Reformationskirche Köln-Bayenthal (Nordrhein-Westfalen)
Reformationskirche Köln-Bayenthal (Nordrhein-Westfalen)

Alles neu unterm Schiefer

Die Reformationskirche in Bayenthal ist fit für die Zukunft

Im Kölner Stadtteil Bayenthal trifft industrielles Erbe auf rheinische Gemütlichkeit. Mittendrin, an der Ecke Mehlemer Straße und Goethestraße, steht die Reformationskirche. Doch hinter der beschaulichen Fassade aus Tuffstein und Klinkern brodelte es zuletzt gewaltig – oder besser gesagt: es tropfte. Dank der umfassenden Sanierung kann das Gotteshaus die nächsten Jahrzehnte trocken überstehen.

Architektur mit Perspektivwechsel

Erbaut wurde die Reformationskirche 1903-1905 nach Entwürfen des Architekten Otto March. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie bei Bombenangriffe schwer beschädigt worden war und zwischen 1958 und 1961 wieder aufgebaut – mit einer architektonische Besonderheit: Die ursprüngliche Ost-Ausrichtung der Kirche wurde aufgegebenm der Altarraum ist seither nach Süden ausgerichtet.

Im Inneren zieht vor allem das 15 Meter hohe, farbige Betonglasfenster von Eugen Keller die Blicke auf sich. In der „nach Christus strebende Schöpfung“ ist eine Vielzahl von Tieren dargestellt – von Elefanten über Antilopen bis hin zu Fischen und Schlangen.

Wenn es von der Decke tropft

2010 bemerkte man in der Kirche erste Warnsignale: weiße Ausblühungen (Salzablagerungen) und Algenbildung an den Innenwänden. Kritisch wurde es 2019, als bei starken Regenfällen das Wasser in den Eckbereichen regelrecht die Wände herunterlief.

Die Dachdeckung aus minderwertigem Schiefer war fachlich unzureichend verlegt worden und konnte der eindringenden Nässe nicht standhalten. Unter dem Schiefer war die hölzerne Schalung bereits zu großen Teilen verrottet. Vor allem an den Kehlen, wo zwei Dachflächen aufeinander treffen, konnte das Wasser eindringen. Und ein großer Wasserspeier aus Tuffstein war abgebrochen und hatte die Fassade zusätzlich beschädigt.

Handwerkskunst in „Altdeutscher Deckung“

Um die Kirche dauerhaft zu sichern, war eine regelrechte Rosskur nötig und das gesamte Dach (mit Ausnahme des Turms) musste vollständig saniert werden. Diesmal setzte man gleich auf höchste Qualität und verwendete die sogenannte „Altdeutsche Schiefereindeckung“. Die gilt als „Königsklasse“ des Dachdeckerhandwerks. Dabei werden Schiefersteine unterschiedlicher Größe so verlegt, dass sie ein harmonisches, aber lebendiges Bild ergeben.

Zuvor wurde das Kirchenschiff komplett eingerüstet und die wertvolle Peter-Orgel im Inneren bekam eine eigene Einhausung, um sie vor dem Baustaub zu bewahren. Nach Abbruch des alten Schiefers wurde eine neue Schalung aufgebracht und das Dach neu gedeckt. Regenrinnen und Fallrohre wurden in Kupfer ausgeführt. Alle maroden Holzbalken und Sparren wurden fachgerecht instand gesetzt oder durch neues Holz ersetzt. Am Ende wurde der abgebrochene Wasserspeier wieder montiert, und die Tuffsteinfassade gründlich gereinigt und neu verfugt. Dank dieser Maßnahmen ist die Reformationskirche wieder bereit, den Elementen zu trotzen.

Von Dampfmaschinen zum Villenviertel

Bayenthal selbst blickt auf eine rasante Entwicklung zurück. Ursprünglich im Jahr 1307 erstmals erwähnt, bestand der Ort noch 1830 aus lediglich drei Häusern und einem Kalkofen. Der große Boom kam 1856 mit der Industrialisierung. Die „Kölnische Maschinenbau-AG“ siedelte sich an und fertigte dort unter anderem die Dachkonstruktionen für den Kölner Dom und den Hauptbahnhof. Eine Holzschneidemühle und mehrere Brauereien folgten.

Nach der Eingemeindung zu Köln 1888 wandelte sich Bayenthal allmählich vom Industriestandort zum beliebten Wohnvorort. Heute prägt ein Ensemble aus historistischen Großbauten – wie das St.-Antonius-Krankenhaus, die Kirche St. Matthias und eben auch die Reformationskirche – das Stadtbild.