St. Nicolai zu Mölln (Schleswig-Holstein)
St. Nicolai zu Mölln (Schleswig-Holstein)

Erfolg in der Eulenspiegel-Stadt

Sicherung und Instandsetzung des Dachstuhls in St. Nicolai zu Mölln

St. Nicolai ist ein Wahrzeichen der Stadt Mölln in Schleswig-Holstein und steht markant auf dem Eichberg über der mittelalterlichen Altstadt. Der Bau begann im ersten Viertel des 13. Jahrhunderts als spätromanische, dreischiffige Pfeilerbasilika aus Backstein. Im 15. Jahrhundert wurde die Kirche im gotischen Stil erweitert, darunter der Ausbau des Südschiffes und der Anbau der Taufkapelle. Der mächtige Turm in seiner heutigen Form wurde 1391 errichtet.

Wenn Holz und Stein leiden

Bereits 2017 hatte man am Südschiff der Kirche gravierende Schäden festgestellt. Besonders kritisch war der Zustand des Dachstuhls: Die Fußschwellen (die horizontal auf dem Fundament aufliegenden Balken) und die Gebindefüße (die unteren Enden der Pfosten auf den Fußschwellen, die die Vertikallast ableiten) waren durch Fäulnis so stark beschädigt, dass die statische Sicherheit gefährdet war. Die Dachkehle, an der drei Querdächer aufeinandertreffen, war defekt und die historische kupferne Traufrinne stark nach vorne geneigt.

Schadhaftes Mauerwerk und lose Mörtelfugen verunstalteten die Fassade – und was von außen nicht zu sehen war: Zwischen Außenmauerwerk und den Gewölbekappen hatten sich Risse gebildet. Eine umfangreiche Sicherungsmaßnahme wurde unumgänglich, um das Bauwerk gegen eindringende Feuchtigkeit zu schützen und somit langfristig zu erhalten.

Sanierungsmaßnahmen in Präzisionsarbeit

Die Instandsetzung des Südschiffes erfolgte unter schwierigen logistischen Bedingungen, immer wieder mussten die Außenarbeiten witterungsbedingt unterbrochen werden. Abschnitt für Abschnitt setzten die Zimmerleute die historische Dachkonstruktion instand. Zerstörte Balkenköpfe und Sparrenfüße wurden entfernt und durch neue Elemente ersetzt. Dabei kamen sowohl traditionelle Holzverbindungen als auch statisch notwendige Stahlbolzen zum Einsatz. Das Dach wurde anschließend mit Tonziegeln neu eingedeckt, eine neue Unterdeckung und Kupferkehlen sorgen für einen dauerhaften Schutz.

Die ramponierten Ziegel an der Fassade wurden ausgetauscht und die Fugen mit Kalkmörtel nach historischem Vorbild erneuert. Unter den geschickten Händen der Glasrestauratorin wurden die Bleiverglasungen der Kirchenfenster repariert und auch die historischen Fassadenleuchten wurden kunstgerecht instand gesetzt.

Gerüststellung an der Kirchensüdwand

Gerüststellung an der Kirchensüdwand

Zimmererarbeiten im Dachstuhl - während draußen Schnee liegt

Zimmererarbeiten im Dachstuhl - während draußen Schnee liegt

Fäulnisschäden an der hölzernen historischen Dachkonstruktion in schwer zugänglichen Bereichen

Fäulnisschäden an der hölzernen historischen Dachkonstruktion in schwer zugänglichen Bereichen

Reparatur des Gratsparrens und der Fußpunkte der Sparren in beengten Verhältnissen in dem Dachstuhl

Reparatur des Gratsparrens und der Fußpunkte der Sparren in beengten Verhältnissen in dem Dachstuhl

