Dorfkirche Körlitz

Mehr Pilger für Körlitz

KiBa-Kirche des Monats Juni 2013: Die Dorfkirche am Pilgerwegesrand soll sicherer und einladender werden

Wer sich mithilfe des Internet ein Bild von dem sächsischen Dorf Körlitz machen möchte, dem unterstellt die Suchmaschine automatisch Ungenauigkeit – und bietet zahlreiche Informationen auch über Görlitz an. Wenige Ähnlichkeiten lassen sich indes feststellen zwischen den beiden ungleichen Schwestern – der mehr als 270.000 Einwohner beherbergenden, größten Stadt der Oberlausitz und dem 200-Seelen Dorf im Leipziger Land; neben den sechs in gleicher Reihenfolge angeordneten Buchstaben im Namen ist vielleicht noch der Umstand zu nennen, dass beide Orte am Ökumenischen Pilgerweg liegen. Dieser Pfad verbindet die Länder Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen, und ist ein Grund dafür, dass sowohl die Görlitzer Kirchen als auch die Dorfkirche in Körlitz häufig von Pilgern aufgesucht werden.

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Kirche Körlitz 

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Das Körlitzer Kirchlein – die „KiBa-Kirche des Monats Juni“ - „ist im Grunde das einzige, was den Ort prägt“, sagt Pfarrer Stephan Rost. Weil es nicht nur „geradezu idyllisch anmutet“, sondern mit einem vor 1250 vermuteten Baujahr „den Eindruck einer romanischen Kirche vermittelt, was in Sachsen selten ist“, lockt es in den Sommermonaten fast täglich Besucher an. Aus diesem Grund erwägt man, die Eingangspforten künftig idealerweise prinzipiell geöffnet zu halten. Doch vor dieser möglichen neuen Offenheit steht die Restaurierung der Kirche: „Die Dacheindeckung des Kirchenschiffes ist so desolat, dass Regenwasser und im Winter Schnee eindringen“, sagt Pfarrer Rost. Gefährliche Folge: der „Echte Hausschwamm“, dessen unheilvolles Wirken gravierende Schäden an den Holzbalken der Deckenkonstruktion, dem Tragwerk des Kirchendachs, sowie am Dachreiter und am inneren Fachwerk des Westgiebels angerichtet hat. Diese manifestieren sich ganz offensichtlich: „Bis zu 15 Zentimeter hängt die Holzbalkendecke durch“ – ein damoklesschwertähnlicher Zustand, der nicht nur manchen Gottesdienstbesucher in der Kirche zu besonderen Stoßgebeten veranlassen mag, sondern der auch den zuständigen Statikern Kopfschmerzen bereitet. Noch, sagt der Pfarrer, muss nur auf das Geläut zum Gottesdienst verzichtet werden, „aber in Kürze wird es wieder eine Ortsbegehung mit dem Bauplaner geben, und dann wird neu entschieden, ob die Kirche weiter genutzt werden darf“.

Dass Handlungsbedarf besteht, ist den Körlitzern schon lange klar. Nicht nur die Gemeindemitglieder, auch die nicht der Kirche angehörigen Bewohner engagieren sich seit gut vier Jahren für ihr Dorfzentrum. Was in Eigenregie repariert werden kann, wird gemacht, außerdem gibt es regelmäßig Benefizkonzerte und andere Veranstaltungen in den zur Gemeinde gehörenden Kirchen der umliegenden Ortschaften. Um Beispiele ist der Pfarrer nicht verlegen: „Ein Mann, der regelmäßig mit dem Rad durch Russland fährt, hält danach Vorträge in der Gemeinde, deren Erlöse für die Sanierung der Kirche bestimmt sind. Und eine große  ‚Von- Tür-zu-Tür-Sammlung‘ hat 4.000 Euro ergeben“.

Rund 200.000 Euro sind insgesamt für die Sanierung aufzubringen, die Stiftung KiBa will 10.000 Euro beisteuern. „Große Reichtümer sind in Körlitz nicht zu finden, das Dorf ist immer arm gewesen“, weiß Rost, das zeige sich auch an der Ausstattung der Kirche, die zu allen Zeiten sehr schlicht gewesen sei. Blickfang neben dem schlichten Altar sind vor allem ein schön bemaltes Buntglasfenster mit der Darstellung des Abendmahls an der Ostseite und seit einigen Jahren auch wieder der Taufstein aus rotem Porphyr. Der war zwischenzeitlich auf Abwege geraten, erinnert sich Pfarrer Rost: „Er wurde auf irgendeinem Hof gefunden, vollgefüllt mit Kartoffeln“. Dafür, dass er seiner ursprünglichen Bestimmung entsprechend noch viele Jahre lang bestaunt/in Gebrauch genommen werden kann, werden die Körlitzer sich weiter einsetzen.