Im Widerspruch gegen das Offensichtliche
Ostern 2026: Der Tod hat nicht das letzte Wort
Es sah so endgültig aus am Karfreitag: ein Mensch wurde hingerichtet, der für Gerechtigkeit, Wahrheit und Gottes Liebe zu den Menschen gestanden hat. Brutal und öffentlich für jedermann sichtbar am Kreuz. Gestorben, begraben und hinabgestiegen in das Reich des Todes. Und doch hört die Geschichte hier nicht auf.
Irgendwie scheint die Kreuzigung Jesu auch heute noch erschreckend vertraut. Sie hat überdeutlich klar gemacht, dass das Leben endlich ist. Selbst für Gottes eingeborenen Sohn gilt das. Gegen Gewalt, Macht und Stärke kann er sich letzten Endes nicht durchsetzen. Wer am stärksten ist, der gewinnt. Recht und Gerechtigkeit bleiben auf der Strecke. Die Hoffnung, die die Menschen mit Christus verbunden haben, fällt in sich zusammen. Selbst treueste Anhänger haben ihn schon verleugnet. Orientierungslosigkeit und Zukunftsangst dominieren. Das kommt uns vertraut vor. Und doch…
Offensichtlich ist das Kapitel Christus abgeschlossen. Sein Leichnam wurde vom Kreuz abgenommen und begraben. Ein tonnenschwerer Stein verschließt die Grabstätte auf alle Zeiten. Hier wird nichts mehr passieren, die Zeit lässt sich schließlich nicht zurück drehen. Ähnliches haben wir alle schon erlebt. Und doch…
Worauf soll man denn noch hoffen, wenn selbst Gott unterlegen ist? Natürlich sind alle diejenigen verzweifelt, die an Jesus geglaubt haben und die ihm nachgefolgt sind. „Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ – das hat er doch selbst gerufen? Wie kann da noch Hoffnung entstehen, wenn offensichtlich nichts mehr da ist? Und doch…
Es ist Ostern: die Dinge sind nicht so, wie sie uns als offensichtlich erschienen sind – obwohl alles, was wir sehen können, dagegen spricht. Alles ist anders: nicht Tod und Gewalt haben das letzte Wort, auch die Verzweiflung nicht. Christus ist auferstanden – das ist Gottes Einspruch gegen die scheinbare Endgültigkeit dieser Welt. Das muss man erstmal verdauen. Das muss man erstmal begreifen! Wie kann das angehen? Wie kann man das erklären? Wie ist das vor sich gegangen? Und warum stellen wir so viele Fragen? Die Osterbotschaft sagt uns: Gott gibt uns nicht auf. Er hat das letzte Wort, nicht wir Menschen.
Der Glauben an die Auferstehung bedeutet ganz konkret: Nicht aufhören, mit Gottes Möglichkeit zu rechnen. Auch dort, wo nichts darauf hindeutet. Nicht akzeptieren, dass Gewalt das Normale wird. Nicht akzeptieren, dass Angst das Letzte ist. Sondern – vorsichtig, tastend, manchmal gegen den eigenen Zweifel – dem Leben mehr zutrauen als dem Tod. Die Osterbotschaft behauptet nicht, dass alles gut wird. Aber sie widerspricht entschieden der Behauptung, dass alles verloren ist.