St. Vitus und Modestus Eggenstein (Baden-Württemberg)
St. Vitus und Modestus Eggenstein (Baden-Württemberg)

Wo Leben, Glauben und Geschichte sich verdichten

Kirche des Monats April 2026 in Eggenstein

Die Geschichte ist gruselig: Vitus wird von seinen Eltern zur Erziehung an Modestus und dessen Frau Crescencia gegeben. Als bekannt wird, dass diese Erziehung eine christliche ist und Vitus seinen Glauben nicht aufgeben will, trachten zunächst sein Vater und dann der König und Christenverfolger Diokletian nach seinem Leben (dass er nebenbei ein paar Wunder vollbringt, hilft ihm nicht). Nachdem die königlichen Löwen den jungen Mann partout nicht fressen wollen, werden Vitus und seine Erzieher in siedendes Öl geworfen. Engel retten die drei und bringen sie nach Hause; erst dort sterben die Märtyrer. 

Die Vitus-Legende wird seit dem 6. Jahrhundert erzählt, Illustrationen davon finden sich in mittelalterlichen Handschriften, aber auch in zahlreichen Kirchen. Zum Beispiel in der evangelischen Kirche in Eggenstein (Baden-Württemberg): Szenen der Legende haben Freskenmaler im Mittelalter an die Südwand aufgebracht (die Nordwand zeigt die „Anbetung der Könige“). Passenderweise trägt das Gotteshaus den Namen „St. Vitus und Modestus“.

Auch der besonderen Wandmalereien wegen ist die Dorfkirche üblicherweise eine offene. Doch in diesen Tagen können dort nur Gottesdienste stattfinden: St. Vitus und Modestus muss saniert werden und ist komplett eingerüstet. Nachdem die Erneuerung des Dachs und der Fassade von Turm und Kirchenschiff erfolgreich abgeschlossen ist, sind nun die mittelalterlichen Natursteine und der historische Putz instand zu setzen, ebenso wie die Holzfenster an Haupt- und Seitenschiff. Im August sollen die Arbeiten beginnen, knapp 720.000 Euro muss die Gemeinde dafür aufbringen. Die Stiftung KiBa fördert das Vorhaben, eine Projektspende inklusive, mit 30.000 Euro.

St. Vitus und Modestus Eggenstein

St. Vitus und Modestus Eggenstein

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St. Vitus und Modestus Eggenstein

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„Weil Glauben ein Zuhause braucht“ – dieser Slogan, mit dem man in Eggenstein um Spenden für den ersten Bauabschnitt geworben hat, gilt noch immer, sagt Pfarrerin Andrea Schweizer. „Die Kirche gehört mitten in unser Leben, viele Menschen haben biografische Verbindungen zu ihr, zum Beispiel, wenn dort die Eltern getauft wurden. Und die Eggensteiner wollen, dass das Gebäude in der Mitte des Ortes ein Kleinod ist. Aus diesen Gründen sind sie bereit zu spenden.“ Nachdem Dachziegelpatenschaften sehr viele Spenden erbrachten („ich bin noch vor Kurzem mit dem Lackstift unter das Dach gekrochen, um Spendernamen auf Ziegel zu schreiben“), könnten nun Patenschaften für die Sandsteinsanierung eines Fensters oder für einen Quadratmeter Putz folgen, meint die Pfarrerin. Auch Benefizkonzerte, Kirchenführungen und der Verkauf von „Kirchen-Gin“ und „Kirchenmarmelade“ sind bewährte Instrumente, die es in den kommenden Monaten weiterhin geben soll.

St. Vitus und Modestus ist das älteste Gebäude in Eggenstein. Seine Geschichte reicht tief in Mittelalterzeiten hinein. Im Jahr 1240 wurde das Gotteshaus dem direkten Schutz des Papstes unterstellt. Die ältesten bis heute erhaltenen Gebäudeteile, der gotische Chor und der Westturm, stammen aus der Zeit um 1500. Evangelisch wurde die Dorfkirche im Jahr 1556, als Karl von Baden-Durlach die Reformation in der Markgrafschaft einführte. Die aus der Erbauungszeit stammenden Fresken im Chor wurden Ende des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt und sorgfältig restauriert.

„In dieser Kirche verdichten sich Leben, Glauben und Geschichte“, sagt Andrea Schweizer, „und deshalb wollen hier alle, dass sie noch lange erhalten bleibt“. Die Hartnäckigkeit der Eggensteiner hätte sicher auch die Namensgeber der Kirche gefallen.