Deckenrestaurierung in St. Peter und Paul zu Andisleben (Thüringen)
Deckenrestaurierung in St. Peter und Paul zu Andisleben (Thüringen)

Rettung für ein barockes Himmelszelt

Deckenrestaurierung in St. Peter und Paul zu Andisleben

Die evangelische Dorfkirche St. Peter und Paul im thüringischen Andisleben birgt einen ganz besonderen Schatz: Eine prächtige barocke Stuckdecke mit wunderschönen Malereien. Über die Jahre hinweg haben sie jedoch gelitten. Mit Hilfe einer Tochterstiftung der KiBa wird dieses wertvolle Denkmal nun Schritt für Schritt saniert, um es für kommende Generationen zu bewahren.

Wenn der Putz bröckelt

Die Schäden an der barocken Holztonne waren vielfältig und durchaus bedrohlich. Sowohl der Putz als auch der Kalkgipsstuck wiesen „strukturell entfestigte Bereiche“ auf, wie es der Experte formuliert. Im Klartext: Es bildeten sich Hohlstellen, bei denen sich der Stuck vom Untergrund löste. Deswegen musste zum Schutz der Besucher auch ein Sicherheitsnetz unter der Decke gespannt werden, um herabfallende Teile aufzufangen. Ausgeprägte Rissbildungen zogen sich durch die Malerei, stellenweise war der Putz bis auf das Trägermaterial bereits abgefallen.

An einigen Stellen hatten sich durch eingedrungene Feuchtigkeit eine Salzkruste gebildet, die das Material langsam zersetzte. Überhaupt war die gesamte Fläche war von lose aufliegendem Schmutz bedeckt. Störende Ergänzungen und Retuschen aus früheren Reparaturversuchen fielen da angesichts der Schäden schon fast nicht mehr ins Gewicht.

Im vergangenen Jahr hatte die Kirchengemeinde das Projekt „Deckenrestaurierung“ in Angriff genommen, im September haben die Arbeiten begonnen. Der erste Bauabschnitt i.H.v. 145.000 Euro ist durchfinanziert. Fast die gleiche Summe wird für den zweiten Bauabschnitt benötigt – am Ende fehlten der Gemeinde noch 10.000 Euro. Hier springt die Irene Roemer-Stiftung ein. Die Tochterstiftung der KiBa wurde 2023 gegründet und hat das Ziel, Dorfkirchen von kulturhistorischer Bedeutung zu fördern.

Präzision und Handarbeit

Die Restaurierung folgt einem strengen konservatorischen Konzept, um so viel Originalsubstanz wie möglich zu erhalten. Zunächst erfolgt eine Trockenreinigung mit Pinseln und speziellen Schwämmen, gefolgt von einer Feinreinigung mit destilliertem Wasser.

Um die Struktur zu festigen, kommen moderne Verfahren zum Einsatz: Desolate Bereiche werden mit Siliciumdioxid-Nanosol oder warmem Hausenblase-Leim (einem speziellen Leim auf Basis von Fischblasen, insbesondere vom Hausen, einer Störart) konsolidiert. Hohlstellen werden vorsichtig mit Injektionsmörtel auf Kalkhydratbasis verfüllt. Risse und Fehlstellen werden mit einem Kalkgipsmörtel geschlossen, der in Körnung und Textur präzise an den historischen Bestand angepasst wird. Den Abschluss bilden dann farbliche Retuschen mit Gouache- oder Kalkfarben, um die Fehlstellen im Gemälde optisch zu schließen. Verdunkelte Metallauflagen an den Stuckrahmen werden mit Schlagmetall neu gefasst.

Eine der ältesten Kirchen Thüringens

St. Peter und Paul zählt zu den ältesten Kirchen Thüringens, ihre Geschichte reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Die Apsis stammt noch aus romanischer Zeit, der markante Chorturm wurde vermutlich um 1531 auf den Fundamenten des alten Chores errichtet. Zur wertvollen Ausstattung gehören u.a. ein Taufstein mit Rundbogenfries aus dem 13. Jahrhundert und eine Kanzel aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die Orgel baute Johann Georg Schröter 1743, im Laufe der Zeit wurde das Instrument mehrfach restauriert und erweitert.

Andisleben: Ein Ort mit turbulenter Geschichte

Die Gemeinde Andisleben, gelegen an der Gera im Landkreis Sömmerda, wurde bereits im Jahr 815 erstmals urkundlich erwähnt. Im 19. Jahrhundert wechselte die Zugehörigkeit des Ortes im heutigen Landkreis Sömmerda mehrfach. Gemeinsam mit dem Erfurter Gebiet kam Andisleben 1802 erstmals unter preußische Herrschaft. In napoleonischer Zeit (1807-1813) wechselte das Gebiet unter französische Ägide ins Fürstentum Erfurt – nach dem Wiener Kongress 1814 fiel es jedoch dauerhaft an das Königreich Preußen zurück. Im Zuge der preußischen Verwaltungsreformen wurde die Gemeinde 1816 dem Landkreis Erfurt zugeordnet, der Teil der preußischen Provinz Sachsen war.

Diese Verbindung blieb bestehen, bis Andisleben nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Juli 1945 von amerikanischen Truppen an die Rote Armee übergeben wurde und somit Teil der Sowjetischen Besatzungszone und später der DDR wurde.

Ein besonders bewegendes Kapitel der Ortsgeschichte ereignete sich am 10. April 1945. Während amerikanische Truppen den Ort unter Beschuss nahmen, bewies der damalige Bürgermeister Paul Schütz besondere Courage: Er hisste eine weiße Fahne auf dem Kirchturm von St. Peter und Paul und rettete Andisleben so vor der drohenden Zerstörung. Eine Gedenktafel in der Ortsmitte erinnert heute an diese mutige Tat.