Dorfkirche Kaltennordheim-Klings (Thüringen)
Dorfkirche Kaltennordheim-Klings (Thüringen)

„Die Menschen engagieren sich seit Jahrzehnten“

„KiBa-Kirche des Monats Januar 2026“ in Klings

Wo kommen Balleisen, Flacheisen und Hohleisen zum Einsatz? In Klings, einem Ortsteil von Kaltennordheim in Thüringen wird wohl kaum jemand mit der Antwort zögern. Der Ort hat eine lange Tradition in der kunstvollen Bearbeitung von Holz; auch heute gibt es dort noch viele Menschen, die das Handwerk der Schnitzerei beherrschen – und sich also auskennen mit den drei genannten Eisen und vielen weiteren Werkzeugen der Zunft.

Zeugnisse der bemerkenswerten Holzfertigkeiten in Klings und Umgebung finden sich insbesondere in der Dorfkirche. Viele Arbeiten älteren wie jüngeren Datums zieren die Wände des schlichten Saalbaus: eine Gedenktafel etwa, in die die Namen der im Zweiten Weltkrieg gefallenen Jungen und Männer des Ortes eingeschnitzt sind; hölzerne Versionen der Apostel Paulus und Petrus; ein von einer zeitgenössischen Holzbildhauermeisterin gestaltetes Kruzifix; geschnitzte Krippenfiguren zur Weihnachtszeit. „Viele dieser Arbeiten waren Geschenke der örtlichen Handwerksbetriebe an die Kirche“, weiß Annette Günther vom Vorstand des Gemeindekirchenrats.

Schnitzen kann Annette Günther selbst zwar nicht, aber sie hat ein anderes Talent, das sie der Gemeinde zur Verfügung stellt: Sie weiß, wie Organisation geht. Seit knapp 30 Jahren wirkt sie im Gemeindekirchenrat mit; anfangs habe sie gar nicht gewusst, was das Gremium „so alles macht“, doch dann sei sie „mit den Aufgaben gewachsen“. Und das waren nicht eben wenige: die Sanierung des Chorraum- und Kirchenschiffdaches zum Beispiel, die Sanierung des Kirchenschiffs innen und außen, die Restaurierung der Fenster, die Instandsetzung des Chorraums und der historischen Orgel, die Restaurierung der großen Stützmauer sowie der Außentreppe und vieles mehr. 

Dorfkirche Kaltennordheim-Klings

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Kein Zweifel: die Kirchenrätin hat Routine. Jetzt fehlt nur noch eine letzte große Baumaßnahme, damit das Sanierungspuzzle vollendet ist, und die betrifft das Dach des Kirchturms. „Die Abdeckung aus Schiefer muss abgetragen, und der Dachstuhl muss gesichert werden, die Schalung aus Brettern ist zu dünn“. Einige Schadstellen am Turm sind schon jetzt zu sehen, doch Annette Günther weiß: „Wenn das Dach im Frühjahr erst einmal offen ist, kommen zweihundertprozentig noch weitere hinzu“. Rund 214.000 Euro sind für die Maßnahmen kalkuliert. Die Stiftung KiBa steuert 15.000 Euro bei. 

Im Jahr 1879 wurden die Kirche und ihr Westturm im romanischen Stil erbaut; ein dritter Versuch, nachdem die beiden zuvor am Ort befindlichen Gotteshäuser bei großen Bränden zerstört worden waren. Die Außenwände des Kirchenschiffs sind weiß getüncht, der Turm im Westen und der polygonale Chor im Osten sind steinsichtig und bilden so einen passenden Rahmen um das Schiff.

Drei Dinge liebt Annette Günther an „ihrer“ Kirche: Optisch goutiert sie, dass das historische Gebäude außen wie innen hell, freundlich und „ohne Schnickschnack schön“ ist. Ganz praktisch freut sie sich über die soziale Rolle, die das Gotteshaus übernimmt, indem es offen ist für alle Generationen, für Kirchenmitglieder wie auch für Nichtmitglieder.

Ihr dritter Begeisterungsgrund hat nur mittelbar mit dem Bauwerk zu tun (aber eben doch auch): „Das Allerschönste ist für mich, wie sich die Menschen hier seit Jahrzehnten so sehr für die Kirche engagieren.“ Das betreffe die finanzielle Großzügigkeit der Klingser, die immer wieder ansehnlich gespendet hätten, wenn Annette Günther und ihre Mitstreiter mit der Sammelbüchse von Haus zu Haus gezogen sind. („Das funktioniert besser als ein Überweisungsträger“, weiß die erfahrene Geldsammlerin, „weil man ins Gespräch kommt und erklären kann, wozu die Spende nötig ist.“)

Darüber hinaus haben sich die Menschen im Ort – ganz der Tradition entsprechend – mit ihrem handwerklichen Geschick eingebracht, wo immer es ging, betont Annette Günther. Auch die Handwerksbetriebe der umliegenden Orte leisteten einen nicht zu unterschätzenden Beitrag dazu. Dafür ist sie sehr dankbar. „Sie können im Gemeindekirchenrat viel machen, aber wenn die Menschen nicht mitziehen, wird es nicht tragen. Das ist bei der Kirche in Klings zum Glück ganz anders.“