Instandgesetzte Sparrenfüße

Instandgesetzte Sparrenfüße

Wiedereineckung des Traufbereiches mit Tondachziegeln

Wiedereineckung des Traufbereiches mit Tondachziegeln

Architekt Torsten Evers kontroliert die Arbeiten und erläutert den Vertretern der Kirchengemeinde die Traufkonstruktion mit der wiedereingebauten historischen Traufrinne

Architekt Torsten Evers kontroliert die Arbeiten und erläutert den Vertretern der Kirchengemeinde die Traufkonstruktion mit der wiedereingebauten historischen Traufrinne

Sanierter Traufbereich mit historischer Traufrinne und neuen Schneefangrohren

Sanierter Traufbereich mit historischer Traufrinne und neuen Schneefangrohren

Nach Demontage des Fassadengerüstes präsentiert sich die Südwand des Kirchenschiffes in saniertem Zustand

Nach Demontage des Fassadengerüstes präsentiert sich die Südwand des Kirchenschiffes in saniertem Zustand

Sanierte Südwand des Hautkirchenschiffes

Sanierte Südwand des Hautkirchenschiffes

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Im Inneren wurden die Risse im Gewölbe geschlossen und die alten Wartungsstege im Dachraum erweitert, sodass dort in Zukunft Führungen über den Gewölben stattfinden können. Die Gesamtkosten für diesen Bauabschnitt beliefen sich auf etwa 493.500 Euro, die Stiftung KiBa hatte 20.000 Euro dafür bereitgestellt.

Wunderbare Ausstattung und Klänge

Im Inneren beherbergt St. Nicolai eine überaus reiche Ausstattung. Zu den bedeutendsten Stücken zählen das Triumphkreuz (1501) aus der Werkstatt von Bernt Notke, eine Bronzetaufe von 1509 und ein seltener siebenarmiger Leuchter von 1436.

Von nationaler Bedeutung ist die Scherer-Bünting-Orgel, die über einen der weltweit bedeutendsten Pfeifenbestände aus der Zeit der Renaissance verfügt. Jacob Scherer († 1574) gilt als der erste namhafte norddeutsche Orgelbaumeister. Das fast vollständig erhaltene Prinzipal 8′ im Hauptwerk bildet das klangliche Fundament der Orgel und verleiht ihr einen einzigartigen und unverwechselbaren Klang. Johann Gottfried Müthel, der letzte Schüler von Johann Sebastian Bach, lernte hier. 2018-2022 wurde das Instrument nach historischem Vorbild umfangreich restauriert.

Eulenspiegelstadt Mölln

Mölln liegt eingebettet in die Seenplatte des Naturparks Lauenburgische Seen an der historischen „Alten Salzstraße“. Die Stadt wurde im 12. Jahrhundert gegründet, 1202 erhielt sie das Lübische Stadtrecht. Ihre strategische Lage an der Wasserscheide zwischen Nord- und Ostsee machte sie im Mittelalter zu einem bedeutenden Handelsplatz, was durch den Bau des Stecknitzkanals (1398) – des ältesten Wasserscheidenkanals Europas – noch verstärkt wurde.

Untrennbar verbunden ist sie mit der Figur Till Eulenspiegel, der 1350 in Mölln an den Folgen der Pest starb. Der „Eulenspiegel-Stein“ an der Westseite des Kirchturms erinnert an ihn. Oft wird er fälschlicherweise als sein Grabstein bezeichnet, vielmehr handelt es sich aber um eine Gedenkplatte aus Gotländer Kalkstein. Till Eulenspiegel zog im 14. Jahrhundert durch die Lande, stellte sich dumm, war aber tatsächlich gerissen und spielte seinen Mitmenschen immer neue Streiche – manchmal dadurch, dass er eine bildliche Redewendung wörtlich nahm, manchmal aber auch aus purer Boshaftigkeit. Das Buch eines unbekannten Verfassers unter dem Titel “Ein kurtzweilig lesen von Dil Ulenspiegel, geboren vß dem land zu Brunßwick, wie er sein leben volbracht hat“ wurde im 16. Jahrhundert zum Bestseller.