Vom Vergessenen zum Vorzeigeobjekt
St. Antoniuskirche Schaafsdorf nach über 50 Jahren wieder nutzbar
Antonius von Padua gilt als derjenige Schutzpatron, an den man sich wendet, um etwas Verlorenes wiederzufinden. Im thüringischen Schaafsdorf, einem beschaulichen Ortsteil der Stadt Artern im Kyffhäuserkreis, scheint der Heilige ganze Arbeit geleistet zu haben. Jahrzehntelang dämmerte die St. Antonius als Ruine vor sich hin. Jetzt ist sie aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht.
Ein steiniger Weg
Lange Zeit sah es recht düster aus für das im Jahr 1865 aus Naturstein errichtete Gotteshaus. Schon seit den 1960er-Jahren stand die Kirche leer und sie verfiel zusehends, nachdem sie bereits in den 1950ern entwidmet worden war. 2023 war der Zustand von St. Antonius trostlos: Das Gebäude war statisch unsicher, das Dach ließ den Regen herein und der Innenraum war von Tauben besetzt. So hatte es Pfarrer Martin Weber vor gut zehn Jahren beschrieben. Und doch hatte es ihn immer wieder in den Fingern gekribbelt, die ruinöse Kirche wieder zu beleben. Und die Gemeinde dachte ebenso, niemand wollte das ortsbildprägende Gebäude abreißen lassen.
Ob am Ende die pragmatischen oder die sentimentalen Gründe den Ausschlag gaben: In jedem Fall entschied der Gemeindekirchenrat, Mittel für St. Antonius zur Verfügung zu stellen. Das war 2023.
Boden mit Durchlässigkeit
In einem ersten Kraftakt wurde die Kirche zunächst entrümpelt, die Tauben wurden vertrieben und das Dach abgedichtet. Ein besonderer Fokus lag zuletzt auf der Wiederherstellung des Fußbodens und der Erneuerung der Eingänge. Im Winter 2024/2025 wurde der alte Bauschutt entfernt, der historische Sand-Unterbau im Kirchenschiff durfte bleiben.
Ein neuer Estrichboden verlegt, an den Rändern baute man einen „diffusionsoffenen Randstreifen mit Einkornkies“ ein. In der Fachsprache ist damit ein Baustoff gemeint, der wasserdampfdurchlässig ist – wichtig beispielsweise bei Natursteinmauern. So kann Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk nach außen entweichen und Bauschäden durch Staunässe wird vermieden. Und der „Einkornkies“ – speziell ausgesiebter Kies- ohne Sand und Feinkornanteile, aber mit einheitlicher Korngröße – wirkt mit seiner offenen Porenstruktur wie eine Drainage.
Am östlichen Eingang wurde eine neue Treppenanlage aus rötlichen Sandsteinblockstufen gebaut. Schmiedeeiserne Handläufe und eine neue Holztür runden das Bild ab. 65.000 Euro waren dafür veranschlagt. Ein für Kirchensanierungen ein eher bescheidener Betrag, aber man möchte in Schaafsdorf kleine Schritte gehen und nachhaltig wirtschaften. 15.000 Euro hat die Stiftung KiBa bereitgestellt.
Neoromanisches Schmuckstück
Architektonisch ist St. Antonius ein Kind des Historismus und wurde im neoromanischen Stil auf quadratischem Grundriss erbaut. Die massiven Mauern aus grobem Mauerstein, die Rundbogenfriese und die halbkreisförmigen Bögen im Inneren sind typisch für diese Epoche.
Besonders markant ist der hohe nördliche Kirchturm, obwohl – oder weil – ihm der Helm fehlt. Zu sehen ist er schon aus großer Entfernung. Die Halle im Inneren der Kirche beeindruckt mit hohen Säulen, deren Kapitelle üppig mit floralen Elementen wie Akanthusblättern verziert sind. Von der ursprüngliche Ausstattung ist fast nichts mehr erhalten, trotzdem vermittelt der schlichte Innenraum eine großartige, fast kathedralenartige Ausstrahlung.
Blick über den Kirchturm
Schaafsdorf wurde bereits 1265 erstmals urkundlich erwähnt. Ursprünglich war der Ort ein Teil des Ritterguts Heygendorf, 1923 schlossen sich beide zusammen, bevor sie schließlich Teil der Landgemeinde Artern wurden.
Die nahegelegene Stadt Artern ist für zwei Dinge besonders bekannt: ihre Sole und ihre Trockenheit. Artern gilt als einer der niederschlagsärmsten Orte Deutschlands. Die Geschichte der Stadt ist eng mit der Salzgewinnung verknüpft; die von Johann Gottfried Borlach im 18. Jahrhundert technisch modernisierte Saline prägte über Jahrhunderte die Wirtschaft. Heute speist die Solequelle unter anderem das örtliche Soleschwimmbad.
Zukunftsvision „Markt-Kirche“
Die Sanierung ist mehr als nur Rettung oder Erhalt, sondern vielmehr Auftakt für eine neue Nutzung. St. Antonius soll zur „Markt-Kirche“ werden. Das Konzept sieht vor, die Kirche zu einem modernen Kommunikations- und Kulturzentrum zu machen. Denkbar sind ein „Versorgungswürfel“ im Raum-im-Raum-Prinzip, in dem regionale Produkte angeboten werden, eine Packstation oder sogar ein kleines Café. Auch über die Nutzung erneuerbarer Energien mittels Photovoltaik wird bereits nachgedacht.
Pfarrer Weber hat es schon vor Jahren auf den Punkt gebracht: „Besser ein zu 20 Prozent genutztes Gebäude als eines, das zu 100 Prozent verfällt!“. Dank der engagierten Gemeinde und auch ein wenig dank der Stiftung KiBa ist St. Antonius auf dem besten Weg, nach mehr als einem halben Jahrhundert wieder das „schlagende Herz von Schaafsdorf“ zu werden.
- „Kirche des Monats Juni 2023“ in Schaafsdorf
Von der Wiederentdeckung eines Ortes für Gebet und Gemeinschaft
- St. Antonius Schaafsdorf in der KiBa-Projektdatenbank