Dorfkirche Flintbek (Schleswig-Holstein)
Dorfkirche Flintbek (Schleswig-Holstein)

„Kugel, öffne dich“

„Kirche des Monats Oktober 2026“ in Flintbek

„Wir haben einen Dachschaden!“ –schreibt die evangelische Kirchengemeinde Flintbek auf ihrer Website. Und macht damit auf humorvolle Art deutlich, dass etwas getan werden muss, und zwar an der Bedeckung des Turms der örtlichen Dorfkirche. Die nämlich hat Instandsetzungsbedarf, dringenden. Dass die Arbeiten vor wenigen Wochen mit einem Spatenstich begannen war konsequentermaßen keinesfalls Ausdruck geistiger Verwirrung, sondern im Gegenteil notwendige Voraussetzung für die Sanierung. Bevor das schwere Gerüst dafür aufgebaut werden konnte, galt es, den Baugrund zu stabilisieren. „Ein Teil der Kirche ist auf einer Moorlinse erbaut“, sagt Susanne Maaß vom Kirchengemeinderat, deren Stimme dabei vielleicht einen winzigen sarkastischen Unterton hat. Aber nach den Mühen des Anlaufs ist nun alles gut: „Die Grundverdichtung ist einwandfrei gelungen.“ Nach den Gerüstbauern im September konnten die Zimmerleute verspätet ihr Werk beginnen. Vorarbeiten und Wetterbedingungen haben alles etwas verzögert. „Wir hoffen auf eine stabile Wetterlage, die es uns ermöglicht, den Turm in diesem Jahr fertig zu bekommen“, sagt Maaß.

Der markante Holzturm mit ebenfalls hölzernem Schindeldach, der 34 Meter in den Flintbeker Himmel ragt, stammt aus dem Jahr 1615. Er übernahm die Funktion des Eingangsportals zur Kirche, die als einschiffiger, spätgotischer Backsteinbau schon im 13. Jahrhundert an Ort und Stelle gestanden haben soll. Die Zahl 1223 prangt groß auf der Rückseite des weiß verputzten Kirchenschiffs. Das Ensemble ist denkmalgeschützt und kann im Inneren mit einem Schnitzaltar aus dem 15. Jahrhundert aufwarten, den die Gemeinde im Jahr 1902 zunächst dem Flensburger Kunstgewerbemuseum überlassen und in späteren Jahren zurückerworben hatte. Das bronzene Taufbecken ist ein Werk aus dem Jahr 1515 und gilt als eines der letzten im niederdeutschen Kulturraum, das vor der Reformation gegossen wurde.

Der Schaden am Turm betraf das gesamte Dach. Die maroden Schindeln waren bei leichten Berührungen wie Torf auseinandergefallen; erneuert wurde auch die Tragschicht darunter. Nach dem Einbau einer Lüftungslattung wird das Dach komplett neu eingedeckt - mit handgefertigten Schindeln aus dem Allgäu, wie Susanne Maaß berichtet. Die Schindeln in ausreichender Zahl rechtzeitig in den hohen Norden zu bekommen, „das war schon eine Zitterpartie“, erinnert sie sich. 

Dorfkirche Flintbek

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Mit großer Spannung wird auch die Öffnung der Turmkugel erwartet. „Wir wissen ja nicht, was wir dort vorfinden werden.“ Fest stand: Der kleine runde „Safe“ unter dem Wetterhahn war bereits 1908, 1925 und 1976 geöffnet worden, als ein Sturm das Turmdach beschädigt hatte. Aber in welchem Zustand werden die damals in 34 Metern Höhe deponierten Dokumente sein? Das wird sich erst nach dem „Kugel, öffne dich“ zeigen – und wann das sein wird, ist unklar. Was man aber weiß: drei Briefe aus den genannten Jahren, etwas Geld von 1925 und gravierte Bleiplatten mit den Namen der Handwerker von damals sollen sich in der Kugel befinden.

Die Gesamtsumme der Sanierung, die sich auf rund 280.000 Euro beläuft, wird sich mit dieser Gabe nicht signifikant erhöht haben. 10.000 Euro für das Projekt kamen von der Stiftung KiBa; spenden hatte die Gemeinde seit drei Jahren gesammelt. „Unfassbar stolz“ ist Susanne Maaß, dass dabei mehr als 50.000 Euro durch Spenden und Kollekten von Gemeindegliedern und Privatpersonen zusammenkamen. Viele Konzerte, Veranstaltungen und Flohmärkte haben Spenden erbracht, und auch das Angebot, neue Dachschindeln zu erwerben. „Die konnte man für 20 Euro dann auf der Rückseite persönlich gestalten“, sagt Maaß, die als „Flintbeker Kind“ selbstverständlich auch zum Pinsel gegriffen und eine Schindel verziert hat.

Inzwischen haben die Dachdecker alle Schindeln in die Höhe befördert; dank guter Wetterbedingungen hat der Flintbeker Kirchturm inzwischen keinen „Dachschaden“ mehr, sondern eine solide neue Bedeckung. Damit erfüllten sich die Hoffnungen der Verantwortlichen, die Instandsetzung pünktlich zum Erntedankfest zu beenden. Nicht nur Susanne Maaß ist glücklich: „Wir können wirklich danke sagen!“