Unterwegs zu wunderschönen Kirchen
Unterwegs zu wunderschönen Kirchen Martin Hurlebaus auf Pixabay

Von Norden nach Süden

Virtuelle Reise zur „Kirche des Jahres 2021“ (Teil 1)

Bis zum 15. Mai läuft sie noch: die Abstimmung zur KiBa-Kirche des Jahres. Insgesamt zwölf Kandidatinnen stehen zur Wahl und verdient hat es jede von ihnen. Wir laden ein zu einer kleinen Rundreise, natürlich pandemie-gerecht in virtueller Form zu den ersten sechs „Kirchen des Monats“.

Wer nicht verreisen kann, obwohl ihn das Fernweh längst gepackt hat, ist bestimmt schon einmal mit dem Finger auf der Landkarte unterwegs gewesen – sei es in klassisch analog im Weltatlas oder digital im Netz. Diese Art der Fortbewegung ist bequem, flexibel und in höchstem Maße umweltverträglich. Überdies spielen Entfernungen und Reisezeit keine Rolle. Konkrete Ziele braucht man dazu nicht unbedingt, Hauptsache weg aus dem Alltag und fort von daheim. Diese kleine KiBa-Reise dagegen steuert zwölf Stationen an - sechs in diesem und sechs weitere im zweiten Teil - und wir tun einmal so, als könnten wir gleich in der nächsten Stunde aufbrechen. Aber schön der Reihe nach.

Los geht es im Norden der Republik und da wir nicht wissen, von wo aus sie starten, reisen Sie am besten zuerst nach Kiel. Die Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein ist über die A210 und die A215 gut mit dem Auto zu erreichen, ebenso wie mit der Bahn. Oder Sie kommen mit dem Schiff, immerhin besitzt Kiel den drittgrößten Passagierhafen Deutschlands.

Ihre erste Etappe führt Sie nach Kosel zur St. Laurentiuskirche (unserer „Kirche des Monats Januar 2020“). Wenn Sie von Kiel kommend mit der Bahn fahren, passieren Sie bei Rendsburg die große Eisenbahnschleife über den Nordostseekanal. Einfacher geht es aber über die B76 in weniger als einer Dreiviertelstunde.

Bei St. Laurentius fällt natürlich sofort der massige Rundturm auf. Knapp 25 Meter ist er hoch, im 13. Jhd. wurde er nachträglich angebaut. Langhaus und Altarraum sind noch älter und wurden 1185 errichtet. Ein wenig sieht die Kirche wie eine Festung aus, so manche Mauer im unteren Teil ist fast zwei Meter dick. „Ein feste Burg“ kommt einem da in den Sinn. St. Laurentius ist eine offene Kirche, regelmäßig suchen Menschen sie auf. Und wer nicht kommen kann, ruft die 04354 - 99 59 777 an und hört die aktuelle Predigt.

Die nächstsüdlichere „Kirche des Monats“ steht weit im Osten in Ranzin zwischen Greifswald und Anklam. Von Kosel aus ist das mit der Bahn eine recht zeitaufwändige Angelegenheit, immerhin sind gut 340km zurückzulegen. Wir steigen also mehrfach um bewegen uns langsam im Regionalverkehr über Rendsburg, Kiel, Neumünster, Bad Oldesloe, Lübeck, Pasewalk nach Anklam. Einfacher geht das mit dem Auto über die A20, aber dreieinhalb Stunden werden wir mindestens brauchen.

Der kleine Ort Ranzin – seit 2005 ein Ortsteil der Gemeinde Züssow – hat weniger als 200 Einwohner, eine ganze Reihe von ihnen engagiert sich mit viel Liebe und Herzblut für ihre Dorfkirche, deren Geschichte bis ins 13. Jhd. zurückreicht. Ihr Turm ist dagegen um die 500 Jahre jünger. Werfen Sie im Inneren der Kirche einen Blick auf die Buntglasfenster und Wandmalereien aus dem 14. Jhd., die die Erschaffung Evas, den Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies zeigen. Vor ein paar Jahren hat eine Begegnungsstätte ihre Pforten geöffnet und die Gemeindearbeit in Schwung gebracht, z.B. mit naturnaher Bildungsarbeit für Schüler und Schülerinnen.

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Januar: St. Laurentius in Kosel (Schleswig-Holstein) 

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Februar: St. Martin in Bernburg (Sachsen-Anhalt) 

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März: Kirche am Kolk in Wuppertal (Nordrhein-Westfalen) 

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April: Franziskanerkirche in Rothenburg ob der Tauber (Bayern) 

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Mai: St. Ägidii in Kleinballhausen (Thüringen) 

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Juni: Dorfkirche in Ranzin (Mecklenburg-Vorpommern) 

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Juli: Dorfkirche in Wismar in der Uckermark (Brandenburg) 

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August: Reformierte Kirche in Visquard (Niedersachsen) 

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September: Dorfkirche in Klitten (Sachsen) 

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Oktober: St. Ambrosius in Magdeburg-Sudenburg (Sachsen-Anhalt) 

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November: Dorfkirche in Schmolde (Brandenburg) 

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Dezember: St. Cyriakus in Frose (Sachsen-Anhalt) 

Unsere nächsten beiden Ziele liegen fast auf gleicher Höhe, daher besuchen wir die nächstgelegene Kirche in Wismar in der Uckermark – das ist von Ranzin aus nur eine knappe Stunde mit dem Auto. Sportliche Mitreisende nehmen stattdessen das Fahrrad über Anklam und erkundet dabei die Gegend um den Peenestrom, die Peenemündung ist schon seit 1925 Naturschutzgebiet. Der direkte Weg nach Wismar ist nicht einmal 70km lang.

