Rückschlag in Klings?
Ein Unwetter hat die Kirchenbaustelle stark beschädigt
Einen langen und mühsamer Weg musste die Kirchgemeinde Klings für die Sanierung des Kirchturmes Ihrer Dorfkirche in Klings zurücklegen. Im Mai 2026 konnte nun endlich die notwendige und lang ersehnte Baumaßnahme beginnen. Jetzt wirft ein Unwetter die so hoffnungsvoll gestarteten Arbeiten zurück.
Der Abend des 19. Augusts wird in Klings vermutlich lange in Erinnerung bleiben: zwischen 21.30 und 23.30 zog ein heftiges Unwetter über das Dorf, berichtet Annette Günther, die dem Gemeindekirchenrat vorsteht. Dabei sind große Schäden am Kirchenschiff und Kirchturm entstanden. „Gerüstbohlen sind bis zur Straße geflogen und stecken zum Teil wie Sperrspitzen im Kirchenschiffdach“, schreibt Günther. Wasser ist bis in die untere Ebene des Kirchenschiffs gelaufen, innen ist die Kirche vollständig mit Dreck und Staub verdreckt. „Erst eine Woche vorher hatten wir in vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit alles von oben bis unten für den Kirmesgottesdienst sauber gemacht.“
Eine gute Nachricht gibt es dennoch: niemand wurde verletzt – dafür ist man in Klins sehr dankbar. Aktuell sind die verschiedenen Gewerke mit der Notsicherung, der Abdeckung an den offenen Stellen am Dach und der Sicherung des Baugerüstes beschäftigt.
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„Wie Speerspitzen“ haben sich Gerüstteile ins Dach gebohrt (c) Annette Günther

Große Schäden am Kirchenschiff und Kirchturm sind entstanden (c) Annette Günther

Das Gerüst wurde beschädigt (c) Annette Günther

Staub und Dreck im Inneren der Kirche - erst vor einer Woche war alles auf Hochglanz gebracht worden (c) Annette Günther

Blick nach draußen - Teile der Gerüstplane sind überall verteilt (c) Annette Günther

Im Dach klaffen Löcher, Ziegel und Sparren sind gebrochen (c) Annette Günther

Zertrümmerte Ziegel sind heruntergefallen (c) Annette Günther

Die Dachkonstruktion hat einiges abbekommen (c) Annette Günther

Die Schäden im ganzen - wie weit wirft das die Sanierung zurück? (c) Annette Günther
Rückblick
Seit 2017 stand die Kirchgemeinde wegen notwendiger Baumaßnahme mit dem Kreiskirchenamt Meiningen in Kontakt. Doch alle Anfragen und Anträge auf Fördermittel bei kirchlichen Behörden brachten keinen Erfolg. Auch ein Antrag der Stadt Kaltennordheim auf Städtebaufördermittel – Klings ist ein Ortsteil der Kleinstadt in der Rhön in Thüringen – wurde abschlägig beschieden. Dabei hatte das Gutachten eines Ingenieurbüros von 2018 eindeutig gezeigt, welche Schäden am Kirchturm vorhanden waren und dass Gefahr in Verzug war.
Immer wieder machte die Kirchgemeinde Klings die Entscheidungsträger der Kirche darauf aufmerksam, sodass endlich 2024 eine Notsicherung am Dachstuhl des Kirchturms erfolgte. Besonders hilfreich war das Erbe einer dem Dorf sehr verbundenen Familie, die der Gemeinde eine Immobilie in Erfurt hinterlassen hatte. Allerdings war der Verwaltungsaufwand riesig und der ehrenamtliche Einsatz des Kirchengemeinderates, dessen Mitglieder teilweise den eigenen Urlaub dafür opferten, kann nicht hoch genug geschätzt werden.
Mit diesem finanziellen „Grundstock“ fielen am Ende auch die Antworten kirchlicher Förderträger positiv aus. Im Sommer 2025 stellte die Gemeinde auch einen Antrag bei der Stiftung KiBa und bekam für 2026 eine Förderzusage. Weitere Gelder kamen aus dem Kirchenkreis, der Stadt Kaltennordheim, dem Land Thüringen sowie weiteren Stiftungen. Dabei wurde deutlich, dass kleine Dorfkirchen es gegenüber großen städtischen Gotteshäusern oftmals schwer haben – auch wenn die hier prozentual mehr Menschen den Gottesdienst besuchen als in den Ballungszentren und die Dorfgemeinschaft lebendig und aktiv ist.
Aktueller Baustand
Anfang Mai 2026 konnten endlich die Arbeiten am Kirchturm mit dem Aufbau des gut 35 Meter hohen Gerüstes beginnen. Ende Mai wurde die sogenannte Baufreiheit sichergestellt – das bedeutet, dass eine Baustelle frei von Hindernissen ist und Handwerker ungehindert arbeiten können. An Gewerken waren Zimmerleute, Dachdecker, Tischler, Elektriker, Restauratoren (für den Turmkopf und die Sandsteine), Uhrenbauer und weitere beteiligt. Die Zimmererarbeiten begannen zeitgleich mit dem Rückbau der alten Dacheindeckung Anfang Juni.
Zu den bereits kartierten Schäden kamen nach Öffnung des Helmdaches und der Freilegung der Sternbalkenebenen weitere Schäden zum Vorschein, insbesondere an den Auflagebereichen der tragenden Balken auf der Mauerkrone in der ersten Sternbalkenebene. Auch die Reparaturen an der Helmkonstruktion in der Ebene über dem Glockenboden waren umfangreich und stellten hohe Anforderungen an die Zimmerleute. Schwere Abstützungen mussten errichtet werden. Die Holzkonstruktion wurde nach historischem Vorbild und statischer Anforderungen erneuert, viele intakte Althölzer konnten wieder eingebaut werden. Des weitern wurde auf jeder Turmseite eine neue Uhrengaube eingesetzt – eine der Vorgaben aus dem Testament. Ende Juli waren hier die letzten Arbeiten abgeschlossen.

