St. Bartholomäus Edersleben

Ein klassizistisches Gotteshaus in Reinkultur

„KiBa-Kirche des Monats 2016“ in Edersleben

Nur wenige Kirchen können damit glänzen, dass die Entwürfe für ihren Bau in einem Museum ausgestellt sind. St. Bartholomäus in Edersleben (Sachsen-Anhalt) ist einer dieser seltenen Fälle. Die Pläne der zwischen 1829 und 1831 errichteten großen Saalkirche sind im Kupferstichkabinett in Berlin zu sehen – nicht nur, weil der Bau unter finanzieller Beteiligung des preußischen Staates entstand: König Friedrich Wilhelm III. gab 4435 Taler hinzu. Nein, die Entwürfe der in klaren, klassizistischen Formen erbauten Kirche stammen von niemand Geringerem als Karl Friedrich Schinkel (1781 – 1841). Am 9. Oktober jährt sich der Todestag des berühmten preußischen Baumeisters und Architekten zum 175. Mal. Anlass genug für die Stiftung KiBa, St. Bartholomäus als „Kirche des Monats Oktober 2016“ zu würdigen.

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Schinkel war Stadtplaner, Maler, Grafiker und Bühnenbildner, vor allem aber der große Stern am preußischen Architektenhimmel: Karl Friedrich Schinkel hatte zeitweilig die Verantwortung für die gesamte Bautätigkeit in Preußen. Der Sohn eines Pastors und einer Kaufmannstochter hatte schon im Alter von 14 Jahren beschlossen, Architekt zu werden. Als Schüler von Friedrich Gilly wurde er von dessen feinsinnigem, mit der französischen Revolutionsarchitektur verwandten Klassizismus beeinflusst. Durch den Entwurf des jungen Künstlers für das Bühnenbild der „Zauberflöte" wurde Königin Luise von Preußen auf ihn aufmerksam; sie beauftragte ihn, ihr Schlafgemach im Kronprinzenpalais neu herzurichten. Damit wurde Schinkel zum Baumeister und Innenarchitekten des königlichen Hauses.

Ab 1815 übernahm er die Leitung der preußischen Oberbaudeputation als Oberbaurat, fünf Jahre später wurde Schinkel zum Professor an der Bauakademie berufen. 1831, im Jahr der Fertigstellung von St. Bartholomäus, folgte die Ernennung zum Oberbaudirektor. Getrübt wurde die Schaffensfreude des Künstlers immer wieder durch seine schlechte Gesundheit: Er musste Kuraufenthalte in seine Arbeitsphasen einordnen. 1836 nahm er noch das Amt des Oberlandesbaudirektors an, ausfüllen konnte er es indes nur fünf Jahre lang. Am 9. Oktober 1841 erlitt Karl Friedrich Schinkel einen Schlaganfall und starb.

Sein Einfluss reichte über die folgenden Architektengenerationen bis in die Moderne. Seine berühmtesten Gebäude findet man in Berlin und Potsdam. Zu den Höhepunkten seines Schaffens zählt das Schauspielhaus auf dem Gendarmenmarkt, ebenso wie das Alte Museum.

Im Auftrag des Königs hatte der Baumeister 1825 die später so genannte Normalkirche konzipiert. St. Bartholomäus in Edersleben vertritt dieses Ideal eines klassizistischen Gotteshauses in Reinkultur. „Das ist für uns und den gesamten Kirchenkreis natürlich etwas ganz Besonderes“, sagt Pfarrer Johannes Müller, „zumal es hier in der Region nur sehr wenige Schinkel-Kirchen gibt“. Immer wieder trifft der Pfarrer auf kunst- und architekturbegeisterte Besucher, die fasziniert sind von „seiner“ Kirche. Vor zwei Jahren, erinnert sich der Pfarrer, hat ein junger Mann die Originalpläne in Berlin angeschaut und dann in riesigem A1-Format nach Edersleben gebracht, um sie der Gemeinde zu schenken.

Sehenswert ist indes auch das zu Teilen aus dem mittelalterlichen Vorgängerbau stammende Interieur von St. Bartholomäus: der hölzerne Echthaar-Kruzifixus aus dem 15. Jahrhundert, der plastisch gestaltete Taufstein aus dem Jahr 1709, die Epitaphien aus Sandstein aus dem 18. Jahrhundert, und nicht zuletzt die 1866 erbaute wertvolle Orgel von Julius Strobel.

Johannes Müller ist seit 25 Jahren für die Kirche in Edersleben zuständig und einer derjenigen, die die Instandhaltung von St. Bartholomäus immer weiter voran treiben. Keine leichte Aufgabe in einem Ort, der gerade noch 70 Gemeindemitglieder zählt. „Aber wenn man einmal angefangen hat, möchte man natürlich nicht mittendrin Schluss machen“, sagt der Pfarrer mit einem Lächeln. Nachdem in den vergangenen Jahren - auch mit Unterstützung der Stiftung KiBa - das Dach der Kirche instandgesetzt wurde, geht es nun um die Fassade. Fenster, Türen, der Giebel und die Nordseite sind bereits fertig saniert, als Nächstes ist die Westseite an der Reihe, dann wären die Arbeiten am Äußeren des Schinkel-Schmuckstücks abgeschlossen. Sobald die nötige Summe von 89.000 Euro zusammen ist, soll es losgehen. Die KiBa fördert diesen Bauabschnitt mit 10.000 Euro.

Spenden für die Restaurierung erhält die Gemeinde durch Konzerte in der Kirche, „am besten mit örtlichen Chören, denn dann kommen auch viele Angehörige“, weiß Johannes Müller. Im September hat ein Fest stattgefunden, das ausnahmsweise nichts mit dem berühmten Baumeister Schinkel, sondern mit drei Ederslebener Pastoren zu tun hatte. Im 17. und 18. Jahrhundert versahen ein Vater, ein Sohn und ein Enkelsohn nacheinander ihren Pfarrdienst in St. Bartholomäus. Je ein großes Gemälde von Nicolaus Göschel (1608-1664), Christian Göschel (1640-1716) und Christian Leberecht Göschel (1683-1773) ist in der Kirche zu sehen. Den 300jährigen Todestag von Christian Göschel nehmen die Ederslebener zum Anlass, um in St. Bartholomäus zu feiern – mit Chormusik, Kaffee und Kuchen und Geschichten aus insgesamt 135 Jahren Pfarrschaft. Die Einnahmen, das muss der Göschel-Nachfolger Johannes Müller nicht betonen, sind selbstverständlich „immer für die Kirche“.