Lutherstatue vor der Frauenkirche Dresden
Lutherstatue vor der Frauenkirche Dresden Sharon Ang auf Pixabay

Getragen von Gottes Liebe

Am 31. Oktober ist Reformationstag

Martin Luthers Schrift Von der Freiheit eines Christenmenschen gehört zu den bedeutendsten Texten der Reformationszeit. Sie erschien 1520 und formuliert einen Gedanken, der das Verhältnis von Glauben und Freiheit grundlegend verändert: Nicht durch gute Werke verdienen wir Gottes Gnade. Vielmehr sind wir durch den Glauben bereits von Gott angenommen – und gerade deshalb frei, Gutes zu tun.

„So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben“ (Römer 3,28). Dieser Satz aus dem Römerbrief bringt Luthers reformatorische Erkenntnis auf den Punkt. Die Maßstäbe, die Gott an uns anlegt, sind allerdings hoch: Den Nächsten zu lieben, das mag noch angehen – aber auch den Feind? Wer sich an Gottes Geboten misst, stößt schnell an die eigenen Grenzen. Und wenn über allem die Aussicht auf das Jüngste Gericht steht, kann aus dem Glauben leicht Angst werden: die Furcht, vor Gott nicht bestehen zu können.

Luther setzt dieser Angst eine befreiende Gewissheit entgegen: Gottes Liebe muss man sich nicht verdienen. Sie ist ein Geschenk. Im Glauben erfahren wir, dass Gott uns annimmt, obwohl wir unvollkommen bleiben. Diese Gnade gibt Halt und eröffnet uns eine ungeahnte Freiheit. Wir müssen nicht ständig um unsere Anerkennung vor Gott bangen. Stattdessen können wir uns anderen Menschen zuwenden – nicht, um uns damit den Himmel zu verdienen, sondern weil wir selbst aus Gottes Liebe leben.

Diese neue Freiheit ist aber kein Freibrief für unser Verhalten, sondern eine Ermutigung: Wir dürfen uns unseren Aufgaben stellen, Verantwortung übernehmen und auch dann weitergehen, wenn wir an unseren Grenzen scheitern. Unser Glaube befreit uns zwar nicht von jeglicher Angst, aber er kann uns helfen, uns nicht von der Angst beherrschen zu lassen.

„Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ – dieser Satz aus dem Markusevangelium (Markus 9,24) klingt erstaunlich gegenwärtig. In einer Zeit, die von Krisen, Unsicherheit und großen Herausforderungen geprägt ist, kennen viele Menschen Zweifel und Ängste nur zu gut. Luthers Botschaft erinnert daran, dass Glaube nicht bedeutet, immer sicher und stark zu sein. Vielmehr lebt der Glaube auch von der Hoffnung, trotz aller Zweifel getragen zu sein.

Mehr als 500 Jahre nach der Reformation ist Luthers Verständnis von Freiheit noch immer aktuell. Zahlreiche Kirchen tragen heute seinen Namen und erinnern an die Reformation. Einige von ihnen konnte die Stiftung KiBa in den vergangenen Jahren mit Fördermitteln bei der Sanierung unterstützen. So bleiben Kirchen als Orte des Glaubens, der Hoffnung und der Gemeinschaft erhalten – und damit auch als unverzichtbare Räume, in denen die befreiende Botschaft des Evangeliums weiter verkündet wird.