Warum wir Kirchen bewahren
Das Fundament unserer Gemeinschaft
Deutschland ohne seine Kirchen? Das ist kaum vorstellbar. Ob als mächtiger Dom im Zentrum einer Metropole oder als kleine, schlichte Dorfkirche im ländlichen Raum – kirchliche Baudenkmäler prägen seit Jahrhunderten das Gesicht unserer Landschaften, Städte und Dörfer. Sie ragen wie verlässliche Wächter aus dem Alltag heraus. Doch viele dieser historischen Bauwerke sind akut gefährdet: Der Zahn der Zeit nagt an Dächern und Gemäuern, während kleinere Gemeinden die immense finanzielle Last der Instandhaltung oft nicht mehr allein tragen können.
An dieser Stelle baut die Stiftung KiBa eine tragfähige Brücke. Gegründet von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) widmet sich die KiBa seit 1999 einer klaren Mission: „Wir erhalten Kirchen.“
Doch warum ist dieses Engagement für uns alle so entscheidend? Und wie genau gelingt der Stiftung diese Herkulesaufgabe?
Warum Kirchen für unsere Gesellschaft so wichtig sind
Kirchen sind weit mehr als nur steinerne Hüllen für den sonntäglichen Gottesdienst. Sie erfüllen grundlegende soziale, kulturelle und historische Funktionen, die für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft unersetzlich sind:
- Räume der Stille und Zuflucht: In einer immer hektischeren und reizüberfluteten Welt bieten Kirchen das kostbare Gut der Stille. Sie sind Orte der Einkehr, an denen Menschen – unabhängig von ihrer Konfession – Schutz, Trost und Zuversicht suchen können. Feste Mauern haben über Jahrhunderte hinweg Freude und Trauer, Ängste und Hoffnung der Menschen aufgenommen.
- Identität und Heimat: Kirchen stiften Identität. Sie sind vertraute Wegmarken. Wenn eine Kirche aus dem Ortsbild verschwindet, verliert der Ort sein Herz und ein unschätzbares Merkmal der eigenen Heimat geht unwiederbringlich verloren. Insbesondere in ländlichen Regionen sind sie oft der letzte verbleibende Raum für Gemeinschaft.
- Kulturelles Erbe und lebendige Nutzung: Kirchen sind steinerne Zeitzeugen und Horte bedeutender Kunst- und Kulturschätze. Gleichzeitig sind sie im besten Sinne des Wortes multifunktional: Sie dienen als Konzerthallen, Ausstellungsorte oder Theaterräume und ziehen als architektonische Meisterwerke Touristen aus aller Welt an.
- Orte des gelebten Glaubens: Neben aller gesellschaftlichen und kulturellen Öffnung geht es natürlich schlussendlich um die ureigenste Funktion von Kirchen: Sie sind geweihte Räume des Glaubens, unserer christlichen Religion und der darin gelebten Spiritualität. Hier finden die Gottesdienste statt, hier wird gemeinsam gebetet, Segen empfangen und Gott gelobt. Manchmal ganz praktisch: ihre Architektur – die oft hoch aufragenden Gewölbe, das Spiel des Lichts durch farbige Fenster und die sakrale Atmosphäre – lenkt unseren Blick weg vom rein Alltäglichen, hin zum Höheren und Unfassbaren. Kirchen geben dem Glauben ein sichtbares Fundament in der Welt, um mit dem Göttlichen und den großen Fragen des Lebens in Berührung zu kommen.
Was die Stiftung KiBa tut: Retten vor dem Verfall
Viele Kirchengemeinden stehen beim Erhalt ihrer Gotteshäuser vor gewaltigen Herausforderungen. Wenn das Dach undicht wird, Feuchtigkeit ins Gewölbe zieht oder der Glockenstuhl marode wird, übersteigt die Sanierung schnell das Budget einer kleinen Gemeinde. Hier setzt die Stiftung KiBa an.
Der Fokus der Stiftungsarbeit liegt auf der Vergabe von Fördergeldern für Sanierungs- und Sicherungsvorhaben. Jährlich kann die Stiftung dank ihrer Unterstützer rund 100 Förderzusagen mit einem Gesamtvolumen von meist rund 1,5 Millionen Euro vergeben. Seit ihrer Gründung kamen so weit über 30 Millionen Euro an Fördergeldern zusammen, die maßgeblich dazu beitrugen, dass "die Kirche im Dorf bleibt".
