„Wir stehen in den Startlöchern“
„KiBa-Kirche des Monats März 2026“ in Berlin-Heiligensee
Waren Sie schon einmal bei einem Kirchendinner? Im Berliner Bezirk Heiligensee werden in Kürze gleich 70-80 Menschen das Glück haben, eines zu erleben. Ehrenamtliche Mitglieder der evangelischen Gemeinde werden ein Fünf-Gänge-Menü kochen und in den festlich geschmückten Gemeindesaal einladen. 85 Euro kostet das abendliche Mahl pro Person; eine stattliche Summe, die indes einem guten Zweck dient: Mit dem durch das Dinner eingenommenen Geld wird die finanzielle Grundlage gelegt für die Restaurierung des Turms der Dorfkirche Heiligensee.
Die Sanierung ist bitter nötig, berichtet Pfarrer Michael Glatter: „Der Turm hat eine doppelte Fachwerk-Ausführung, die äußere davon ist stark angegriffen.“ Um die Stabilität des Bauwerks zu erhalten, ist neben der Öffnung und Reparatur der Außenwandschale auch ein Teil der Eindeckung des Turmdaches abzureißen und durch neue Schieferschindeln zu ersetzen. Zum krönenden Abschluss soll dem Turm ein frischer Anstrich gegönnt werden. 340.000 Euro hat die Gemeinde dafür veranschlagt; sollte am Ende außerdem das Kirchenschiff einen zum Turm passenden, neuen Anstrich erhalten, kämen noch einmal 100.000 Euro hinzu. Die Stiftung KiBa fördert das Projekt ihrer „Kirche des Monats März 2026“, eine Privatspende inklusive, mit 20.000 Euro.
Das Gotteshaus in Heiligensee ist eine von mehr als 50 Dorfkirchen in Berlin. Historischen Kirchenrechnungsbüchern zufolge entstand der frühklassizistische Westturm aus Kalkstein zwischen 1707 und 1713. Im Jahr 1760 wurde er umgebaut und erhielt die Gestalt, die den Menschen in Heiligensee heute vertraut ist; die Jahreszahl des Umbaus prangt auf der Wetterfahne. Das zum Turm gehörende Kirchengebäude blickt auf eine noch längere Lebenszeit zurück. Ende des 15. Jahrhunderts löste es eine vermutlich aus Holz bestehende Vorgängerin ab. Nur drei Viertel der Höhe der Umfassungsmauern aus Feldsteinen, Bruchsteinen und Ziegeln („Mischmauerwerk“) sind aus dem Mittelalter erhalten geblieben (vermutlich wurden alle übrigen Gebäudeteile im Dreißigjährigen Krieg zerstört). Die oberen Abschnitte des Mauerwerks bestehen aus Ziegelsteinen, die erst im 17. Jahrhundert verwendet wurden.

Dorfkirche Berlin-Heiligensee

Dorfkirche Berlin-Heiligensee

Dorfkirche Berlin-Heiligensee

Dorfkirche Berlin-Heiligensee

Dorfkirche Berlin-Heiligensee

Dorfkirche Berlin-Heiligensee

Dorfkirche Berlin-Heiligensee
Die anstehende Sanierung der Dorfkirche ist „gut durchgeplant“, sagt Pfarrer Michael Glatter, „wir stehen in den Startlöchern“. Im Frühjahr sollen die Arbeiten beginnen. Wichtig ist den Verantwortlichen, dass sie alle Anwohnerinnen und Anwohner mitnehmen – möglichst so gut, dass viele von ihnen sich zu einer Spende dafür entschließen. Auch die Gewerbetreibenden in der Region sind im Blick der Spendensammler. Deswegen stehen neuerdings einige Informationsveranstaltungen in der Kirche und Besichtigungen der Baustelle im Kalender des Pfarrers.
Schon jetzt ist die Dorfkirche in Heiligensee von Ostern bis Oktober für Besucherinnen und Besucher geöffnet; Michael Glatter hofft, dass nach der Sanierung noch mehr Konzerte und kulturelle Veranstaltung das Gotteshaus beleben. „Die Öffnung der Kirche für Kulturelles ist wichtig, weil wir so eine Ausstrahlung erreichen, die über die Grenzen der Gemeinde hinausgeht.“ Der Pfarrer weiß um die Außenwirkung des Gebäudes, aber auch um dessen Wirkung nach innen, weil es Möglichkeiten der Einkehr und der Verbindung bietet. Für ihn persönlich ist die Feier des Abendmahls in der Kirche eine „besondere Wohltat“. Aber auch Veranstaltungen wie das Kirchendinner seien gute Erlebnisse. „So simpel es klingt: Die Dorfkirche ist ein Ort, an dem Menschen Gemeinschaft finden, untereinander und mit Gott.“