Reformierte Kirche Aurich
Reformierte Kirche Aurich

Ein Hauch von Rom in Aurich

KiBa-Kirche des Monats Juli 2021

Jörg Schmid schwärmt. „Ein Schmuckstück“ ist die Kirche, befindet er, „von den Fenstern bis zur Kuppel. Man merkt, dass das Gebäude aus einem Guss geplant wurde.“ Diese höchsten Töne gelten der Kirche der Evangelisch-reformierten Kirche im niedersächsischen Aurich, die ihrer attraktiven außergewöhnlichen Gestalt wegen nicht nur Jörg Schmid – seines Zeichens Pastor in Aurich – entzückt: Überdurchschnittlich gut ist das Gotteshaus an Sonn- und Feiertagen gefüllt, unter der Woche kommen außerdem regelmäßig auch Menschen, die nur zu Besuch in der Stadt sind und sich die architektonische Schönheit in der Kirchstraße nicht entgehen lassen wollen.

Denn was so mager mit der Bezeichnung „Stadtkirche“ belegt ist, könnte auch „Tempel“ genannt werden: Mit vier wuchtigen dorischen Säulen am Vorbau ragt das Gebäude unvermittelt aus der Häuserzeile heraus. „Sie ist eine Kopie des Pantheons in Rom“, erklärt Jörg Schmid. Als Rundbau konzipiert, ist die Kirche der einzige klassizistische Zentralbau in der Weser-Ems-Region mit einer von acht korinthischen Säulen getragenen Kuppel. Ein Hauch von Rom also mitten in Aurich, geschaffen von dem Architekten Conrad Bernhard Meyer in den Jahren von 1812 bis 1814.

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Wie kam es zu diesem ungewöhnlichen Glücksfall? Im 17. Jahrhundert lebten zunächst nur wenige Reformierte in Aurich. Gottesdienste wurden in Privathäusern gefeiert. Erst nachdem die Gemeinde sich durch die Zuwanderung von Hugenotten aus Frankreich vergrößerte, wurde ihr die Garnisonkirche in der Schlosswache zur Verfügung gestellt. Eine Spende von niemand Geringerem als Napoleon höchstselbst wurde Anfang des 19. Jahrhunderts dann zur Initialzündung für ein eigenes Gotteshaus. Der Bau kostete am Ende mehr als das Fünfzehnfache der napoleonischen Spende, fast hätte er den finanziellen Ruin der Gemeinde bedeutet.

Bemerkenswert ist neben der gläsernen Kuppel in Form eines Sterns auch das kostbare Abendmahlsgeschirr in der insgesamt sehr schlicht gehaltenen Kirche. 1730 von Fürst Georg Albrecht für seine Hofkapelle beschafft, wurde das silberne Geschirr 1855 per Kabinettsorder durch König Georg V. vom hannoverschen Königshof übertragen. Es ist im Historischen Museum der Stadt ausgestellt und wird gleichwohl bis heute zum Abendmahl verwendet.

Dass die Gemeinde nicht lang überlegte, als deutlich wurde, dass die Kirche der Erneuerung bedarf, ist also mehr als nachvollziehbar. Reparaturbedürftig ist insbesondere das Dach, durch das es in den vergangenen Monaten tatsächlich hineingeregnet hat, wie Pastor Jörg Schmid berichtet. „Aber auch eine Entwässerung des Mauerwerks ist notwendig“. Und wenn das Gerüst erst einmal aufgebaut ist, werden auch die Fugen in den Wänden begutachtet und erneuert.

Natürlich wird die Sanierung des Schmuckstücks auch einiges kosten. Rund 347.000 Euro hat die Gemeinde eingeplant. 15.000 Euro wird die Stiftung KiBa zur Verfügung stellen. Und die Gemeinde? Zwei Mal ist der so genannte freiwillige Gemeindebeitrag schon für die Sanierung verbucht worden, jeweils beachtliche rund 6.000 Euro. Ansonsten helfen die Auricher handwerklich, wo sie können – und setzen auf das nächste Gemeindefest. Kuchenverkauf, Musik, Märchenerzähler: Die Pläne sind längst gemacht. „Wir warten eigentlich nur noch darauf, dass Corona so ein Fest zulässt“, sagt der Pastor. Und es gibt noch eine ganz besondere Idee, auf die er hofft. Darf er doch den bekannten Maler und Grafiker Bodo Olthoff zu seiner Gemeinde zählen. Dieser hat zugesagt, einige seiner Werke zugunsten der Kirche zu versteigern. „Wenn das zustande käme, könnten wir von einem hohen Spendenbetrag ausgehen“, weiß Jörg Schmid aus Erfahrung. Schon einmal hat der Künstler der Gemeinde auf diese Weise finanziell unter die Arme gegriffen. „Das ist natürlich großartig, wenn man so jemanden als Unterstützer hat“.