Eingerüstete Kirche - vor dem Unwetter (c) Annette Günther

Schäden am Gesims (c) Annette Günther

Zimmererarbeiten an der Holzkonstruktion (c) Annette Günther

Schadhafte Balken werden ersetzt (c) Annette Günther

Die neue Schieferdeckung nimmt Gestalt an (c) Annette Günther

Die Holzkonstruktion ist wieder statisch stabil (c) Annette Günther

Verkohlte Balken erinnern an die Brandkatastrophe 1948... (c) Annette Günther

...damals konnte größerer Schaden abgewendet werden (c) Annette Günther
Im oberen Turmhelm wurde die Schalung zur Stabilisierung und die Unterdeckbahn als Wetterschutz aufgebracht. Bauklempner- und Schieferdeckungsarbeiten sollten bis Ende August fertig werden. Ob dieser Zeitplan nach dem Unwetter zu halten ist, bleibt fraglich.
Die Natursteinarbeiten umfassen nach der Reinigung der Fassade die Erneuerung geschädigter Mauerwerksfugen, Ausbesserungsarbeiten an geschädigten Sandsteinen und die Erneuerung zerstörter Teile der Architekturgliederung. Die hölzernen Schallfenster sind so stark verwittert, dass sie nach historischem Vorbild erneuert werden müssen. Auch die Fenster im Turmschaft müssen neu angefertigt werde, weil sie zu stark beschädigt sind.
Die Turmzier wird aufgearbeitet, der Turmknopf neu vergoldet und die Wetterfahren restauriert. Hier lief alles planmäßig. Die Technik für die neue Uhr ist so gut wie fertig, das Zifferblatt entworfen und gefertigt – alles steht bereit für den Einbau. Der findet statt, wenn die Schieferdeckung des Turms beendet ist. Die Gemeinde ist schon sehr gespannt auf den ersten Glockenschlag, der die Uhrzeit ankündigen wird.
Bislang lief alles wie geplant, alle Handwerker der beteiligten Firmen sind mit viel Liebe und Herzblut am Werk. „Ihnen Allen gilt unser besonderer Dank, denn Sie sind unverzichtbar. Ohne das Handwerk würde unsere modernen Lebensgrundlagen und der gesellschaftliche Wohlstand stillstehen“, heißt es aus dem Kirchgemeinderat. Und die Kirchgemeinde Klings bedankt sich bei allen Klingser Bürgerinnen und Bürgern sowie bei allen Unterstützern, die sich für den Erhalt ihrer Dorfkirche und darüber hinaus stetig einsetzen.
Nach dem guten Start hat das Unwetter nun die die Gemeinde umso mehr schockiert. „Ich war so dankbar, dass wir seit Baubeginn vom Wetter verschont geblieben sind. Bis auf letzte Nacht. Das hat es die Kirche voll erwischt“, fasst Annette Günther die Lage zusammen.
Die letzte große Katastrophe hatte sich im Juni 1948 abgespielt: Unwissende Kinder hatten in der Nähe mit Streichhölzern gespielt. Ein Holzschuppen fing Feuer, am Ende fielen dem Großbrand sämtliche Fabrikgebäude der größten Holzschnitzerei sowie zwei Nachbarscheunen zum Opfer. Öl- und Benzinfässer explodierten in der Feuersbrunst, der Kirchturm fing Feuer. Nur durch das beherzte Eingreifen der Dorfbewohner, die schnell eine lange Eimerkette bildeten, kam die Kirche einigermaßen glimpflich davon. Brandspuren und verkohlte Holzbalken im Turm zeugen noch heute von der Katastrophe, bei den Arbeiten kamen sie wieder zum Vorschein. Damals haben alle gemeinsam angepackt – heute ist wieder einmal die Gemeinschaft gefragt.
Und etwas Hilfe von außen.
- „Die Menschen engagieren sich seit Jahrzehnten“
„KiBa-Kirche des Monats Januar 2026“ in Klings
- Die Dorfkirche Klings in der KiBa-Projektdatenbank