St.-Petrus-Kirche Augsburg (Bayern)
St.-Petrus-Kirche Augsburg (Bayern) Christian Burkhardt

Ein barmherziger Blick auf eine verwundete Welt

Karfreitag 2026

Der Karfreitag ist ein Tag des Schweigens, der Klage und der ängstlichen Fragen, auf die die Antworten fehlen. Beim Blick auf das Kreuz schwanken wir heute zwischen Ohnmacht und Hoffnung, Mut und Verzweiflung. Auf der einen Seite steht die Schilderung der Kreuzigung im Evangelium, auf der anderen unsere eigene Welt mit ihrem Leid. Wie lässt sich das aushalten?

Das Geschehen auf Golgatha vor den Toren Jerusalems ist eine schreckliche Szene – bar aller Menschlichkeit. Hier begegnen uns alle Grausamkeiten, die Menschen einander antun können: Hass, Verachtung, Demütigung und Schmerz. Das lässt sich eigentlich nur noch aus der Distanz aushalten, indem man so tut, als gehöre man nicht dazu und die Situation gehe einen kaum etwas an. Ähnlich verhalten sich die Bekannten Jesu und die Frauen, die ihm aus Galiläa gefolgt waren – sie sahen aus der Ferne zu, berichtet der Evangelist Lukas.

Es ist die Hilflosigkeit, die quälende Erkenntnis, nichts ändern zu können. Distanz schafft Abstand. Stünden wir dicht dabei, müssten wir die Augen verschließen. Aus der Ferne können wir fragen und deuten: was passiert hier wirklich? Hier stirbt ein Gerechter, Gottes eigener Sohn, der sogar noch in der Stunde seines Todes für seine Peiniger bittet und Vergebung für sie erfleht.

Was wir aus der Ferne beobachten, kann uns innerlich ganz nahe kommen. Weil wir nicht abschalten, sondern die Dinge aus der Sicherheit der Distanz erleben. So wie bei Lukas: Jesu‘ Tod ist nicht das Ende, sondern eine Zäsur. Hoffnung, Glauben uns seine Botschaft leben weiter. Eine solche Erkenntnis ist schwer zu erlangen, wenn man im Mittelpunkt eines grausamen Geschehens steht. Das schaffen nur zwei: ein Übeltäter, der neben Jesus am Kreuz hängt, zeigt Reue. Und der römische Hauptmann erkennt: „Fürwahr, dieser Mensch ist ein Gerechter gewesen!”

Die Betrachtung aus der Ferne ist keine bloße Zuschauerrolle, sondern ein Ringen um Worte und Sinn. Am Karfreitag machen wir uns bewusst: Unsere Gefühle der Hilflosigkeit und Verzweiflung haben nicht das letzte Wort. Gott setzt sich für uns aus der Ferne dafür ein, unsere Angst und unser Grauen gemeinsam von innen heraus zu überwinden. Ein neuer und barmherziger Blick auf eine verwundete Welt als eine Gemeinschaft in Verbundenheit mit den Leidenden – und mit Gott. Das ist die Botschaft: in der Hingabe Jesu liegt bereits der Keim für eine kommende Welt.