Instandsetzung von St. Georg in Happurg (Bayern)
Instandsetzung von St. Georg in Happurg (Bayern)

Eine Kirche und ihre fliegenden Bewohner

Herausforderungen bei der Instandsetzung von St. Georg

Im Dachstuhl der Happurger St. Georgs-Kirche herrscht ein reges Treiben – allerdings meist nur im Sommer und in absoluter Stille. Rund 1.800 Große Mausohren leben hier in einem der größten Fledermaus-Quartieren Bayerns. Als das Gebälk der traditionsreichen Saalkirche durch Fäulnis und statische Mängel nachzugeben drohte, war schnell klar: das wird eine besondere Baustelle.

Im Herzen der idyllischen Hersbrucker Schweiz im mittelfränkischen Landkreis Nürnberger Land thront St. Georg über dem Marktplatz von Happurg. Was von außen lange Zeit unerschütterlich wirkte, wies bei näherem Hinsehen dramatische Schäden auf. Eine mehrjährige aufwendige Sanierung wurde unumgänglich. Von Mai 2020 bis Februar 2023 verwandelte sich das historische Gotteshaus in eine Großbaustelle.

Alarmzeichen am Kirchturm: Gefahr im Verzug

Die Dringlichkeit der Maßnahmen wurde spätestens dann überdeutlich, als Abplatzungen und ganze Ziegel vom Dach fielen. Die umlaufenden Gehwege wurden unverzüglich gesperrt und die Dachkonstruktion notdürftig gesichert. Die Ursachen lagen tief in der Konstruktion: Die Traufhölzer des Turms waren im Sims fest eingemauert und dort über die Jahre buchstäblich verfault. Bereits in den 1960er Jahren wurden Reparaturen durchgeführt, doch die Verbindungen der Bauelemente waren längst nicht mehr gesichert.

Unsachgemäße Abstützungen und die Vibrationen beim Läuten – ein Kirchturm ist eben stärker belastet als ein „normaler“ Turm – hatten an allen vier Seiten zu Längsrissen geführt. Um den Turm zu sichern, wurden vier massive Stahlverschraubungen eingebaut. Auch der Glockenstuhl selbst musste verstärkt werden. Das Läutseil hatte über Jahrhunderte hinweg einen Bodenbalken erheblich geschwächt.

Auch der Chor war statisch gefährdet, die Wände hatten begonnen, auseinander zu driften. Im Mauerwerk und im Kreuzrippengewölbe hatten sich bereits massive Risse gebildet. Ursache dafür war ein „Horizontalschub auf die Mauerkrone durch verfaulte Mauerlatten und Zerrbalkenköpfe“, wie es ein Gutachter nüchtern technisch beschrieb. Die Lösung: der Einbau eines Stahlankers, der in die Wand zwischen Chor und Langhaus gebohrt und verspannt wurde.

Zwischen Denkmalschutz und Artenschutz

Das Fledermaus-Quartier in St. Georg ist eine ökologische Besonderheit, die Großen Mausohren genießen nach der Bundesartenschutzverordnung einen besonders hohen Schutzstatus – die größte einheimische Fledermausart Deutschlands wird auch in der europäischen FFH-Richtlinie als „Art von gemeinschaftlichem Interesse“ geführt. Deswegen konnten die Arbeiten am Dachstuhl des Chores ausschließlich im Winter durchgeführt werden, wenn die Tiere das Quartier verlassen haben – ein enger Zeitplan. Ein spezielles Notdach über dem Chor wurde gebaut.

Die Tiere sind standorttreu, kehren also immer wieder in ihr angestammtes Quartier zurück. Eine Art Magnetsinn dient ihnen dabei als innere Kompass. Außerdem verfügen die nützlichen Insektenfresse über ein Ortsgedächtnis und können sich Gebiete merken. Ein Weibchen bringt pro Jahr tatsächlich nur ein einziges Junges zur Welt, Verluste in der Aufzuchtzeit sind dann fatal.

Eingerüsteter Turm in Happurg

Eingerüsteter Turm in Happurg

Im März 2021 sind die Arbeiten im vollen Gange

Im März 2021 sind die Arbeiten im vollen Gange

Rund 1.800 Große Mausohren leben im Dachgebälk von St. Georg

Rund 1.800 Große Mausohren leben im Dachgebälk von St. Georg

Zerr- und Sparrenköpfe werden erneuert

Zerr- und Sparrenköpfe werden erneuert

Teile der Holzkonstruktion waren verfault und wurden neu eingesetzt

Teile der Holzkonstruktion waren verfault und wurden neu eingesetzt

Schäden am Kreuztonnengewölbe

Schäden am Kreuztonnengewölbe

Auch im Innenraum ist viel zu tun

Auch im Innenraum ist viel zu tun

Blick vom Kirchturm über den Ort

Blick vom Kirchturm über den Ort

Die Läuteanlage im Turm

Die Läuteanlage im Turm

Eine neue Turmkugel wird installiert

Eine neue Turmkugel wird installiert

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Feinarbeit im Langhaus

Auch das Kirchenschiff musste umfangreich saniert werden. Verfaulte Zerr- und Sparrenköpfe wurden erneuert, wobei die Konstruktion aufwendig zerlegt werden musste, um an die schadhaften Stellen überhaupt heranzukommen. Die tragenden Säulen der Empore waren durch Fäulnis am Fußpunkt abgesackt und wurden mit getrocknetem Eichenholz unterfüttert und anschließend wieder marmoriert.

Ein weiterer Fokus lag auf der prächtigen Stuckdecke des Tonnengewölbes. Durch die Dacharbeiten waren Risse entstanden, die nun mit traditionellen Methoden ausgebessert werden mussten.

Ein geschichtsträchtiger Ort

Die Historie von St. Georg reicht weit zurück. Erstmals urkundlich erwähnt wurde eine Altarweihe in Happurg im Jahr 1058 durch Bischof Gundekar II. von Eichstätt. Das heutige Aussehen der Saalkirche geht maßgeblich auf einen Umbau von 1781/82 zurück. Dabei wurde das Langhaus erhöht und mit einem Mansarddach versehen.

Die Innenausstattung der Kirche ist sehenswert, die dreiseitigen Emporen mit Doppelgeschossen und bemalten Brüstungen (1753) prägen den Raum. Etwas älter ist der Hochaltar (1725). Aus dieser zeit stammt auch das historische Orgelgehäuse von Elias Hößler. 1904 baute der Orgelbauer Johannes Strebel ein neues Werk mit 14 Registern ein.

Der Ort Happurg besitzt eine wechselvolle Geschichte. Einst war er Mittelpunkt der Herrschaft Reicheneck, 1806 kam der Ort zum Königreich Bayern. Von Mai bis Juli 1944 gab es in Happurg ein Außenlager des KZ Flossenbürg.

Kirchenerhalt als Gemeinschaftsaufgabe

Die Instandsetzung von St. Georg war eine Herkulesaufgabe – nicht zuletzt durch die besondere Situation mit dem Fledermaus-Quartier –, bei der die maximale Substanzerhaltung im Vordergrund stand. Rund 1,5 Millionen Euro waren für die Arbeiten kalkuliert, den Löwenanteil haben die Landeskirche und die Kirchengemeinde als Eigenmittel eingebracht. Weitere Unterstützer wie die Stiftung KiBa haben am Ende dazu beigetragen, dass die Instandsetzung erfolgreich abgeschlossen werden konnte.