Von Biberschwänzen und Lärchenholz
Sanierung von Dach und Turmfassade an der Dorfkirche Drosa abgeschlossen
Die Dorfkirche Drosa ist ein wunderbares Beispiels klassizistischer Sakralarchitektur. Errichtet wurde das Gotteshaus in der Gemeinde Osternienburger Land im Landkreis Anhalt-Bitterfeld zwischen 1851 und 1853. Markant am gotisierenden Sandsteinbau sind der schlanke Westturm und die roten Backsteingewände der Spitzbogenfenster. Im vergangenen Jahr begann man mit einer umfassenden Sanierung – die Turmfassade und das Dach des Kirchenschiffs standen dabei im Fokus.
Schadensbefund und konstruktive Mängel
Vor allem die oberen Bereiche der Kirche wiesen deutliche Verschleißerscheinungen auf: Im Traufbereich des Schiffes zeigten sich Schäden an der Balkenauflage. Einige Teile des hölzernen Tragwerks waren so stark angegriffen, dass sie dringend verstärkt oder ersetzt werden mussten. Am Turm waren die Schallluken – die hölzernen Lamellenfenster der Glockenstube – massiv in Mitleidenschaft gezogen.
In der Fassade aus Natursteinmauerwerk saßen Steine locker – der ursprüngliche zementhaltige Fugenmörtel war mit der Zeit brüchig geworden. Die Ursachen dafür reichen von einem falschen Wasser-Zement-Verhältnis über Umweltbedingungen, mechanischen Spannungen bis hin zu Fehlern bei der Reinigung. Klar war: so konnte die Fassade nicht bleiben. Auch die Turmfenster und die Zifferblätter der Turmuhren waren stark verwittert und restaurierungsbedürftig.
Durchgeführte Sanierungsmaßnahmen
Im Mai 2025 begann die Montage der Arbeits- und Schutzgerüste, die aufgrund der Architektur auch die Apsis und Anbauten überbrücken mussten. Ein Lastenaufzug wurde installiert, um Baumaterial sicher in die Höhe zu befördern.
Nach dem Abbruch der alten Eindeckung wurden Unebenheiten an den Sparren ausgeglichen. Eine sogenannte Unterspannbahn schützte die Kirche vor Witterungseinflüssen: das ist eine wasserdichte Folie, die man an steilen Dachkonstruktionen anbringt. Sie leitet Feuchtigkeit sicher zur Dachrinne ab und ist gleichzeitig diffusionsoffen, so dass Feuchtigkeit aus dem Inneren entweichen kann.

Gerüststellung an der Dorfkirche Drosa

Abbruch der vorhandenen Dacheindeckung, einschl. Lattung und Blitzschutzanlage

Erneuerung der Balkenauflage im Traufbereich

Erneuerung der Balkenauflage im Traufbereich

Ersatz oder Verstärkung von geschädigten Tragwerksteilen

Vorher-Nachher: Rekonstruktuion der Schallluken

Vorher-Nachher: Erneuerung von zwei Turmfenstern inkl. Rahmen und Verglasung

Vorher-Nachher: farbliche Restaurierung der Turmuhren
Anschließend bekam das Dach eine neue Deckung mit klassischen Biberschwanzziegeln. Alle Wandanschlüsse wurden fachgerecht in Zinkblech ausgeführt. Die Schallluken wurden komplett aus besonders widerstandsfähigem Lärchenholz nachgebaut und das filigrane Maßwerk nach historischem Vorbild rekonstruiert.
Nachdem alles lose Gestein der Fassade entfernt war, konnte das Sichtmauerwerk mit denkmalgerechtem Fugenmörtel neu verfugt werden. Farbe und Struktur des Putzes wurden an den Bestand angepasst. Die Fenster- und Uhrenlaibungen wurden ebenfalls neu verputzt.
Zwei Turmfenster inklusive Rahmen und Verglasung wurden originalgetreu erneuert. Besonders aufwändig war die farbliche Restaurierung der zwei Turmuhren – dafür erstrahlen sie jetzt wieder in originalgetreuem Glanz. Die neue Blitzschutzanlage sichert die Dorfkirche ab.
Gut 230.000 Euro hat die Gemeinde in die Sanierung gesteckt, gut angelegtes Geld, denn mit dem Abschluss der Arbeiten ist die Zukunft der Kirche für die kommenden Generationen wieder gesichert. 10.000 Euro hat die Stiftung KiBa dazu beigetragen.
Kirche und Kommune arbeiten zusammen
Die Kirchengemeinde bezeichnet sich selbst als „Landgemeinde in der Diaspora“ und ist ein wichtiger Bestandteil des Orts. Seit Jahren schon werden in der Adventszeit die „Adventsfenster“ gefeiert: Jeden Tag sind Einwohner und Gäste an eine andere Adresse eingeladen – zum Singen, einer Geschichte und einer kleinen Stärkung oder einem heißen Getränk.
Im Frühling findet im Pfarrgarten das „Fliederfest“ statt, welches sich überregional großer Beliebtheit erfreut. Vereine und Kirchengemeinde arbeiten eng zusammen. Der Dachverein „Wir sind Drosa“ kümmert sich um Abstimmung und Koordination kultureller Veranstaltungen. Drosa pflegt ein lebendiges Gemeinschaftswesen mit regelmäßigen Veranstaltungen wie dem traditionellen Ringreiten zu Pfingsten und dem Kinder- und Heimatfest im Juni.
Die geschichtsträchtige Gemarkung ist überregional für ihren Reichtum an vorgeschichtlichen Bodendenkmälern bekannt, zu denen unter anderem Gräberfelder aus der Bronzezeit sowie Siedlungs- und Gräberfunde aus der Eisenzeit gehören. Ein Wahrzeichen des Ortes ist der „Teufelskeller“, ein prähistorisches Großsteingrab (Ganggrab) aus der Jungsteinzeit, das als silbernes Motiv auch das offizielle Wappen des Dorfes ziert.