Reformiertes Wahrzeichen wird zukunftsfit
Die Instandsetzung der Christuskirche Detmold
Hoch oben über dem Kaiser-Wilhelm-Platz ragt der 65,5 Meter hohe Turm der Christuskirche in den Himmel über Detmold. Der prächtige neugotische Bau hatte zuletzt mit schweren Schäden an Dach, Fassade und Innenraum zu kämpfen. Dank einer umfassenden Sanierung bleibt das Wahrzeichen der Stadt nun für kommende Generationen erhalten.
Lockere Steine und eindringende Feuchtigkeit
1908 wurde die Christuskirche nach Entwürfen von Otto Kuhlmann erbaut. Die Fassade aus Tuff-, Sand- und Granitstein bietet einen prächtigen Anblick – doch genau hier lag ein gefährliches Problem: Die als Verblendsteine genutzten Tuffsteine waren vor das Hintermauerwerk aus Backsteinen lediglich „geklebt“ worden. Eine richtige kraftschlüssige Verbindung gab es nicht.
Als man 2019 bei Sanierungsarbeiten Gerüstanker einbohren wollte, lösten sich ganze Fassadensteine. Eine sofortige statische Sicherung wurde unumgänglich, um ein Herabfallen weiterer Steine zu verhindern. Auch das Dach war marode, jahrelang war Feuchtigkeit eingesickert und hatte tiefe Spuren an den Gewölbedecken, den Wänden und sogar an der Orgel hinterlassen. An der Dachkonstruktion waren die Nägel buchstäblich abgerostet.
Statische Sicherung
Die Risse in den Gewölben und an den Seitenschiffanschlüssen wurden durch „Vernadelung“ gesichert: Das ist ein spezielles Verfahren, bei dem die fehlenden Verbindungen zwischen den Steinschichten wieder hergestellt werden. Dabei bohrt man durch die äußere Verblendung tief in das dahinter liegende tragende Mauerwerk und setzt „Nadeln“ ein – meist spiralförmige Anker oder Gewindestangen aus rostfreiem Edelstahl. Die überbrücken den Spalt zwischen den Schichten. Anschließend werden die Hohlräume um die Anker mit mineralischem Injektionsmörtel verpresst. Am Ende steht eine feste mechanische Verbindung zwischen Fassade und Gebäudekern.
Die Sicherung der Gewölberisse verlief nach einem ganz ähnlichen Prinzip. Dabei hat man die Rissflanken quer zur Rissrichtung mir Ankern quasi zusammengeheftet, um ein weiteres Auseinanderweichen des Mauerwerks zu verhindern.
Die Stiftung KiBa hat die Sanierung bereits 2021 mit einer Förderung i.H.v. 30.000 Euro unterstützt – administrativ abgeschlossen wurde das Projekt aber erst im letzten Jahr.
Eine Kirche mit Geschichte
Der Bau der Christuskirche war das Ergebnis eines spannenden Kapitels der Stadtgeschichte: Ein Vermächtnis von Auguste von Donop, der Witwe des Hofjägermeisters, löste im späten 19. Jahrhundert einen Wettbewerb zwischen der reformierten und der lutherischen Gemeinde aus. Beide Gemeinden wuchsen und weil die alte Marktkirche nicht mehr ausreichte, entstand mit der Christuskirche ein repräsentativer Neubau am Kaiser-Wilhelm-Platz. Am 12. Januar 1908 wurde die neugotische Kirche feierlich geweiht.
Die ursprünglichen Glasmalereien an den Fenstern – darunter drei von Fürst Leopold IV. zur Lippe gestiftete Chorfenster – mussten in den 1960er Jahren einem schlichteren Konzept weichen, doch Kanzel, Altar und das historische Eichengestühl mit über 800 Plätzen blieben erhalten. Die heutige Orgel baute Paul Ott 1957 neu auf, denn das Vorgängerinstrument war durch Kriegsschäden unbrauchbar geworden.
Fünf Glocken läuten im Turm. Das etwas ungewöhnliche Ensemble resultiert aus der Konfiszierung und dem Einschmelzen der originalen Glocken zu Kriegszwecken. Seit März 1990 erklingt zudem ein Westminster-Stundenschlag. Unter dem Chor befindet sich die neugotische Gruft, die als offizielle Grabstätte des Fürstenhauses zur Lippe dient. Bis heute werden hier Mitglieder der fürstlichen Familie beigesetzt.
Detmold: Kulturstadt im Teutoburger Wald
Detmold ist mit rund 75.000 Einwohnern die größte Stadt im Kreis Lippe und liegt an der malerischen Kulisse des Teutoburger Waldes. Seine Bedeutung verdankt Detmold vor allem der langen Tradition als Residenzstadt der Herren, Grafen und Fürsten zu Lippe von 1468 bis 1918. Das fürstliche Residenzschloss prägt noch immer das Bild der historischen Altstadt, hier stehen rund 350 Baudenkmäler aus verschiedensten Epochen.
Das nahe gelegene Hermannsdenkmal ist Deutschlands höchste Statue und erinnert an die Schlacht im Teutoburger Wald, in der die Germanen unter Arminius die Römer besiegten. Seit 1947 ist Detmold zudem Sitz der Bezirksregierung und hat sich als Hochschulstandort etabliert, insbesondere durch die renommierte Hochschule für Musik.