St. Marien Berlin

Marienkirche in Berlin ist „Kirche des Monats“ April

Die Stiftung KiBa unterstützt die Sanierung mit 10.000 Euro

Am Berliner Alexanderplatz, direkt am Fuße des Fernsehturms, fällt die Marienkirche mit ihrer roten Backsteinfassade sofort ins Auge. Umgeben vom kühlen grauen Charme der überwiegend sozialistischen Architektur rundum, erhebt sich der Backsteinbau und strahlt den Glanz des mittelalterlichen Berlin aus. Die schmalen, eher unauffälligen Spitzbogenfenster weisen auf seine Bauzeit Ende des 13. Jahrhunderts hin. Die St.-Marien-Kirche überstand die Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs ebenso wie die Zeit des Sozialismus. Im wiedervereinigten Berlin rückt die Marienkirche nun in die Mitte der Hauptstadt. Sie ist bischöfliche Predigtkirche für die Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und „Citykirche“ in einem. Die Kirchgemeinde richtet sich mit vielen Angeboten an die Stadt und ihre Gäste.

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Die Marienkirche ist mit 700 Jahren eine der ältesten mittelalterlichen Kirchen im Stadtkreis Berlins, die noch im gottesdienstlichen Gebrauch sind. Seit 2002 wird das gotische Bauwerk von außen und innen generalsaniert; die Stiftung KiBa hat diese Arbeiten bereits in den Jahren 2005 und 2006 unterstützt. In diesem Jahr wählte die KiBa St. Marien zur „Kirche des Monats“ April und stellte für die dringend notwenige Sanierung des Innenraues 10.000 Euro zur Verfügung. Das Geld wird dringend gebraucht: Die rund 3000 Mitglieder zählende kleine Kirchgemeinde kann die Kosten allein nicht keinesfalls tragen.

„Es gibt derzeit besonders viele Schäden auszubessern, denn das Bauwerk ist seit Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr vollständig saniert wurden“, sagt Gemeindereferent Roland Stolte. Seit dem letzten Jahr wird der Innenraum einschließlich des Chores und der Kirchenfenster restauriert. „Um die Verschmutzungen und Feuchtschäden der Vergangenheit zu beseitigen, wird der Putz der Wände konserviert und ausgebessert“. Danach erhalten die Flächen eine neue Farbfassung, die in schlichtem Weiß ausgeführt wird. Der hintere Teil des Kirchenschiffs ist schon fertig, die neue Farbgestaltung lässt sich dort schon gut erkennen. Nun befinden sich die Baugerüste im vorderen Teil der Kirche, und auch hier hofft Roland Stolte auf einen schnellen Abschluss der Sanierungsarbeiten. Einen Termin gibt es schon: Im Juni finden die 1. Internationalen Chormusiktage in der Marienkirche statt - dann soll der Innenraum in seiner neuen schlichten Schönheit erstrahlen. Schon vor zwei Jahren wurde eine neue Heizung in den Kircheboden integriert. Sie garantiert durch die Regelung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit den Erhalt der sakralen Gemälde und Schnitzwerke, die im Innenraum aufgestellt sind.

Gute klimatische Bedingungen benötigen vor allem die vielen Kunstwerke in der St.-Marien-Kirche. Allen voran der so genannte „Berliner Totentanz“. Im Jahr 1485 entstand das auf Putz gemalte Wandbild in der Turmvorhalle, das den Tanz der Menschen mit dem Tod dargestellt. Der Reigen ist als Allegorie auf die Pest zu verstehen, die wenige Jahre zuvor die Stadt heimsuchte. In der laufenden Sanierung konnte der Zustand des Gemäldes erstmals dauerhaft konserviert werden. Roland Stolte weist auf die Bedeutung des Kunstwerkes hin: „Es handelt sich um ein kunstgeschichtlich einmaliges Kulturgut. In der Marienkirche existiert das am besten erhaltene Gemälde dieser Art in ganz Nordeuropa. Seine Wiederherstellung ist Kernaufgabe der Sanierungsarbeiten der nächsten Jahre“.

Die Marienkirche beherbergt aber noch weitere Schätze: Aus dem Mittelalter stammt ein bronzener Taufstein, der kelchartig geformt ist. Er ist dem Künstler Hinrich von Magdeburg zuzuschreiben und fällt durch seine massive Form und die Reliefbilder am Beckenrand auf. Der Innenraum der Marienkirche ist größtenteils vom Barock geprägt. Andreas Schlüter, der Hofbildhauer König Friedrichs I., schuf 1703 die Kanzel. Sie ist aus Stein gearbeitet und wird symbolisch von drei Figuren getragen. Die barocke Kirchenorgel, die mit prächtigen Goldelementen verziert ist, fertigte Joachim Wagner aus Magdeburg 1721.

Zu DDR-Zeiten hatte St. Marien einen schweren Stand: In unmittelbarer Nähe zu den Regierungsgebäuden der DDR gelegen, wohnten in der Umgebung der Kirche vor allem staatstreue Bürger; gläubige Menschen blieben im Kirchenbezirk rar. Seit der politischen Wende steigt die Bedeutung der Marienkirche. Eine große Herausforderung im Gemeindeleben ist dabei die unterschiedliche Bevölkerungstruktur in der Hauptstadt. Die Gemeinde widmet sich sozial Benachteiligten, indem sie regelmäßig eine Suppenküche für Obdachlose veranstaltet. „Die Notwendigkeit der christlichen Armenfürsorge hat seit Jahren zugenommen“, weiß Pfarrer Johannes Krug. „Die Zahl der ausgeteilten Essen hat sich seit Anfang der neunziger Jahre mehr als verdoppelt“. Kulturinteressierte Menschen werden mit Ausstellungen und Konzerten angesprochen. Voraussetzung für all diese Projekte ist und bleibt der Erhalt der Kirche – eine Herausforderung, an der sich die KiBa beteiligt.