Neue Turmbekrönung auf der Dorfkirche Grambow (Mecklenburg-Vorpommern)
Neue Turmbekrönung auf der Dorfkirche Grambow (Mecklenburg-Vorpommern)

Neues Leben für ein altes Wahrzeichen

Rettung der Dorfkirche Grambow

Im östlichsten Zipfel Mecklenburg-Vorpommerns, direkt an der Grenze zu Polen, liegt die Gemeinde Grambow. Rund 850 Einwohner hat der beschauliche Ort. Herzstück ist die markante Feldsteinquaderkirche aus dem späten 13. Jahrhundert. Die hatte über die Jahrzehnte stark gelitten. Ein Sanierung war dringend notwendig.

Ein langer Weg

Die Geschichte der Sanierung beginnt schon viel früher: Anfang 2007 zog der Jahrhundert-Orkan „Kyrill“ mit Windgeschwindigkeiten bis über 225 km/h über Mitteleuropa hinweg und richtete schwere Verwüstungen an. Allein in Deutschland wurden die Schäden auf gut 5,5 Milliarden Euro beziffert. Auch die Dorfkirche Grambow war stark beschädigt. Aber wie sollte eine kleine Kirchengemeinde die gewaltigen Kosten stemmen? Im Sommer 2022 ergab sich eine erste Möglichkeit, mehrere Finanzpartner zu gewinnen – darunter auch die Stiftung KiBa, die am Ende 10.000 Euro für die Dachneueindeckung und Überarbeitung der Blitzschutzanlage bereitgestellt hat. Doch bis die Arbeiten endlich beginnen konnten, gingen noch mehr als zwei Jahre ins Land.

Im Februar 2025 war es endlich so weit. Das Kirchenschiff und der Turm wurden bis zur Bekrönung eingerüstet. Damit das wertvolle Inventar im Inneren nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde, errichtete man um die Orgel und den Kanzelaltar eine „Einhausung“.

Arbeiten an Turm und Dach

Verschiedene Gewerke haben bei der Sanierung Hand in Hand gearbeitet. Besonders aufwendig gestaltete sich die Arbeit am Turm und dem Dachstuhl. Die Fachwerkelemente am Turm wurden vollständig überarbeitet. Dabei wurden die einzelnen Gefache – also die Zwischenräume im Holzskelett des Baus – entnommen, so dass morsche Balken ersetzt werden konnten. Anschließend wurden die Flächen nach historischem Vorbild neu verputzt und farblich gefasst.

Im oktogonalen Turmaufsatz haben die Zimmerleute die sogenannten Stiele (das sind die senkrechten Tragbalken der Konstruktion) gesichert und verstärkt, denn die Verbindungen hatten sich teilweise gelöst. Zum Schluss wurde das Kirchenschiff mit einer Biberschwanz-Kronendeckung neu eingedeckt. Bei dieser traditionellen Deckart liegen immer zwei Lagen der abgerundeten Ziegel übereinander auf einer Latte. Das ergibt eine besonders dichte und langlebige Oberfläche.

An den Außenwände aus Feldsteinen wurde loser Mörtel abgetragen und das Ganze neu verfugt. Im November 2025 waren die meisten Arbeiten abgeschlossen. Komplett erneuert wurde zuletzt noch die Blitzschutzanlage, für Grambow ein besonderes Anliegen, denn 1912 hatte ein Blitzschlag die Kirche in Brand gesetzt und weitgehend zerstört. Erst 1927 wurde sie wiederaufgebaut.

Dorfkirche Grambow

Dorfkirche Grambow

Dorfkirche Grambow

Dorfkirche Grambow

Dorfkirche Grambow

Dorfkirche Grambow

Dorfkirche Grambow

Dorfkirche Grambow

Dorfkirche Grambow

Dorfkirche Grambow

Dorfkirche Grambow

Dorfkirche Grambow

Dorfkirche Grambow

Dorfkirche Grambow

Dorfkirche Grambow

Dorfkirche Grambow

Dorfkirche Grambow

Dorfkirche Grambow

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Zwischen Mittelalter und Expressionismus

Ursprünglich wurde die schmucke Feldsteinkirche im 13. Jahrhundert errichtet. Durch den Wiederaufbau Anfang des 20. Jahrhunderts bekam das schlichte historisierende Interieur expressionistische Anklänge – das verleiht der Dorfkirche heute eine Ausstrahlung und Anziehungskraft über die Region hinaus. In den 1950er Jahren wurde zudem eine sogenannte Winterkirche unter dem Turm eingebaut.

Ein Ort mit Grenzerfahrung

Die Gemeinde Grambow selbst ist tief in der vorpommerschen Landschaft verwurzelt. Die Region liegt in einem hügeligen Grundmoränengebiet, das geologisch die Wasserscheide zwischen Nordsee und Ostsee bildet.

Durch die Nähe zur Grenze (der Bahnhof Grambow ist der letzte Halt vor der polnischen Grenze) und die Ansiedlung vieler polnischer Staatsbürger hat sich Grambow zu einem Ort der europäischen Begegnung entwickelt.