St. Peter und Paul Wusterhausen

„Ein guter Spiegel der Jahrhunderte“

In Wusterhausen wird die Stadtkirche „noch schöner“ gemacht

„Wir haben Ihre aufschlussreiche Internetseite gesehen und bestätigen, dass diese Kirche in Wirklichkeit noch schöner ist“, so steht es es im virtuellen Gästebuch der evangelischen Kirchengemeinde Wusterhausen. St. Peter und Paul heißt die so gelobte Kirche, und sie prägt das Bild des kleinen Ortes im Brandenburgischen in der Tat sehr deutlich. Schon von weitem ist der dreischiffige Hallenbau aus dem landstrichtypischen roten Backstein zu erkennen; gleich neben dem Rathaus hat er im Zentrum des Städtchens seinen Platz. Kirche und Ortschaft sind in etwa gleich alt – die Geschichte Wusterhausens beginnt im Jahr 1232, das Gotteshaus entstand vor rund 775 Jahren. Während es die Stadt war, die St Peter und Paul zu ihrer heutigen Größe verhalf – Mitte des 15. bis Mitte des 16. Jahrhunderts erlebte Wusterhausen aufgrund eines Salzhandelsmonopols eine kurze Blüte, in der man die ursprünglich romanische Basilika im Stile der Gotik erheblich erweitern ließ – so scheint es heute die Kirche zu sein, die identitätsprägend wirkt und Besucher anlockt.

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St. Peter und Paul Wusterhausen 

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Ein gewichtiger Grund dafür ist die Größe des Kirchengebäudes, sagt Alexander Bothe, Pfarrer der Kirchengemeinde Wusterhausen. Der Besucherblick schweift lange, um die Ausmaße zu erfassen – und bleibt unweigerlich an dem etwas gedrungenen Turm hängen, der zum umfangreichen Gesamtkörperbau von St. Peter und Paul nicht recht zu passen scheint. Wer solches denkt, liegt richtig: Ein Blitz hatte im Jahr 1764 einen verheerenden Brand ausgelöst, der das Gewölbe der Turmhalle zerstörte. Das in der Folge aufgesetzte schlichte Notdach ist bis heute erhalten.

Weiterer Anlass für die Anziehungskraft von St. Peter und Paul ist das Innenleben der Kirche. „Der Bau ist von radikalen Umbauten immer verschont geblieben“, erklärt Bothe, „ und das Inventar ist ein guter und gut erhaltener Spiegel der Jahrhunderte“. Zu bewundern ist beispielsweise das Chorgestühl, das mit farbigen Reliefschnitzereien verziert ist und aus der Zeit um 1474 stammt; die Renaissancekanzel von 1610 wird gekrönt von einem reich verzierten Schalldeckel, auf dem ein Pelikan thront. Die Nordempore enthält mehr als 20 Gemälde, die um 1600 aus der Schule des bekannten niederländischen Malers Hendrick Goltzius (1558 - 1617) stammen und den Leidensweg Christi zeigen. Noch heute nehmen die Gottesdienstbesucher auf dem Kastengestühl Platz, das im 17. Jahrhundert gefertigt wurde.

Gründe genug, die Stadtkirche in Wusterhausen, welche die Stiftung KiBa als „Kirche des Monats November“ würdigt, als Ort des Gottesdienstes und Touristenattraktion zu hegen und zu pflegen – auch wenn das bisweilen leichter gesagt als getan ist. Denn in den vergangenen Jahren kam St. Peter und Paul die Wusterhausener teuer zu stehen: Rund eine Million Euro waren vonnöten, um die angefallenen Sanierungsnotwendigkeiten zu finanzieren. „In drei Schritten wurde seit 2009 zunächst der Turm restauriert, dann das Kirchenschiff - und jetzt wird letzte Hand an den Chor gelegt“, berichtet der Pfarrer. Einen beachtlichen Teil der Finanzierung haben die Gemeindemitglieder geleistet. „Es wurde viel gespendet“, sagt Bothe nicht ohne Stolz. Die Stiftung KiBa stellte 30.000 Euro zur Verfügung.

Noch vor Wintereinbruch soll das Äußere der Kirche wiederhergestellt sein; erst im nächsten Jahr werden die Restauratoren im Innenraum zum Einsatz kommen. Besonders freut sich Alexander Bothe darüber, dass mit dem Verschwinden des letzten Gerüst das Zierfries, das an den Außenwänden rund um die Kirche läuft, wieder sichtbar wird: „Das war seit mehr als 100 Jahren nicht zu sehen“. „Noch schöner“ also wird sich St. Peter und Paul allen Besuchern sehr bald zeigen – womit die Zahl der zufriedenen Gästebuchschreiber sicherlich zunehmen wird.