St. Marien zu Sylda im Kreis Mansfeld-Südharz (Sachsen-Anhalt)
St. Marien zu Sylda im Kreis Mansfeld-Südharz (Sachsen-Anhalt)

Glänzende Aussichten für St. Marien

„KiBa-Kirche des Monats April 2022“ in Sylda

„Wenn Sie den Harzort Sylda besuchen, sollten Sie diese eigentümliche Sehenswürdigkeit besichtigen“, heißt es im Online-Reiseführer „harzlife“. Gemeint ist ein Feldstein, auf dem Metalltafeln angebracht sind. Sie erzählen von einem Mann, der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts lebte. Kein gekröntes Haupt, kein herausragender Politiker- ein Wilddieb ist es, dem hier gedacht wird. Johann Gottfried Wilhelm Gangloff war sein Name, und wenn die Legende stimmt, ist er eigentlich Weber gewesen. Als mit Beginn der Industriellen Revolution Stoffe maschinell billiger produziert werden konnten und er wie die meisten seiner Zunft am Hungertuch nagte, wurde Gangloff zum Wilderer. Mit großem Geschick soll er jahrelang die Obrigkeit an der Nase herumgeführt und viele Dorfbewohner an seinen Erfolgen teilhaben lassen.

Der Gedenkstein für jenen „Schrecken des Harzes“ steht nahe einer weiteren Sehenswürdigkeit von Sylda, der Kirche St. Marien. Auch diese weist eine bewegte, wenn auch nicht ganz so spektakuläre Geschichte auf. Gegründet wurde sie schon im frühen Mittelalter. Der heutigen Kirche mit dem barocken Kirchenschiff und westlichen Kirchturm sieht man davon allerdings nichts an, denn sie ist schon die dritte, die sich an dieser Stelle befindet: Der erste Bau wurde bei einem Brand im Jahr 1657 zerstört, das daraufhin neu errichtete Gotteshaus musste schon rund ein Jahrhundert später (1764) wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Erst danach entstand die dritte Kirche in ihrer heutigen Gestalt.
 

St. Marien Sylda

St. Marien Sylda 

St. Marien Sylda

St. Marien Sylda 

St. Marien Sylda

St. Marien Sylda 

St. Marien Sylda

St. Marien Sylda 

St. Marien Sylda

St. Marien Sylda 

St. Marien Sylda

St. Marien Sylda 

auf der Landkarte anzeigen

St. Marien prägt das Ortsbild wie kein anderes Gebäude in Sylda; mit einem Alter von mehr als 250 Jahren ist auch sie keine junge Dame mehr. Das ist derzeit besonders deutlich: Seit ein paar Wochen trägt der Kirchturm ein Gerüst, weil das Dach und das Mauerwerk dringend instandgesetzt werden müssen. Der Dachstuhl und einige tragende Balken sind auszuwechseln, weil Holzbauteile zerstückelt oder sogar gebrochen sind. Auch die Feuchtigkeit hat dem Turmdach auf Dauer nicht gutgetan. Die Sanierung in diesem Jahr bedeutet gewissermaßen eine „Rettung in vorletzter Sekunde“: Der Sicherheitszustand des Turmes galt als bedenklich, eine Notsicherung war erforderlich. 245.000 Euro sind für die Sanierung veranschlagt; ein Großteil der benötigten Summe verdanken die Syldaer der Initiative einer Bundestagsabgeordneten. Die Stiftung KiBa fördert das Projekt mit 10.000 Euro.

„Als Erstes haben wir die Turmkugel heruntergeholt und geöffnet“, berichtet Prädikant Tobias Körnig vom Beginn der Arbeiten. Seit 1935 sei diese Kugel mit historischen Münzen, Schriftstücken und Fotos aus der Gemeindegeschichte befüllt. „Bevor sie am Ende wieder auf die Turmspitze befördert wird, werden wir den Bestand ergänzen und eine aktuelle Tageszeitung, ein Bericht über das Dorf und einen geistlichen Text hineinlegen“, kündigt er an.

Tobias König ist sicher, dass die Arbeiten an St. Marien noch in diesem Jahr zu Endegeführt werden können. Und müssen: „Jeder Tag, an dem das Gerüst steht, kostet!“ Zur abschließenden Bekrönung des Turms ist („wenn Corona uns keinen Strich durch die Rechnung macht“) ein kleines Fest geplant. Die Mitglieder der Gemeinde haben „eine hohe Verbundenheit zu ihrer wunderschönen Kirche“, betont der Prädikant. Kleinere Instandhaltungsmaßnahmen werden ehrenamtlich erledigt, Gemeindemitglieder pflegen die Anlage rund um das Gebäude regelmäßig. Die Sanierung des Kirchturms haben sie ohne Wenn und Aber unterstützt – und auch dafür gesorgt, dass St. Marien im Vergleich der Syldaer Sehenswürdigkeiten künftig noch etwas glänzender dasteht: Wenn die neue Turmkugel wieder an ihrem Platz ist, wird sie nicht nur weiter befüllt, sondern auch vergoldet sein.