Wenn der Echte Hausschwamm wütet
Sanierung der Dorfkirche Boock
Um die 20 Kilometer westlich der polnischen Metropole Stettin liegt das beschauliche Grenzdorf Boock. Wer durch den Ort fährt, kann die spätgotische Feldsteinkirche kaum verfehlen. Der charakteristische Findlingsbau – typisch für die Region – prägt seit seiner Erbauung um 1500 das Gesicht der Gemeinde, die bereits 1299 erstmals urkundlich erwähnt wurde.
Im Jahr 1790 wurde der Sakralbau erweitert und mit einem markanten Westturm versehen. Aus dieser Zeit stammen auch die Orgel und der gut erhaltene Kanzelaltar. Bis vor Kurzem stand die schmucke Dorfkirche im Fokus einer umfassenden Sanierung, um die Bausubstanz für kommende Generationen zu sichern.
„Ungebetener Untermieter“
Vor Beginn der Arbeiten zeichneten Gutachten ein eher düsteres Bild des aktuellen Bauzustands. Als erste Maßnahme wurde eine sogenannte Schuttberäumung im Dachraum durchgeführt, um das volle Ausmaß der Schäden überhaupt beurteilen zu können. Bald wurde überdeutlich sichtbar, wie stark sich der „Echte Hausschwamm“ – der gefährlichste holzzerstörende Pilz – vor allem in den feuchten Traufbereichen (den Übergangszonen zwischen Dach und Mauerwerk) als „Untermieter“ breit gemacht hatte.
Die Diagnose war alarmierend: Desolate Deckenbalkenköpfe – das sind die tragenden Enden der Deckenbalken – und morsche Holzverbindungen gefährdeten bereits die Stabilität des Dachstuhls. An der Fassade zeigten sich außerdem die Folgen früherer Eingriffe, bei denen nicht fachgerecht gearbeitet worden war: Der gesamte Turmschaft war mit einem harten Zementputz verkleidet. Das hatte Feuchtigkeit im Mauerwerk einschloss und zu massiven Putzabplatzungen und hohl liegenden Putzflächen geführt. Tiefe Risse hatten sich im Turm gebildet und der Firstbereich des Kirchenschiffs war undicht. Auch die veraltete Elektrotechnik entsprach längst nicht mehr den Anforderungen heutiger Sicherheitsstandards.

Eingerüstete Dorfkiche Boock (Mecklenburg-Vorpommern)

Das Kirchendach wird angedeckt

Erneuerung der Dachkonstruktion

Erneuerung der Dachkonstruktion

Teamarbeit: das Dach der Dorfkirche wird neu eingedeckt

Fertiggestellte Dacheindeckung

Blick zum Altar

Blick zur Orgelempore
„Operation Kirchendach“
Im Juli 2024 begann die Instandsetzung unter der Regie spezialisierter Fachbetriebe. Nach der Einrüstung wurden die wertvolle Orgel und der Kanzelaltar „eingehaust“ und mit einer schützenden Umhüllung aus Holz und Folie vor Staub und Erschütterungen gesichert.
Im Kircheninneren wurden zunächst die Deckenverkleidung und der innere Profilgesimsbalken vorsichtig zurückgebaut. Geschädigte Hölzer wurden ersetzt und anschließend originalgetreu wieder montiert. Im Dachstuhl wurden die morschen Traufschwellen (die auf dem Mauerwerk aufliegende Längsbalken) und Sparrenfußpunkte (die Verbindung von schrägem Dachbalken und Gebälk) ausgetauscht.
Beim Turm wurde es ein wenig schwieriger, denn die sogenannte Kupfer-Stehfalzdeckung – dabei handelt es sich um eine langlebige Metalldeckung mit gefalzten Verbindungsstegen – musste teilweise abgebaut werden, um an die darunterliegenden Schwellen überhaupt heranzukommen.
Der schädliche Zementputz an der Fassade wurde entfernt und durch einen diffusionsoffenen Kalkputz ersetzt. Das ist ein historisch adäquater, atmungsaktiver Mörtel, der wunderbar zur Oberflächenstruktur des Altputzes passt.
Die alten Betondachsteine des Kirchenschiffs wurden durch eine traditionelle Biberschwanz-Doppeldeckung ersetzt, gleichzeitig wurde das Traufgesims instandgesetzt sowie die die Elektro- sowie Blitzschutzanlage modernisiert.
Rund 460.000 Euro hat die Sanierung am Ende gekostet, einen großen Anteil hat das Land Mecklenburg-Vorpommern übernommen. 10.000 Euro hat die Stiftung KiBa zur Verfügung gestellt.
„Treffpunkt mit Zukunft“
Die Sanierung war für die Boocker ein Herzensprojekt, denn die Kirche ist der Ankerpunkt der lebendigen „Boocker Dörpschaft“. Boock besticht durch seine markante Lindenallee und die gepflegten Vorgärten. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche bildet die Heimatstube „Üns Heimatstuf“, die 1999 auf dem Gelände der alten Schule eingerichtet wurde, zusammen mit der Kirche ein historisches Ensemble. Kulturelle Impulse setzen zudem die Holländermühle aus dem 17. Jahrhundert und der Küsselhof, auf dem der Musikproduzent Tobias Siebert ein Studio und einen Ort für Begegnungen geschaffen hat.