Von Sanierungswillen und Spendenfreude
„Kirche des Monats Mai 2026“ in Thonhausen
„Ohne die Kirche auf dem Berg würde ein Stück Heimat fehlen – und das sehe nicht nur ich so“, sagt Kathrin Klügel. Die gelernte Wirtschaftskauffrau ist im Ehrenamt Kirchenrechnerin der Evangelischen Kirchengemeinde in Thonhausen im Altenburger Land (Thüringen). Sie hat „gut zu tun“, auch weil zu ihrer Verantwortung für das finanzielle Wohl der Gemeinde nun noch die für die anstehende Sanierung der Dorfkirche hinzukommt. Doch für ‚ihre Kirche‘ arbeitet die 65-Jährige gern, nicht nur, weil diese das prägende Wahrzeichen des Ortes ist. „Es gibt kaum noch Treffpunkte im Dorf, auch der Gasthof ist geschlossen. In die Kirche passen viele Menschen hinein, die Fenster sind schön und neu gemacht, die sanierte Orgel hat einen schönen Klang – das ist einfach ein guter Ort für uns!“
Dazu muss man wissen: Im Pfarrbereich gibt es seit mehr als zwei Jahren keinen Pfarrer. Nachdem der ursprünglich zuständige Theologe und später auch noch sein Nachfolger krank geworden sind, ist die Stelle unbesetzt. Gottdesdienste, Kinder- und Jugendarbeit, Gemeindebriefe und die Pflege des Gebäudes – „wir machen alles ehrenamtlich“, sagt Kathrin Klügel, „der Zusammenhalt ist groß“. Aufgeben ist keine Option. „Eine Dame aus dem Gemeindekirchenrat lässt sich jetzt zur Diakonin ausbilden.“
Viel Einsatz also in der Gemeinde - und nun auch noch die Sanierung. Im Sommer soll die Notsicherung stehen, die Dachstühle von Kirchenschiff und Turm sind umfassend instand zu setzen. Rund 120.000 Euro hat Kathrin Klügel dafür veranschlagt, die Stiftung KiBa hilft mit 10.000 Euro. Für Spenden hat es schon drei Aufrufe im Amtsblatt gegeben, berichtet Klügel, die auch eine „Firmenrunde“ plant. „Da muss man die Briefe persönlich austragen und Zeit haben, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen.“ Mit der bisherigen Ausbeute ist die Kirchenrechnerin sehr zufrieden: „Die Leute spenden wirklich gut“. Dabei spiele Kirchenmitgliedschaft kaum eine Rolle. Besonders beeindruckt hat sie die Geste eines Ehepaares, das zur Feier seiner eisernen Hochzeit (also 65 Jahre Ehe!!) um Spenden für die Kirche gebeten hat, was einen vierstelligen Betrag erbrachte. „Und eine Frau, die nicht Mitglied in der Kirche ist, hat mir 1000 Euro in die Hand gedrückt.“

Dorfkirche Thonhausen

Dorfkirche Thonhausen

Dorfkirche Thonhausen

Dorfkirche Thonhausen

Dorfkirche Thonhausen

Dorfkirche Thonhausen

Dorfkirche Thonhausen
Die Anfänge der rundum geschätzten Dorfkirche in Thonhausen gehen auf das Jahr 1300 zurück, ihre heutige Gestalt erhielt sie bei Renovierungen in den Jahren 1668 und 1743. Das Gewölbe des Chores und die Verbreiterung von Triumph- und Chorbogen stammen aus dieser Zeit. Der Chorturm im Westen trägt einen schiefergedeckten Helm. Im Inneren der Kirche befinden sich eine erst kürzlich sanierte Orgel aus dem Jahr 1746 und eine Kanzel von 1760. Eine weitere Besonderheit: der offenbar trotz der Reformation erhaltene Beichtstuhl.
Beichten oder beten kann man im Moment indes nicht in der Dorfkirche: Vorsorglich haben die Verantwortlichen das Gebäude gesperrt, aus Angst davor, dass „etwas von der Decke herunterfällt“, so Kathrin Klügel. Die Ersatzkirche im Nachbardorf Wettelswalde ist praktisch, weil nicht weit entfernt, aber keine Dauerlösung: zu klein („für eine große Trauerfeier gibt es nicht genügend Sitzplätze“) und zu kalt („wir müssen Decken auslegen“).
Glücklicherweise wird dieser Zustand nicht allzu lange dauern. Spätestens im Jahr 2028, meint Kathrin Klügel, kann auch in Thonhausen die Kirchentür wieder weit geöffnet werden – „für Konzerte und Lesungen, aber vor allem unsere Gottesdienste“ Und es soll noch mehr Leben geben, zum Beispiel mit Führungen für Grundschulklassen oder Vorträgen zur Geschichte. Denkbar auch, dass das Gotteshaus eine Etappe bei den Wanderungen des Heimatvereins wird. Da gehört sie als ein wichtiges Stück Heimat eigentlich unbedingt dazu.