Dom St. Nikolai zu Greifswald

Vom Reichtum einer schlichten Ausstattung

Der Greifswalder Dom ist die „KiBa-Kirche des Monats Mai“

Wenn es nicht schon existieren würde, müsste es unbedingt erfunden werden, das Projekt „Kinder erklären Kirche“. Denn: Wie könnte ein Gotteshaus überzeugender vorgestellt werden als durch Kindermund? Im Greifswalder Dom St. Nikolai wurden deshalb vor rund vier Jahren erstmals „Kinderdomführer“ ausgebildet, die Besuchern „ihre Kirche“ präsentieren. Das bedeutete zunächst eine lange Zeit des Lernens für die Jungen und Mädchen, aber: „Wir haben bewusst darauf geachtet, dass die Kinder am Ende der anderthalb Ausbildungsjahre nicht sprechen wie kleine Erwachsene“, betont Pfarrer Matthias Gürtler. Er weiß, wie schön und „oft auch überraschend“ die Worte sind, die die Kinder finden, „wenn sie erklären, was eine Kanzel ist oder ein Altar“. Rund 30 Greifswalder Kinder sind inzwischen als angehende oder ausgebildete Führer im Dom unterwegs, und ihre Dienste werden gut nachgefragt.

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Dom St. Nikolai Greifswald 

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Dom St. Nikolai Greifswald 

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Mit dem Geld, das die Schülerinnen und Schüler auf diese Weise verdienen, unterstützen sie jeweils ein bestimmtes Restaurierungsprojekt in der „KiBa-Kirche des Monats Mai“. Das zuerst ausgewählte, kunstvolle Epitaph der Familie Stephani ist inzwischen komplett saniert; nun helfen die Kinder bei der Finanzierung der Wiederherstellung des mittelalterlichen Kranrads im Turm. Das begehbare hölzerne Rad hat einen Durchmesser von fünf Metern und war, verbunden mit einer Seilwinde, für den Transport von Baulasten in die Höhe bestimmt; inzwischen ist es jedoch vom Holzschwamm befallen und renovierungsbedürftig.

Angesichts des stolzen Alters des Greifswalder Doms, der als dritte Kirche der Hansestadt um 1280 erstmals Erwähnung fand, verwundet es nicht, dass das Gebäude auch vielen anderen Hinsichten dringend heilender Hände bedarf. „Nachdem im vergangenen Jahr mit einer neuen Dacheindeckung im südlichen Seitenschiff begonnen wurde, soll diese in 2013 zu Ende geführt werden“, berichtet der Pfarrer. Außerdem ist auch das nördliche Seitenschiff vom Holzschwamm geplagt, ebenso wie der Turm. Die entsprechenden Maßnahmen werden über 1 Million Euro veranschlagt, die Stiftung KiBa gibt in diesem Jahr 21.000 Euro dazu.

Auch Spenden sind vonnöten, um die große Kirche mit ihren 21 Kapellen, unzähligen wertvollen Bildern, Epitaphen und Sarkophagen instand zu halten. Der Domförderverein sei gerade mit einem Modell des historischen Kranrades im Gepäck zum Kirchentag in Hamburg gewesen, um Gelder für die Instandhaltung von St. Nikolai zu sammeln, sagt Pfarrer Gürtler. Außerdem wurde jüngst ein Flyer zur Einwerbung von Spenden gedruckt, und seit wenigen Wochen gibt es Schlüsselanhänger mit der Silhouette von St. Nikolai, deren Verkaufserlös ebenfalls in den „Dom-Renovierungsfonds“ fließen soll. „Unkompliziert auf Spenden ansprechen“, meint Gürtler, „lassen sich auch die vielen Besucher von St. Nikolai“. In guten Sommertagen können das schon mal 500 sein.

Der Zulauf ist verständlich: Von außen faszinieren das im Stil der Backsteingotik gehaltene hoch aufragende Langhaus mitsamt dem fast 100 Meter hohen Turm, der nach einem Zusammenbruch im Jahr 1650 – der ursprünglich noch höhere Turm war starken Winden nicht gewachsen – neu aufgebaut und mit einer barocken Haube nach holländischem Vorbild gekrönt wurde. Das Holz für diesen Turm stiftete übrigens die schwedische Königen Christine, denn bis 1815 gehörte Vorpommern zum Königreich Schweden. „So kommt es auch, dass die 1456 gegründete Universität in Greifswald, deren Gründungsort die Kirche St. Nikolai war, die älteste schwedische Universität ist“, berichtet der Pfarrer.

Wer in den äußerlich imposanten Dom eintritt, der seit 2008 ein Baudenkmal nationalen Ranges ist, mag auf den ersten Blick enttäuscht sein. Gürtler erinnert sich, dass auch er beim ersten Betreten der Kirche von deren kühler Schlichtheit im Inneren überrascht war. „Es gibt einige Besucher, die sagen: Hier ist ja gar nix drin!“. Doch inzwischen hat Gürtler „die theologischen architektonischen und auch sozialen Vorzüge der romantischen Gedankenwelt“, die sich im Kircheninneren zeigen, zu schätzen gelernt. „Der in Greifswald geborene und im Dom getaufte Caspar David Friedrich hat – sinngemäß - gemeint, dass ein Kirchenraum einfach ausgestattet sein soll, mit einem Blick zu erfassen; ein armer Mensch solle darinnen nicht weniger sein als ein Reicher, denn vor Gott sind alle Menschen gleich“. Solche Geisteshaltungen haben den Pfarrer mit „seinem“ Dom nicht nur versöhnt; er ist inzwischen überzeugt: „Die Einfachheit der Kirche ist ihr Reichtum“.