Schiefer statt Bitumen
St. Ursula in Uhlstädt-Kirchhasel trotzt wieder Wind und Wetter
Nach intensiven Sanierungsarbeiten an Dach und Mauerwerk ist die Instandsetzung der St. Ursula Kirche im Uhlstädt-Kirchhasel im Kreis Saalfeld-Rudolstadt (Thüringen) erfolgreich abgeschlossen. Mit Unterstützung der Stiftung KiBa konnte das architektonisch außergewöhnliche Gotteshaus für kommende Generationen bewahrt werden.
Massive Feuchtigkeitsschäden
Vor Beginn der Maßnahmen befand sich die historische Bausubstanz der Kirche in einem kritischen Zustand. Besonders das Kirchenschiff hatte unter der mangelhaften Eindeckung aus Bitumenschindeln gelitten, die noch aus DDR-Zeiten stammte. Witterungseinflüssen wie Sturm und Frost hatten den Schindeln massiv zugesetzt, an zahlreichen Stellen waren sie undicht geworden. So konnte Wasser nahezu ungehindert in das Innere eindringen – an den Emporen waren bereits großflächige Wasserflecken zu sehen und der Putz war abgeplatzt.
Auch der markante Kirchturm wies erhebliche Mängel auf: die obere Konstruktion der Turmhaube war zwar noch gut erhalten, aber die hölzernen Gesimse und die Schieferdeckung im Traufbereich waren teilweise regelrecht verfault. An den Ziergiebeln waren die starke Fäulnisschäden besonders gut zu sehen. Im Inneren des Turmes und in der Seitenkapelle hatte sich die Nässe über dem dichten Betonfußboden gestaut. Das führte zu Feuchtigkeitsschäden, Moosbefall und Salzkonzentrationen im Natursteinmauerwerk.
Die Rettung: Durchgeführte Sanierungsmaßnahmen
Um die Kirche als Ort der Begegnung und des Glaubens zu erhalten, wurde ein umfassendes Sanierungskonzept umgesetzt. Im Zentrum standen dabei:
- Dacherneuerung: Die verschlissenen Bitumenschindeln wurden durch eine hochwertige Schiefer-Schuppendeckung (Schablonendeckung) ersetzt. Dabei wurden auch die Dachschalung erneuert und neue Dachrinnen sowie Fallrohre aus Titanzink installiert.
- Mauerwerks- und Steinsanierung: Die Natursteingiebel wurden instand gesetzt und das Mauerwerk im Bereich des Turmes sowie des Kirchenschiffes neu verfugt.
- Sicherung der Substanz: Besondere Aufmerksamkeit galt der Trockenlegung des Mauerwerks, um die durch Erdfeuchte verursachten Schäden dauerhaft zu stoppen.
- Technische Modernisierung: Im Zuge der Arbeiten wurde auch die Blitzschutzanlage auf den neuesten Stand gebracht.
Die Gesamtkosten der Maßnahme beliefen sich auf rund 197.000 Euro, wobei die Stiftung KiBa die Sanierung mit 10.000 Euro gefördert hat.
Architektur, Geschichte und Ausstattung
St. Ursula ist eine ungewöhnliche Kirche. Ihre größte Besonderheit ist der etwa 14 Meter hohe Rundturm an der Nordseite des Langhauses. Anfang des 14. Jahrhunderts wurde er ursprünglich als Wehr- und Wartturm einer mittelalterlichen Burg errichtet. Erst im 15. Jahrhundert widmete man den Turm zur kirchlichen Nutzung um. Sein achteckiger Aufsatz mit den spitzbogigen Schallöffnungen wurde um 1500 ergänzt, die schlanke Turmspitze stammt aus dem 18. Jahrhundert.
Das mittelalterliche Langhaus errichtete man 1669 unter Beibehaltung gotischer Details neu. Ein besonderes Zeugnis der Steinmetzkunst ist das sogenannte „Kirchhaseler Hammermännchen“ – ein Steinmetzzeichen neben dem Portal, das den heiligen Franziskus darstellt.
Im Inneren beherbergt St. Ursula eine wertvolle Ausstattung. Der spätgotische Schnitzaltar (um 1500, Saalfelder Schule) zeigt im Mittelschrein die Strahlenkranzmadonna und auf den Flügelaußenseiten das Martyrium der heiligen Ursula mit der Legende der 11.000 Jungfrauen im 4. Jahrhundert.
Der Kanzelkorb aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ist mit Gemälden der Evangelisten und Christi geschmückt. In der Orgel sind Gehäuse- und Pfeifenteile einer Vockeroth-Orgel von 1722 mit der ehemaligen Garnisonorgel aus Rudolstadt verbaut. Bereits Johann Sebastian Bach schätzte die Werke des in Kirchhasel ansässigen Orgelbauers Johann Peter Weise.
Kirchhasel in Uhlstädt-Kirchhasel
Kirchhasel liegt idyllisch am linken Ufer der Saale, östlich von Rudolstadt. Der Ort wurde bereits im Jahr 775 erstmals urkundlich erwähnt. Lange Zeit gehörte er zur Oberherrschaft des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt. Mit dem Bau der Saalbahn erlebte das Dorf im 19. Jahrhundert einen wirtschaftlichen Aufschwung. Seit 2002 gehört Kirchhasel zur Einheitsgemeinde Uhlstädt-Kirchhasel.