Sanierung seit 2004 in Märkisch Wilmersdorf
Letzter Bauanschnitt: Innenraumsanierung der Dorfkirche
Manchmal braucht es einen besonders langem Atem, um eine Dorfkirche für die Zukunft zu erhalten. Im brandenburgischen Märkisch Wilmersdorf können sie ein Lied davon singen: 2004 begann die Maßnahme mit der Sicherung der Standfestigkeit des Turms, 2012 Schwammbeseitigung, 2015 die Fassade, 2918 der Gruftanbau und jetzt endlich der Innenraum.
Dank der engagierten Arbeit von Planern, Handwerkern und Restauratoren, der Unterstützung der Kirchengemeinde – und nicht zuletzt der Stiftung KiBa, die die Gemeinde über Jahre fördernd begleitet hat – konnte die Sanierung des barocken Innenraums erfolgreich abgeschlossen werden. Damit geht ein jahrzehntelanges Projekt zu Ende und es stehen keine weiteren Bauabschnitte mehr auf der Agenda!
Vom Mittelalter zum Barock
Die Geschichte der Dorfkirche Märkisch Wilmersdorf ist eng mit dem märkischen Adel verknüpft. Das heutige Kirchengebäude wurde Anfang des 18. Jahrhunderts errichtet und steht auf den Fundamenten eines mittelalterlichen Vorgängerbaus aus dem Ende des 13. Jahrhunderts.
Die Initiative für den Neubau geht auf Henning Bernd von Schwerin zurück, der 1684 das Dorf und damit das Kirchenpatronat erworben hatte. 1746 ließ Friedrich Bogislav von Schwerin das Gotteshaus nach Osten hin um einen quadratischen Gruftanbau erweitern. Dieser Anbau wurde mit gedoppelten Eckpilastern, Rundfenstern und einer massiven Kreuzgewölbedecke prachtvoll gestaltet. Er diente der Familie von Schwerin als Begräbnisstätte.
Über den Gruftanbau steht der hölzerne leicht zurückgesetzter Kirchturm mit quadratischem Grundriss und achteckigem Spitzhelm. 1856 wurde der Turm restauriert, 1958 musste die Spitze aus statischen Gründen verkürzt werden.
Schlichte Schönheit und kostbare Schätze im Inneren
Tritt man durch das hölzerne Portal der Südseite, empfängt einen eine schlichte, aber stimmige barocke Ausstattung, die im Wesentlichen aus der Bauzeit der Kirche stammt. Zu den wertvollsten Stücken im Kircheninneren gehören der Kanzelaltar mit seinen zwei seitlichen Durchgängen – eine sowohl theologisch als auch praktische Besonderheit, die die Feier des Abendmahls quasi im Umgang um den Altar möglich macht. Links wurde das Brot gereicht, rechts der Kelch mit dem Wein.
Der Taufstein ist auf 1660 datiert und besitzt einen profilierten Fuß mit geschweiftem Unterteil. In der Kuppel ruht eine Messingtaufschale mit einer historischen Gravur, die an die einstige Ortsbezeichnung „Wendisch Wilmersdorf“ erinnert.
Zwei Glocken bilden das Geläut der Dorfkirche: die ältere wurde bereits 1569 gegossen, die jüngere kam 1958 als Ersatz für eine im Ersten Weltkrieg verlorene Glocke in den Turm. Die Schuke-Orgel wurde 1963 erbaut.

Der Innenraum vor der Sanierung

Neuer Farbanstrich im Innenraum mit Blickrichtung Empore/Orgel mit neuen Leuchtmitteln.

Reinigen der Kalkputzdecke. Abnahme der alten Farbbeschichtung.

Aufbringen von mehrlagigen Ausgleichsputz auf den Mauerwerkswänden

Neuer Farbanstrich an der Decke und den Außenwänden im Kirchenschiff.

Dorfkirche Märkisch Wilmersdorf von außen

Die Dorfkirche gehört zum 5-Dorfkirchen-Rundweg
Verfall und „schwere“ Lasten: Die Mängelliste vor der Sanierung
Trotz einer ganzen Reihe von Erhaltungsarbeiten – wie der Dachstuhlsanierung 2012 oder der Fassadenrenovierung 2015 – wies der Innenraum der Kirche gravierende Schäden auf. Nach einem Wassereinbruch im Jahr 1997, der damals nur notdürftig behoben werden konnte, war ein erheblicher Sanierungsstau aufgelaufen.
Die verputzten Innenwände wiesen vor allem im Sockelbereich der Nord- und Südwand starke Fehlstellen und Risse auf. Der Putz war teilweise instabil. Die verputzte Flachdecke, die auf einer traditionellen Schilfrohr-Armierung ruht, wies durch frühere Sanierungsarbeiten großflächige Fehlstellen auf. Das profilierte Deckengesims war an mehreren Stellen gerissen, und an der Ost- und Westwand fehlten sogar ganze Teile des Gesimses.
Die historische Farbfassung war extrem verschmutzt, hatte ihr Bindemittel verloren und blätterte großflächig ab. Durch eindringende Feuchtigkeit waren die Holzrahmen der Fenster und Türen beschädigt; auch hier blätterte die Farbe ab. 1974 hatte man im Zuge einer Renovierung die Wände in einem kräftigen Ocker und die Decke in einem dunklen Rotbraun gestrichen. Diese dunkle Farbgestaltung drückte den Raum optisch nieder und raubte ihm seinen ursprünglichen, lichten barocken Charakter.
Die Rettung: Mit Schilfrohr, Kalkfarbe und präzisem Handwerk
Unter detaillierter Abstimmung mit den Denkmalbehörden wurde ein umfassender Maßnahmenkatalog umgesetzt, der das barocke Raumgefühl wieder herstellt und die Bausubstanz dauerhaft sichert.
Lockere und zementhaltige Putzbereiche im Kirchenschiff und in der Gruft wurden vorsichtig entfernt, die Fehlstellen im Ziegelmauerwerk ergänzt und die Sockelzonen mit einem diffusionsoffenen, historisch angepassten Kalkmörtel neu verputzt. An der beschädigten Decke installierten die Handwerker neue Putzträger aus Schilfrohr, schlossen die Risse und rekonstruierten detailgetreu die fehlenden Teile des Deckengesimses.
Um der Kirche ihre barocke Seele zurückzugeben, bekamen Wände und Decke – basierend auf restauratorischen Befunden – einen neuen, atmungsaktiven Anstrich mit Kalk- oder Leimfarbe in warmhellen Weiß. Das Gesims wurde dezent in hellen Ocker abgesetzt. Mit den freundliche und lichten Farbton wirkt der Kirchenraum nun wieder weit, feierlich und einladend.
Die historischen Holzfenster wurden sorgfältig überarbeitet, schadhafte Glasscheiben ausgetauscht und alle Fenster sowie Türen neu lackiert. Dezent eingesetzt Schwitzwasserrinnen verhindern künftig Feuchtigkeitsschäden. Beschädigte Holzdielen im Kirchsaal unter dem Gestühl und auf der Empore wurden ausgetauscht. Der Kanzelaltar, die Empore und die historische Bestuhlung wurden gereinigt und durch partielle, farbliche Retuschen in ihrer bestehenden, charakteristischen Farbigkeit erhalten und geschützt. Auch die gesamte Elektrik wurde erneuert.
Die gesamte Baumaßnahme wurde von einem Restaurator wissenschaftlich begleitet. Er dokumentierte die historischen Befunde Farbschichten. Ein eigens angelegtes Sichtfenster im Innenraum macht diese historischen Schichten nun für Besucher dauerhaft erlebbar.