St. Jürgen Starkow (Velgast) (Mecklenburg-Vorpommern)
St. Jürgen Starkow (Velgast) (Mecklenburg-Vorpommern)

Renaissance von St. Jürgen in Starkow

Umfassende Instandsetzung einer bedeutenden Backsteinbasilika

St. Jürgen in Starkow (Velgast im Kreis Vorpommern-Rügen) ist eine beeindruckende Basilika und wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts aus Backstein errichtet. Mit einer Länge von 31 Metern und einer Höhe von 12 Metern ist das turmlose Gotteshaus außergewöhnlich groß für eine Dorfkirche. Eine komplexe Gesamtsanierung steht an, sie soll das eindrucksvolle Gotteshaus für die Zukunft bewahren.

Klimatische Herausforderungen

Das Hauptproblem der Kirche ist die extreme Feuchtigkeit. Die relative Luftfeuchte liegt oft über 80 % und erreicht manchmal sogar Spitzenwerte bis zu 100% - ein Paradies für Mikroorganismen, die sich an den Wänden eingenistet haben. Im Chorraum zeigen die Gewölbe bereits Risse, die sich bis in das Mauerwerk weiter oben fortsetzen. Der Ziegelfußboden im Kirchenschiff ist durch unsachgemäße Reparaturen sehr uneben und birgt zahlreiche gefährliche Stolperstellen. Bereits im 19. Jahrhundert war die Statik von St. Jürgen schon einmal so stark gefährdet, dass Stützbögen und Anker zur Sicherung eingebaut werden mussten.

Ambitioniertes Instandsetzungskonzept

Die derzeit laufende Sanierung sieht nun eine radikale Verbesserung des Raumklimas vor. Durch das Öffnen der vier östlichen Arkadenbögen wird eine viel bessere Luftzirkulation möglich. Die Feuchtigkeit kann entweichen. Motorbetriebene, feuchtegesteuerte Lüftungsflügel in den Fenstern steuern das Raumklima automatisch.

Weitere zentrale Maßnahmen sind:

  • Statische Sicherung: Einbau eines Ringbalkens aus Stahl im Chormauerwerk sowie die Vernadelung von Rissen.
  • Fußboden: Der Fußboden wird auf das Niveau von 1730 abgesenkt (das sind ca. 15 cm unter dem heutigen Stand), wodurch die Pfeilerbasen wieder sichtbar werden. Die Verlegung neuer Ziegelplatten ermöglicht zudem einen barrierefreien Zugang über den Nordeingang.
  • Restaurierung der Raumschale: Geplant ist eine monochrome Ausmalung in einem gebrochenen Weißton. Damit kehrt man zu den historischen Wurzeln aus dem Mittelalter zurück, die polychromen Malereien werden harmonisch eingebunden.

Aktueller Stand

Die Arbeiten schreiten zügig voran. Im April 2026 liegt die Auswertungen der Anschliffuntersuchungen vor. Bei diesem restauratorischen Verfahren zur Analyse der verschiedenen Farbschichten wurden winzige Proben der Malschichten entnommen und so präpariert, dass die zeitliche Abfolge der Anstriche wie bei geologischen Schichten unter dem Mikroskop sichtbar wurden. Die heutige grünliche Sichtfassung stammt beispielsweise aus dem 19. Jahrhundert. Zahlreichere ältere Schichten liegen darunter.

In den kommenden Wochen sollen die Verglasungsarbeiten und der Einbau der neuen Zuganker abgeschlossen sein.  Anschließend können die Gerüste in den Seitenschiffen und im Chorumgang abgebaut werden. Auch die Entscheidung über die neuen Fußbodenziegel im Format 25 x 25 cm ist gefallen, die beauftragte Firma konnte mit Farbe und Qualität voll überzeugen. Die Finanzierung der Sanierung wird unter anderem durch die Stiftung KiBa unterstützt, die allein für die Jahre 2025 und 2026 Fördermittel in Höhe von insgesamt 40.000 Euro bereitgestellt hat.

Geschichte und Ausstattung

Das Innere der Kirche – der polygonale Chor wurde um 1300 mit großen spitzbogigen Fenstern ausgestattet – ist heute maßgeblich durch eine einheitliche neugotische Ausstattung aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geprägt. Zu den bedeutendsten Stücken gehören die Mehmel-Orgel von 1860 sowie der älteste Einrichtungsgegenstand: ein Taufstein aus skandinavischem Marmor mit romanischen Merkmalen.

Unter den jüngeren Farbschichten verbirgt sich zudem eine reiche Geschichte mittelalterlicher Fassungen und Wandmalereien, wie etwa eine Darstellung des Heiligen Christophorus im Chor.