Ehemalige Gutskirche Bebertal-Dönstedt in Sachsen-Anhalt
Ehemalige Gutskirche Bebertal-Dönstedt in Sachsen-Anhalt

Eine Kirchengemeinde mit langem Atem

„KiBa-Kirche des Monats August 2021“ in Bebertal-Dönstedt

In Bebertal-Dönstedt – heute Bebertal I – in der Gemeinde Hohe Börde wird Engagement großgeschrieben. Davon zeugt die jüngere Geschichte der ehemaligen Gutskirche derer von Schenk in Dönstedt. Der am Waldrand gelegene frühbarocke Bau wurde bereits vor über 40 Jahren für die Gottesdienstnutzung aufgegeben und ist in entsprechend schlechtem Zustand – der romanische Westturm ist akut einsturzgefährdet und darf seit Jahren nicht betreten werden, die Kirchenglocken müssen stumm bleiben. Mit diesem Zustand wollte sich die Kirchengemeinde aber bereits in den 1970er-Jahren nicht zufriedengeben. Schon kurz nach der Schließung hatte die Gemeinde selbst einen Sanierungsversuch initiiert, der nach kurzer Zeit an den damaligen Zuständen in der DDR scheiterte und nur zur Entfernung der bis heute verschollenen Kirchenbänke reichte.

Seither blieben das Kirchenschiff von 1597 und der anschließende Glockenturm nahezu unberührt. Das so bewahrte seltene Bild eines stark sanierungsbedürftigen, aber authentischen Kircheninnenraums aus der Hochphase seiner Nutzung in der Barockzeit wird nur durch die umgestaltete Herrschaftsloge an der Nordseite unterbrochen. Auch deren Verwandlung – wie könnte es anders sein – hatte die Gemeinde selbst in einer gemeinsamen ehrenamtlichen Aktion zwischen 2003 und 2004 durchgesetzt. Kirchengemeinderatsvorsitzender Andreas Berger erzählt, wie die einem Vorraum ähnliche Loge nur durch das gemeinsame Engagement in den dringend benötigten Aussegnungsort für den angrenzenden Friedhof umgestaltet werden konnte. 
 

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Ehemalige Gutskirche Bebertal-Dönstedt 

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Ehemalige Gutskirche Bebertal-Dönstedt 

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Ehemalige Gutskirche Bebertal-Dönstedt 

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Ehemalige Gutskirche Bebertal-Dönstedt 

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„Richtig Schwung kam dann erst einige Jahre später in die Sache, als ein paar direkte Nachbarn der Gutskirche sich in einem gemeinsamen Ziel verbunden gefühlt haben, nachdem eine der Familien entschieden hatte: Unsere Tochter soll hier getauft werden“, so Berger. Auf eigene Kosten bestellte die Täuflingsfamilie einen riesigen Container und räumte eigenhändig den jahrzehntealten Schutt aus der Kirche – im Juli 2015 wurde die kleine Luna als erstes Taufkind nach 40 Jahren Stillstand in der zu neuem Leben erweckten Gutskirche getauft.

Und wenn es nach der Gemeinde geht, soll es so lebendig bleiben: Initiative und Engagement lassen nicht nach, sodass neben ehrenamtlichen Kirchgarten- und Friedhofssäuberungen seit einigen Jahren auch Jagdhornbläserproben, Konzerte und die jährliche Hubertusmesse wieder in der Gutskirche stattfinden. Auch die Gründung eines Fördervereins ist schon lange in Planung: „Durch Corona ist auch hier alles zum Erliegen gekommen; aber der Lockdown ist vorbei – jetzt müssen wir uns sputen bevor der nächste kommt, um endlich die Gründungsversammlung des Vereins abhalten zu können“, sagt Berger lachend.

Doch Wille und Initiative allein reichen für die Rettung des schwer baufälligen Kleinods nicht aus – der finanzielle Aufwand für eine vollständige Sanierung ist von der kleinen Kirchengemeinde nicht zu stemmen. Und obwohl die KiBa mit einer Fördersumme von 15.000€ Anschub geleistet hat, fehlt von den benötigten ca. 270.000€ weiterhin mehr als die Hälfte um mit dem ersten der drei Bauabschnitte, der Turmsicherung, beginnen zu können. Wie in vielen anderen Dorfgemeinden mit geringen Rücklagen gestaltet sich der Kampf um Fördermittel schwierig und fordert viel Durchhaltevermögen. Doch die Bebertaler lassen sich nicht entmutigen; sie wissen, dass sich Beharrlichkeit auszahlt – denn es ist nicht ihre erste Kirchensanierung: Mit gerade einmal 290 Mitgliedern aus den ehemaligen Gemeinden Dönstedt und Alvensleben muss die Kirchengemeinde ganze drei stattliche historische Kirchengebäude unterhalten. Mit vereinten Kräften und enormem, auch finanziellen Einsatz ist die Sanierung der ersten der drei Kirchen, der barocken Kirche St. Godeberti, inzwischen gelungen. Berger, der auch dort im Förderverein aktiv ist, bleibt daher mit Blick auf die alte Gutskirche gelassen: „Bei Godeberti sind wir schon seit 2007 dabei – man braucht nur einen langen Atem und viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer.“ Und die, zumindest, gibt es in Bebertal schon mal!