre Gottes-dienste draußen oder „in einer Schuppe“, wie die Chronik berichtet. Inzwischen gibt es erneut Schwierigkeiten mit dem schützenden Dach über den Köpfen der Gottesdienstbesu-cher. Daher soll die „KiBa-Kirche des Monats November“ restauriert werden.

„Die vorhandenen Betondachsteine haben ihre technisch mögliche Lebensdauer erreicht“, ist in der nüchternen Stellungnahme des Kirchbaureferenten im Kreiskirchenamt Naumburg (Sachsen-Anhalt) zu lesen. Die Beschaffung von Reparatur- und Austauschsteinen sei nicht mehr möglich: Seit rund 20 Jahren werde dieses Format nicht mehr produziert. Die Folge: „Wegen der desolaten Dachkonstruktion brechen weiter Dachziegel aus, und Regen dringt in den Kirchenraum ein“, sagt Pfarrer Thomas Wisch, der die Gemeinde in Werschen betreut. Schlechte Zeiten für die wertvolle Innenausstattung der im Kern gotischen kleinen Dorfkirche.

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Dorfkirche Werschen 

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In Gefahr sind vor allem Altar, Empore und Orgel, die laut Gutachten des Landesamtes für Denkmalpflege in Sachsen-Anhalt in ihrer „einheitlichen ländlichen Barockausstattung ein beachtenswertes Zeugnis regionaler Sakralbau- und Ausstattungskunst“ sind. Während der schlichte, hölzerne Kanzelaltar aus dem frühen 20. Jahrhundert stammt, ist die mit floraler Ornamentik geschmückte Empore sogar älter als die Kirche selbst und wurde 1709 aus einer anderen Kirche nach Werschen gebracht. Die aus dem Jahr 1736 stammende Orgel wiederum wurde schon 1997 aus Sicherheitsgründen eingehaust. Allerdings setzt das in der Kirche herrschende Mikroklima dem Instrument trotzdem weiterhin zu.

Mindestens ebenso bemerkenswert wie die Innenausstattung und die Kirche selbst ist der große Zusammenhalt der Bewohner, wenn es um ihre Kirche geht, betont Michael Seppelt vom Gemeindekirchenrat. „Die Kirche ist der letzte Gemeinschaftspunkt im Dorf. Das ist uns allen sehr wichtig.“ Für für die Wiederherstellung des Gebäudes und die Finanzierung der notwendigen Maßnahmen seien Jung und Alt, Christen und Nichtchristen in unzähligen freiwillig geleisteten Arbeitsstunden immer wieder im Einsatz.

Auch die Stiftung KiBa hat sich schon mehrfach engagiert: 2006 und 2007 hat sie die Restaurierung des maroden Werschener Kirchturms gefördert, nun unterstützt sie auch die Instandsetzung des Daches mit 12.000 Euro. Insgesamt sind 75.300 Euro veranschlagt, „weil man nie weiß, was zutage gefördert wird, wenn man einmal mit den Arbeiten angefangen hat“, weiß Michael Seppelt aus Erfahrung. Für ihn ist die Rundum-Sanierung der Kirche „ein Lebenstraum“. Und deswegen denkt er auch schon weiter: Wenn mit dem Dach das Äußere der Kirche instand gesetzt ist, meint er, „muss auch im Inneren dringend saniert werden. Aber so umfangreich dieses Unterfangen auch ist, der Zusammenhalt in Werschen macht mir Mut. Wir wir verwirklichen alles in Ruhe und Schritt für Schritt.“