Sanierter Innenraum der Apostelkirche Münster (Nordrhein-Westfalen)
Sanierter Innenraum der Apostelkirche Münster (Nordrhein-Westfalen)

Neuer Glanz für gotische Schätze

Innenraumsanierung der Apostelkirche Münster

Nach der intensiven Sanierungsphase in den Jahren 2025 und 2026 zeigt sich das Innere der Apostelkirche in Münster wieder in seiner ganzen Pracht. Mit handwerklicher Präzision und restauratorischem Fingerspitzengefühl wurden die historischen Deckenmalereien bewahrt und die Bausubstanz für die Zukunft gesichert.

Die Apostelkirche bringt gleich mehrere Superlative mit: Um 1266/1284 wurde sie errichtet und ist damit die älteste gotische Hallenkirche Münsters, außerdem die einzige erhaltene mittelalterliche Klosterkirche der Minoriten und überdies der erste evangelische Kirchenraum der Stadt. Um 1660 erweiterte man das Gotteshaus um ein weiteres Schiff im Norden. Die Bemalung im Innenraum ist beeindruckend, gegenläufige Ranken aus grünen Weinblättern und Blumengebinden – die ältesten Darstellungen stammen gar aus der zweiten Hälfte der 15. Jahrhunderts – schaffen ein herrlich stimmiges Gesamtbild.

Jüngst stand diese herrliche Kirche vor großen Herausforderungen. Die natürlichen Bewegungen des historischen Gebäudes hatten über die Jahrhunderte Spuren hinterlassen, die weit über bloße Schönheitsfehler hinausgingen.

Spuren der Zeit

Rissbildungen in unterschiedlichstem Ausmaß, lockerer Putz in ganzen Partieren und teilweise sogar bereits abgebrochen und heruntergefallen – die Situation vor Beginn der Arbeiten war durchaus besorgniserregend. Die wertvollen gotischen und spätgotischen Deckenmalereien hatten unter den statischen Spannungen des Baukörpers sichtbar gelitten.

Außerdem war ein Großteil der Gewölbe- und Wandflächen von einer Schicht aus Staub und Ruß bedeckt. Eine schmutzig-graue Patina hatte die historischen Malereien im südlichen Seitenschiff fast zur Gänze unkenntlich gemacht. Hohle Putzstellen und Salzablagerungen stellten eine Gefahr für den langfristigen Erhalt dar.

Handwerk trifft Kunst: Die Sanierungsmaßnahmen

In enger Abstimmung mit der unteren Denkmalbehörde und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) – zuständig für Beratung bei der denkmalgerechten Sanierung historischer Bausubstanz - wurde ein umfassender Maßnahmenkatalog umgesetzt.

Zunächst wurden alle Flächen mit Trocken-Reinigungsschwämmen vorsichtig von Schmutz befreit. Die Risse wurden behutsam geöffnet, ausgespült und mit einem speziellen Kalk-Injektionsmörtel verpresst, um die statische Einheit des Putzes wieder herzustellen. Hohle Stellen wurden gefüllt und lose Putzpartien gefestigt.

Die Reinigung der empfindlichen Gewölbemalereien erfolgte zunächst mit weichen Pinseln und anschließend mit speziellen Latex-Schwämmen. Wo es nötig war, wurde eine so genannte Malschichtsicherung vorgenommen. Diese handwerklich-restauratorische Methode beschreibt das Aufbringen eines alterungsbeständigen Bindemittels auf die farbige Oberflächenschicht der Wandmalerei. Fehlstellen wurden retuschiert oder, wo erforderlich, fachgerecht rekonstruiert. Im südlichen Seitenschiff konnten sogar bislang verborgene Malereien wieder freigelegt werden.

Der Kalkanstrich der Wandflächen mit Altmannssteiner Grubenkalk gestaltete sich schwierig, denn eine chemische Reaktion mit dem Untergrund verursachte zunächst großflächige bräunliche Flecken. Erst mit besonders dispergiertem Kalk – beim Dispergieren werden Stoffe miteinander vermischt, die sich nicht ineinander lösen. Es entsteht nur eine mechanische Verbindung, keine chemische. Das war am Ende das Erfolgsrezept und führte zu einem homogenen und ästhetisch hochwertigem Resultat.

Ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann

Am Ende wurden die Gewölberippen, Pfeiler und Kapitelle mit einer speziellen Restaurolasur auf Silikat-Basis behandelt. Das lässt die architektonischen Gliederungen wieder klar hervortreten. Das Ergebnis spricht klar für sich – die Apostelkirche zeigt sich wieder von ihrer allerschönsten Seite.

Ein kleiner Wehmutstropfen sind die gegenüber der ursprünglichen Planung gestiegenen Kosten, bedingt durch die zusätzlichen Maßnahmen bei der unvorhersehbaren chemischen Reaktion beim Kalkanstrich und der damit verbundenen längeren Gerüststandzeit, ist man in Münster hochzufrieden. Das Sanierungsprojekt war ein voller Erfolg! 15.000 Euro hat die Stiftung KiBa für die Arbeiten bereitgestellt – gut angelegtes Geld für ein einzigartiges Gotteshaus im Herzen Westfalens.