Dorfkirche Rethwisch

Einer der ältesten Holztürme Norddeutschlands wird saniert

„KiBa Kirche des Monats April“ in Rethwisch

Gottesdienste mit Wellenrauschen im Hintergrund? Nein, schmunzelt Andreas Baumgart, hören kann man die Ostsee in der Dorfkirche Retwisch nicht. Aber wenn man vom Glockenturm aus durch die Luken schaut, ist das weite Wasser, das sich je nach Witterung blau, grün oder schaumkronenweiß zeigt, doch zu erspähen. Die Nähe der See bringt immer wieder Touristen in den kleinen mecklenburgischen Ort, der etwa 15 Kilometer nordwestlich von Rostock liegt; „vor allem durchreisende Radfahrer halten gern an und nutzen die Pause, um unsere Kirche zu besichtigen“, sagt Baumgart, Stellvertretender Vorsitzender des Vereins zur Erhaltung der Dorfkirche in Retwisch. In den Sommermonaten wird das Gebäude daher zwei Mal pro Woche für Besucher geöffnet.

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Herzuzeigen hat der mehr als 700 Jahre alte Backsteinbau, den die Stiftung KiBa als „Kirche des Monats April“ würdigt, so einiges: Zum Beispiel die frisch renovierten Fenster, deren älteste Teile, Ornamentescheiben mit Darstellungen von Blattrosetten, Anfang des 14. Jahrhunderts entstanden sind. Der wertvolle Flügelaltar zeigt im Mittelschrein eine Kreuzigungsszene mit insgesamt 40 aus Eichenholz geschnitzten Figuren; der Schrein wurde 1530 gefertigt, die Heiligen und Apostel in den Seitenflügeln und der Praedella sind Anfang des 15. und 16. Jahrhunderts entstanden. Die aus dem Holz einer Eiche des nahen Friedhofs gefertigte Kanzel ist im Ohrmuschel- und Knorpelwerkstil der Spätrenaissance reich verziert.

Nicht nur des Ostsee-Ausblicks wegen ist auch der 1380 aus Holz errichtete Glockenturm der Retwischer Kirche eine Besonderheit. „Er ist einer der ältesten mittelalterlichen Holztürme Norddeutschlands“, sagt Andreas Baumgart sofort, als die Rede darauf kommt. Im Augenblick ist eine Besteigung zu gefährlich, der Turm ist nicht stabil genug. Das ist ein Nachteil der Ostseenähe: „Holz ist immer witterungsanfällig“, weiß Baumgart, der Restaurator und Denkmalpfleger ist, und schon von Berufs wegen an der Kirche hängt. Eine neue Verbretterung des Turms soll Abhilfe schaffen, ebenso ein neues Zeltdach. Auch die Stromversorgung und der Blitzableiter werden erneuert – Baumgart nennt die Sanierung „eine durchgreifende Maßnahme, die hoffentlich die nächsten 100 Jahre hält“.

Rund 280.000 Euro veranschlagt die Gemeinde in Retwisch für diese Maßnahmen – viel Geld, das da zusammenkommen muss. „Es gibt sehr großzügige Einzelspender, aber wir sind natürlich auch froh über jede kleine Gabe“, sagt der Restaurator. Gezielt gesammelt wird bei jedem Pfarrhof-Fest, zugunsten der Turmsanierung werden Bücher und Pflanzen verkauft und auch der in der Pfarrscheune eigens hergestellte Apfelsaft. Außerdem sind in vielen Rethwischer Geschäften kleine Glockentürme aus Metall aufgestellt, um Münzen zu sammeln. Die Stiftung KiBa fördert die Instandsetzung des Glockenturms mit 25.000 Euro.
„Kirchen sind nicht nur Symbol des Christentums, sie geben einem Dorf und seiner Landschaft auch ein Wahrzeichen“, zitiert Andreas Baumgart die Überschrift des Flyers, den der Förderverein erstellt hat. Der Denkmalpfleger, der Gründungsmitglied des Vereins ist und viele Jahre den Vorsitz inne hatte, freut sich, dass die Sanierungsarbeiten schon in diesem Monat beginnen. Und wenn der Glockenturm am Ende wieder für Besucher geöffnet werden kann, haben Radwanderer noch einen weiteren Grund, in Rethwisch Halt zu machen.