Sanierter Innenraum der Zionskirche in Berlin-Mitte
Sanierter Innenraum der Zionskirche in Berlin-Mitte

Wo einst Dietrich Bonhoeffer wirkte

Innenraumsanierung der Berliner Zionskirche fertiggestellt

Feuchtigkeit, Salzausblühungen und Bausünden vergangener Jahrzehnte hatten das Erscheinungsbild der Zionskirche in Berlin-Mitte schwer beeinträchtigt. Jetzt ist ein wichtiges bei der Bewahrung eines einzigartigen Baudenkmals erreicht – die Restaurierung sämtlicher Innenwandflächen oberhalb der Emporen wurde erfolgreich abgeschlossen. Gewölbe und Pfeiler erstrahlen wieder in neu in historisch getreuem Glanz.

Ausgangslage: Folgeschäden und ungeeignete Altlasten

Vor Beginn der Arbeiten befand sich der obere Innenraum der Zionskirche in einem besorgniserregendes Zustand. Ein alter Wasserschaden war eine der Hauptursachen für die schwerwiegenden Substanzschäden. Überall waren weißliche, kristalline Ablagerungen zu sehen – umgangssprachlich als „Salpeter“ bezeichnet –, die entstehen, wenn im Wasser gelöste Salze an die Oberfläche transportiert werden und beim Verdunsten des Wassers zurückbleiben. Hohle Stellen hatten sich gebildet, der Wandputz war großflächig nicht mehr tragfähig.

Bis zu 5cm breit waren die Risse im Putz, einige Löcher sogar noch tiefer. Zahlreiche Fremdkörper wie Dübel und Schrauben steckten im Mauerwerk, was zu weiteren Bruchstellen geführt hatte. Ein früherer Anstrich mit fehlender Diffusionsfähigkeit hatte erhebliche Schäden an den darunterliegenden Malschichten verursacht. Freiliegende Stahlträger waren korrodiert.

Behutsame Sanierung Schritt für Schritt

Die Hauptphase der Sanierung erstreckte sich von März 2024 bis Juli 2025. Zunächst wurden sämtliche schadhaften Putze vollständig und ziegelschonend abgetragen. Dübel und Schrauben wurden rückstandslos entfernt und das freigelegte Ziegelmauerwerk als fester Untergrund gründlich gereinigt. Zudem führte man eine schonende Trockenreinigung aller Flächen, Gewölbe und Rippen mit Besen und Bürsten durch.

Die Putzrisse wurden bis auf den Grund geöffnet und fachgerecht verfüllt. Um abgelöste Putzschichten wieder fest mit dem Mauerwerk zu verbinden, setzten die Restauratoren gezielte Mörtelinjektionen in die Hohlräume ein und besserten sämtliche Fehlstellen an Kanten, Ecken und Löchern aus.

Die beschädigten Gewölberippenprofile wurden nach dem historischen Bestand zweilagig neu aufgebaut. Mithilfe von Schablonen wurde die Profilierung der Bündelpfeiler präzise aufgearbeitet. Fehlende Halsringe und Gebälkabschnitte wurden direkt am Bestand abgeformt, in Gips gegossen und anschließend montiert. Freiliegende Träger erhielten zunächst einen Rostschutzanstrich – nach einer einmonatigen Stand- und Trocknungsphase konnten sie wieder verputzt werden. Der schädliche Altanstrich und die alten Wasserflecken wurden vollständig entfernt. Den Abschluss bildete eine zweifache Kalklasur in warmweißem Ton.

761.000 Euro hat die Sanierung am Ende gekostet, 53.000 Euro (inkl. 33.000 Euro Projektspende) hat die Stiftung KiBa in den Jahren 2024-2025 dazu beigesteuert. Gut investiertes Geld, denn mit dem erfolgreichen Abschluss der Innenraumsanierung ist ein wichtiger Schritt getan, um die Zionskirche als architektonisches Juwel der Berliner Neoromanik und als einen lebendigen Ort der Erinnerung, des Glaubens und der Freiheit für zukünftige Generationen zu erhalten.

Architektur und Geschichte der Zionskirche

Die Zionskirche ist ein prägendes Wahrzeichen des Bundeshauptstadt und wurde zwischen 1866 und 1873 nach Plänen von August Orth auf dem Weinberg – einer 52 Meter hohen Erhebung im Ortsteil Mitte – im neoromanischen Stil als Backstein-Terrakotta-Bau errichtet. Eine Besonderheit ist ihre Nord-Süd-Ausrichtung: Um den 67 Meter hohen Turm exakt als städtebaulichen Blickfang im Schnittpunkt dreier Straßen zu platzieren, wurde auf die gewohnte Ostung verzichtet.

Der Bau geht auf eine Votivstiftung Kaiser Wilhelms I. zurück, der 1861 aus Dankbarkeit über das Überleben eines Attentats 10.000 Reichstaler für den Kirchenbau zur Verfügung stellte. Die feierliche Einweihung fand am 2. März 1873 im Beisein des Kaisers statt.

Im Zweiten Weltkrieg wurden1943 Dach, Altar, Chorfenster und die historische Sauer-Orgel bei alliierten Luftangriffen schwer beschädigt. In den kalten Nachkriegswintern wurden die Kirchenbänke als Brennholz entwendet, weshalb die Gemeinde 1946 die unteren Fenster vermauern ließ. Bis 1953 war die Kirche notdürftig wieder hergestellt und in den 1960er Jahren im kargen Stil der damaligen Zeit renoviert und teilweise umgebaut.

Ein Ort des Widerstands und der Freiheit

Ab 1931 wirkte der Theologe Dietrich Bonhoeffer als Stadtsynodalvikar an der Zionskirche und Jugendreferent in der Vorgängerorganisation des Ökumenischen Rats der Kirchen. Sein Engagement zeichnete seinen Weg vor in die Bekennende Kirche und den Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Am 9. April wurde Bonhoeffer im KZ Flossenbürg ermordet. Heute erinnert ein Bronzedenkmal auf der Westseite an ihn.

In den 1980er Jahren wurde die Zionskirche zu einem Zentrum der DDR-Bürgerrechtsbewegung. Pfarrer Hans Simon stellte dem Friedens- und Umweltkreis Räume im Keller zur Verfügung, in denen die verbotenen Samisdat-Publikationen der Umwelt-Bibliothek gedruckt wurden. „Samisdat“ ist russisch und bezeichnete im Ostblock die Verbreitung von alternativer, nicht systemkonformer und in der Regel verbotener Literatur.