Marienkirche Bad Segeberg

St. Marien in Bad Segeberg ist die „KiBa-Kirche des Monats“ Oktober 2010

Älteste Backsteinbasilika nördlich der Weser

Sie ist älter als der Lübecker oder der Ratzeburger Dom. Schon 1199 wurde St. Marien im schleswig-holsteinischen Bad Segeberg erstmals urkundlich erwähnt; sie ist damit die älteste Backsteinbasilika nördlich der Weser. Die Bautechnik mit den aus Lehm gebrannten Ziegeln, die heute so charakteristisch ist für diese Region geworden sind, war damals geradezu revolutinär. Gewagt hatten die Bauherren von St. Marien diese Technik, weil anderes geeignetes Material fehlte. Dass sie damit zu Trendsettern wurden, werden sie damals sicher nicht geahnt haben.

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Auch dass mehr als 800 Jahre später eines Tages viele Menschen ein Gerüst am Kirchturm empor wachsen sehen würden, damit ein Maurer jeden einzelnen Stein des Mauerwerks begutachten kann, werden die Erbauer der Kirche sich nicht ausgemalt haben. Dies war im Februar dieses Jahres der Fall: St. Marien, die „KiBa-Kirche des Monats“ Oktober, muss umfassend saniert werden.

Während Turm und Turmuhr seit kurzem in neuem Glanz erstrahlen, gehen die Arbeiten im Inneren munter weiter. Im kommenden Frühjahr ist dann die Sanierung des Mauerwerks und der bleiverglasten Fenster geplant. Die KiBa unterstützt die Arbeiten in Bad Segeberg gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Die Stiftungen fördern das Bauvorhaben der Kirchengemeinde in diesem Jahr mit jeweils 15.000 Euro.

Die „historischen Wurzeln“ der dreischiffigen Basilika reichen tief: Sie geht auf ein 1134 von einem Priester namens Vicelin als Missionsstandort gegründetes Augustinerchorherrenstift zurück. Weil die Christianisierung der ansässigen Slawen aber aufwendiger war als gedacht, begann man mit dem Bau der Kirche erst wesentlich später. Die endgültige Fertigstellung wird sich dann sogar wohl bis zum Anfang des 13. Jahrhunderts hingezogen haben, der quadratische Turm im Westen stammt vom Ende jenes Jahrhunderts.

Mehrfach wurde die große Kirche im Laufe der Geschichte umgebaut; die deutlichste Veränderung erfuhr sie in den Jahren 1761 bis 1764, in denen der dreischiffige Backsteinbau unter ein großes, schützendes Dach gebracht und im Barockstil umgebaut wurde. 100 Jahre später wurden diese Änderungen glücklicherweise wieder rückgängig gemacht, der ursprüngliche romanische Stil, der im 18. Jahrhundert verloren gegangen war, sollte wiederhergestellt werden: Das große Schleppdach wurde entfernt, und um die lateinische Kreuzform des alten Grundrisses zurück zu gewinnen, wurden der Nord- und Südarm der Kirche wieder aufgebaut. Darüber hinaus erhielt das gesamte Kirchengebäude eine neue Steinschicht als „Mantel“ um die verwitterten Ziegelwände. Stilgerecht fertigten die Handwerker romanische Zierleisten und Steinsetzungen nach alten Mustern – ein großer und kostspieliger Kraftakt für alle Beteiligten.

Die derzeitigen Bauarbeiten stehen den damaligen im Blick auf Umfang und Kostenaufwand in nichts nach. Zwar konnte das Gerüst am Turm kürzlich wieder abgebaut werden, aber die Arbeiten am Äußeren der Kirche sind damit noch nicht beendet. Sobald die kalte Jahreszeit vorbei ist, wird es ein neues Gerüst geben, sagt Architekt Gunnar Seidel. Auch im Inneren von St. Marien ist noch einiges zu tun. Immerhin: Fußboden, Bänke und Heizung sollen noch vor Beginn der Adventszeit renoviert sein. Seidel verspricht: „Im November, rechtzeitig zur Advents- und Weihnachtszeit, ist die Marienkirche geöffnet“.