Gefördert werden vorrangig substanzerhaltende Maßnahmen an „Dach und Fach“:
- Sanierung von Dächern, Dach- und Glockenstühlen
- Sicherung von Außenwänden, Fundamenten und historischen Gewölben
- Bauliche Maßnahmen zur Wiederherstellung der Nutzbarkeit im Innenraum
Dabei ist der Förderschwerpunkt – bedingt durch die historische Entwicklung und die dortige Finanzknappheit der Gemeinden – traditionell stark in den östlichen Bundesländern verortet, doch gefördert wird flächendeckend in ganz Deutschland. Von der kleinen, jahrhundertealten Fachwerkkirche bis hin zu architektonisch wertvollen Betonkirchen der Moderne.
Wie die Stiftung arbeitet: Gemeinschaft als Prinzip
Die Arbeit der Stiftung KiBa basiert auf einem Netzwerk aus institutioneller Unterstützung, ehrenamtlichem Engagement und bürgerlicher Solidarität. Ihr Ansatz lässt sich in drei Säulen unterteilen:
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Das Antrags- und Vergabeverfahren
Kirchengemeinden können jährlich von Mitte Januar bis zum 30. Juni online Förderanträge stellen. Dabei werden sie nicht allein gelassen: Ehrenamtliche Regionalbeauftragte der Stiftung unterstützen die Gemeinden bereits bei der Antragsphase und begleiten die Projekte vor Ort. Ein Vergabeausschuss entscheidet anschließend gewissenhaft über die Verteilung der Mittel anhand der Dringlichkeit und der Substanzgefährdung.
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Der Förderverein und die Spender
Das Fundament der KiBa bilden die Menschen. Im bundesweiten „Förderverein der Stiftung KiBa e. V.“ engagieren sich mittlerweile mehr als 3.800 Mitglieder. Zusammen mit unzähligen Einzelspendern, Nachlässen und Erbschaften ermöglichen sie es der Stiftung überhaupt erst, verlässlich zu planen und finanzielle Hilfen bereitzustellen. Jede Spende wirkt dabei wie ein Katalysator: Häufig ist die Förderzusage der KiBa der entscheidende Impuls, der auch staatliche Denkmalbehörden, Kommunen und weitere Stiftungen dazu bewegt, Gelder für ein Projekt freizugeben.
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Bildungsauftrag und moderne Nutzungskonzepte
Zur Arbeit der KiBa gehört auch das Werben für das Thema in der breiten Öffentlichkeit. In einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft schwindet das Wissen um den Wert dieser Gebäude. Durch Publikationen, Präsenz auf Großveranstaltungen (wie dem Kirchentag) und den politischen Diskurs verleiht die Stiftung der kirchlichen Denkmalpflege eine starke Stimme.
Gleichzeitig fördert die KiBa neue Konzepte zur Belebung der Räume unter dem Motto: Die beste Art, eine Kirche zu erhalten, ist, sie zu nutzen! Mit Initiativen wie „Kirche-frei!“ ermutigt die Stiftung Gemeinden dazu, kreative Ideen zu entwickeln, wie die Gebäude neben dem Gottesdienst zu lebendigen Begegnungsorten für die gesamte Zivilgesellschaft werden können – sei es durch innovative architektonische Einbauten für Gemeindearbeit oder kulturelle Events.
Fazit: Eine Investition in unsere Zukunft
Gott selbst, so formuliert es das Selbstverständnis der Stiftung, braucht keine Kirchen. Wir Menschen brauchen sie! Als Ankerpunkte in stürmischen Zeiten, als Orte gelebter Demokratie und Kultur und als Identitätsstifter unserer Regionen.
Die Stiftung KiBa leistet mit ihrer Arbeit einen unverzichtbaren Beitrag dazu, dass diese Räume auch für kommende Generationen offenstehen. Sie rettet nicht nur alte Steine und Balken vor dem Verfall – sie bewahrt die Orte, an denen unsere Gemeinschaft ihr Zuhause hat.