Lorendamm zur Hallig Hallig Nordstrandischmoor
Lorendamm zur Hallig Hallig Nordstrandischmoor Dieter Müller auf Pixabay

Zwischen Himmel und Meer

Kirchen auf den Halligen

Die Halligen sind kleine Marschinseln im nordfriesischen Wattenmeer an der deutschen Nordseeküste. Weil sie keine Deiche wie die benachbarten Inseln besitzen, werden sie bei besonders hohen Sturmfluten teilweise vom Meer überflutet. Dann heißt es „Land unter“. Nur die künstlich aufgeschütteten Wohnhügel, die sogenannten Warften, ragen dann aus den Wassermassen heraus.

Kleine Inseln im großen Meer

Entstanden sind die Halligen im Mittelalter. 1362 ist die Zweite Marcellusflut als „Grote Mandränke“ in die Geschichte eingegangen. Deiche brachen, weite Teile der Marschlandschaft wurden weggerissen. Zahlreiche Dörfer wurden zerstört und tausende Menschen kamen ums Leben. Die Küstenlinie verschob sich dauerhaft, weite Landstriche versanken im Meer. Bis heute erzählt man sich Legenden, etwa von der sagenhaften untergegangenen Stadt Rungholt.

1634 versank die Insel Strand bei der Burchardiflut fast vollständig im Meer.  Aus ihren Resten entstanden unter anderem die heutigen Inseln Nordstrand und Pellworm. Gleichzeitig blieben zahlreiche kleine, ungeschützte Marschflächen zurück – die späteren Halligen.

Trotz der rauen Bedingungen leben seit Jahrhunderten Menschen auf den Halligen. Sie haben sich der Natur angepasst, ihre Häuser sind auf Warften errichtet und sie haben eine enge Verbindung zum Meer entwickelt. Heute prägt der naturnahe Tourismus das stille Leben auf den Halligen, denn die Inseln liegen im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und gehören zum UNESCO-Weltnaturerbe. Salzwiesen, Wattflächen und Priele sind ein einzigartiger Lebensraum für zahlreiche Vogelarten und Pflanzen.

Kirchen auf den Halligen

Auf der Hallig Hooge bauten die Bewohner mitten im 30-jährigen Krieg ihre Kirche, Baumaterial holten sie sich aus den Trümmern, die die Burchardiflut zurückgelassen hatte. Im 18. Jahrhundert hatten viele Insulaner als Walfänger auf holländischen Schiffen angeheuert. Aus dieser Zeit stammt die Waltür an der Kanzel der Hooger Kirche mit Walmutter und ihrem Jungen. Das Altarbild aus dem Jahre 1857 kam 1931 nach Hooge, ursprünglich stand es in der Kirche zu Klanxbüll. Anfang der 1990er Jahre wurde ein Ringwall als Schutz vor zukünftigen Fluten um die Kirchwarft gebaut.

Auf der Hallig Langeneß entstand 1658 auf einer heute untergegangenen Warft eine Predigtstätte. Wenige Jahre später wurde das Schulhaus auf der heutigen Kirchwarft zur Kirche umgebaut und mit einer eigenen Pastorenstelle besetzt. Nach einem Neubau im Jahr 1725 entstand 1894 das heutige Kirchengebäude, das zeitweise auch als Schule genutzt wurde. Seit 1975 dient der ehemalige Schulbereich als Gemeinderaum.

Besonders sehenswert ist der bemalte Flügelaltar von 1670. Er zeigt die Kreuzigung Jesu und das Abendmahl sowie die vier Evangelisten. Gestiftet wurde er von zwei Langeneßer Schiffern, die sich maßgeblich für die Einrichtung einer eigenen Pfarrstelle eingesetzt hatten. Heute zählt die Kirchengemeinde Langeneß-Nordmarsch rund 100 Mitglieder. Der Pastor betreut zudem die kleinen Halliggemeinden Oland und Gröde. Die Stiftung KiBa hat die Kirche auf Langeneß 2015, 2016 und 2017 gefördert und zuletzt die Mauerwerkssanierung an der Ost- und Südfassade unterstützt.

Auf der Hallig Gröde steht St. Margarethen. Die Kirche hatte mindestens sechs Vorgänger, die alle bei Sturmfluten zerstört wurden. Das heutige Gotteshaus mit einem herrlichen Renaissance-Altar von 1592 wurde 1779 erbaut. Das älteste Ausstattungsstück ist das Kruzifix an der Nordwand (um 1470). Mit weniger als zehn Einwohnern ist Gröde die kleinste selbständige Gemeinde Deutschlands.

Die kleine Saalkirche von 1824 auf der Hallig Oland hat die schweren Sturmfluten von 1825 und 1962 überstanden. Ein Großteil der Ausstattung stammt aus der Vorgängerkirche, nur der Altar ist neueren Datums. Taufbecken und Kruzifixfigur sind auf die romanische Zeit datiert. 1860 wurde Oland erstmals durch einen Damm mit dem Festland verbunden, der aber bald wieder zerstört war. 1925-1927 baute man einen neuen Lorendamm nach Dagebüll, der bis heute benutzt wird. Hier steht tatsächlich ein Verbotsschild, das es Füchsen untersagt, über den Damm nach Oland zu wandern, um die dortige Vogelwelt nicht zu gefährden.

Halligbesuch

Die Halligen sind ausschließlich per Fähre oder Ausflugsschiff erreichbar. Die meisten Verbindungen starten von den nordfriesischen Häfen Schlüttsiel, Nordstrand oder Dagebüll. Die Lorenverbindungen nach Langeneß oder Oland dienen in erster Linie dem Material- und Personentransport und werden fast ausschließlich von den Bewohnern genutzt.

Da die Halligen mitten im Wattenmeer liegen, richten sich die Fahrpläne der Schiffe nach den Gezeiten. Man muss seine An- und Abreise deshalb im Voraus planen. Wer die Halligen besucht, fühlt schnell, als sei er irgendwie zwischen Himmel und Erde geraten. Das weite Meer und die unendlich wirkende raue Landschaft ringsum schaffen eine einzigartige Atmosphäre und man ahnt, warum sich trotz aller Widrigkeiten Menschen hier angesiedelt haben.

Man kann sich inmitten der Natur Gott näher fühlen.