Dann stehen wir vor der nördlichsten Kirche Brandenburgs: der stattliche Fachwerkturm dieser wunderschönen Feldsteinkirche ragt 35 Meter hoch auf, gebaut wurde er 1825. Sehenswert im Inneren ist farbenprächtige Barockaltar mit dem charakteristischen Taufengel davor. Den hat die Gemeine 1788 für 40 Reichstaler gekauft. In den 1960er-Jahren ist die Figur einmal abgestürzt und wacht erst wieder seit zehn Jahren über die Gottesdienste. Die Kirche ist in der Region beliebt, die Menschen gern zu Taufen, Trauungen oder auch am Heiligen Abend nach Wismar in die „KiBa-Kirche des Monats Juli 2020“.

Für die nächste Etappe empfehlen wir unbedingt den „Landkartenfinger“ als Verkehrsmittel, denn es gilt, fast 700km nach Westen zurückzulegen – das wären sechs Stunden Autofahrt über die A20 inklusive Staugefahr rund um Hamburg. Alternativ fahren Sie über Berlin und dann auf der A2 Richtung Hannover (am Stiftungsbüro vorbei) und weiter über Bremen, Oldenburg und Emden bis nach Krummhörn. Mit der Bahn dagegen könnten Sie von Anklam nach Berlin fahren und von dort aus recht bequem mit ICE/IC bis nah Emden reisen. Da müssen Sie auch nur einmal in Hannover umsteigen.

Von der reformierten Kirche Visquard in Krummhörn sind es nur weniger Kilometer Luftlinie bis zum Meer, da verwundert es nicht, dass die „KiBa-Kirche des Monats August 2020“ auf einer Warft liegt. Die Geschichte Krummhörns reicht übrigens bis in vorchristliche Zeit zurück, die Kirche wurde in den 1250er Jahren erbaut und ursprünglich der Heiligen Margaretha gewidmet. Das Gotteshaus ist der Treffpunkt schlechthin – das Dorf ist ohne Kirche gar nicht denkbar. Genau wie Wismar hat die Dorfkirche eine besondere Uhr: diese hier ist ein Geschenk des ostfriesischen Grafen Edzard II. und seiner Frau Katharina Wasa aus dem Jahr 1598. Die Verzierung mit dem schwedisch-ostfriesischem Wappen ist ein altes Zeichen der Freundschaft zwischen den Nationen. Wenn Sie noch Zeit haben, wandern Sie zu Fuß in nordwestlicher Richtung auf den Deich hinter Pilsum und statten Sie dem bekannten rotgelben Leuchtturm einen Besuch ab.

Dann geht es wieder zurück in den Osten – womöglich war die Idee doch nicht so gut, streng von Norden nach Süden vorzugehen, aber sei es drum. Rund 450 Kilometer sind es von Visquard nach Schmolde in Brandenburg, wo die „KiBa-Kirche des Monats November 2020“ steht. Erstmals besuchen wir ein etwas jüngeres Gotteshaus, denn die Dorfkirche mit der charakteristischen Verbretterung an Dachturm und Westwand wurde „erst“ 1730 errichtet. Haben Sie den Posaunenengel auf der Turmspitze bemerkt? 

Lassen Sie sich vom schlichten Äußeren der Kirche nicht abhalten und treten Sie ein: in warmen Rot- und Ockertönen verzierte der berühmte Kirchenmaler Robert Sandfort in den 1920er Jahren die Decke mit seinen charakteristischen floralen Mustern - ein folkloristischer Stil, der heute im Fachjargon als „Bauernbarock“ bezeichnet wird. Robert Sandfort schmückte Zeit seines Lebens 52 Kirchräume mit seinen großflächigen Malereien, elf davon allein in der Prignitz.

Für die letzte „Kirche des Monats“ im ersten Reiseabschnitt kommen wir nach all den Dorfkirchen nun erstmals in eine richtige Stadt. Von Schmolde aus reisen wir entweder ab Pritzwalk mit der Bahn in zweieinhalb Stunden nach Magdeburg oder gute 160km mit dem Auto durchs Havelland. Am Ende stehen wir vor St. Ambrosius im Stadtteil Sudenburg der Hauptstadt Sachsen-Anhalts.

Die beeindruckende Doppelturmanlage der dreischiffigen Hallenkirche fällt natürlich sofort ins Auge – was für ein Kontrast nach den vielen kleinen Kirchen. Das Innere der neugotischen Stadtkirche wird von den schlanken Rundpfeilern mit Kreuzrippengewölbe getragen. Bei der Sanierung der „KiBa-Kirche des Monats Oktober 2020“ geht es buchstäblich ums Ganze: vor zehn Jahren fielen schon Steine aus dem Mauerwerk, einzelne Gebäudeteile mussten erstmal gesichert werden. Jetzt wird St. Ambrosius richtig herausgeputzt und es ist fast so, als bekäme der Stadtteil eine ganz neue Kirche.

Nach der langen Reise brauchen Sie ein wenig Entspannung – schauen Sie sich inzwischen Magdeburg an. In der zweiten Folge geht die Reise weiter, sechs „Kirchen des Monats“ stehen noch auf dem Programm.